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Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

DIE WAFFEN KAISER

KARLS V. IN WIEN

Von BRUNO

HOMAS

Im Itinerar des ewig unruhigen Kaisers Karl V. (1500 bis 1558)

kommt Wien bekanntlich nur einmal vor. Im Oktober 1532 hat

er die Stadt auf dem Zuge gegen die Türken berührt, die damals

 bis vor Linz gestoßen waren. Und doch haben sich hier,

nämlich in der Waffensammlung des Kunsthistorischen Muscums

 in der Neuen Burg, ein Dutzend Leibwaffenstücke seines

eigensten Gebrauche-s auf verschiedenartigen Wegen zusammengefunden.

 Wien war eben doch seit der Zeit seines Bruders und

Nachfolgers Ferdinand I. (1503 bis 1564) Herrschaftszentrum

und Residenz der österreichischen Linie der Habsburger.

An Hand dieser aus seiner unmittelbaren Berührung stammenden

 Gegenstände läfit sich der Lebensgang Karls V. zumindest

von 1509 bis 1545 verfolgen, d. h. von seinem neunten Jahr bis

ungefähr zum letzten Zeitpunkt, aus dem sich persönliche

Waffen nachweisen lassen. Darüber hinaus hat auch Madrid

nichts zu bieten. Sein bis dahin nimmermüdes Interesse an der

Waffe ist damals offenbar erlahmt.

Man könnte in Wien in diesem Zusammenhang vielleicht schon

das ritterliche Spielzeug der bronzenen Turnierreiter (InvenL-Nr.

 PS. 81, 92) nennen. Es handelt sich um zwei Ritter, die zum

Rennen gerüstet hoch zu Roß sitzen. Die Pferde laufen auf

Rädern. Mit Schnüren fachgcmälß gegeneinander gezogen, heben

sich die Reiter mit den Lanzen gegenseitig aus dem Sattel. S0

schildert es Hans Burgkmair als Teil der Prinzenerziehung auf

einem seiner Holzschnitte des „Weiskunig"-Romans von etwa

1516. Vielleicht auch war das Geschützmodell (A 74) zum

Hauptstück „LauerpfeiP, dessen 5 m langes Original bereits

1506 auf den Wällen von Wien nachweisbar ist, als Kinderspielzeug

 für die Enkel des „Letzten Ritters" gedacht. Das 75 cm

lange Modell trägt u. a. seine fünf Königswappenlund seine reichen

Embleme in prächtigem Relief. jedenfalls sind ihre vorderen

Schildzapfen zu Pfeifen ausgebohrt, deren durchdringender Ton

möglicherweise einen kleinen Karl oder Ferdinand belustigen

sollte.

Greifbar wird Karl V. mit Sicherheit in seinem Schwert (A 453),

das, zugleich mit einem Gegenstück für seinen Großvater Maximilian

 I., Papst julius II. aus dem Hause Rovere ihm in Rom

mit der Aufnahme in die St. Peters-Ritterschaft 1509 verlieh.

Die elegante Fassung aus geschnittenem Eisen und vergoldeter

Bronze sitzt auf einer Klinge, die, wie erst kürzlich nachgewiesen,

 vom päpstlichen Goldschmied Ercole de' Fideli (1465

bis 1518119, vor seiner Bekehrung zum Christentum Salomone

da Sesso) mit dem Löwen, mit Ranken und Aktfiguren geätzt

und vergoldet wurde. Über dem Löwen steht graviert Karls V.

gekrönte Säule.

Um seinen ältesten Enkel (dessen Vater Philipp I. der Schöne,

König von Spanien, bereits 1506 gestorben war) würdig auftreten

 zu lassen, bestellte Maximilian I. in seiner 1504 neugegründeten

 Innsbrucker Hofplattnerei der Reihe nach zwei

Knahcnharnische für den kleinen Karl. Der erste (A 186) ist

eine Arbeit Hans Raheilers, des Bayern, im Jahre 1511 begonnen

und „hammerfertigf d. h. unpoliert geblieben. Der Kaiser

hatte den Auftrag aufgehoben, sei es, daß ihm das Werk nicht

aufwändig genug schien, sei es, dafi der Prinz einfach über seine

Maße hinausgewachsen war. S0 wurde er seit je als niemals

gebrauchtes „Museumsstüek" der kaiserlichen Leibrüstkammcr,

später der Ambraser, mit dieser der Waffensammlung eingegliedert.

 Das plnstisch höchst reizvolle Werk ahmt die „geschlitzte

 und gepuffte" Zeittracht in Stahl nach, die so charakteristisch

 von den kaiserlichen Landsknechten wie von ihren

Todfeinden, den Schweizer Söldnern, bekannt ist.

Allerdings wird diese kleine Rüstung an Eleganz und an Pracht

Unfertigcr Knaben-Kostümharnisch Karls V. Hans

Rabcilcr 1511[12.

der Durchführung bei weitem überragt von einem zweiten

Knabenharnisch (A 109), blank, getrieben, schwarz- und goldgeätzt,

 mit durchbrochencn, vergoldeten Silberauflagcn über

ursprünglich veilchenblauem Samt besetzt. Größerer Aufwand

ist, damals als man die Gold- und Silbertauschierung am Harnisch

 noch nicht übte, nicht denkbar. Konrad Seuscnhofcr,

Haupt der Hofwerkstalt selbst, hatte den Auftrag 1512 erhalten.

Er bildete nicht nur Puffen und Schlitze des Stoffkostüms in

meisterhafte!" Manier nach, er formte, wie mehrfach so auch

hier, den faltigcn lextilen Rock der ritterlichen Tracht in Stahl

nach. Vorne und hinten war er ausgeschnitten, um den Sitz auf

dem Roß, im Krippensattel zu ermöglichen. Die Ausführung

der Auflagen, die Embleme des Ordens vom Goldenen Vlicß:

das Andreaskrcuz, Fcucrstahl, Feuerstein und Flammen, schließlich

 das Vließ selbst darstellend, wurden einem Augsburger

(loldschmied anvertraut, der den Harniseh zugesandt erhielt.

Dort wurde wohl auch die Ätzung, vielleicht von Daniel Hopfer

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