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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 1 und 2)

fortifikatorischer Charakter genommen. Die runden Türme

blieben stehen, erhielten aber an Stelle der plumpen Zwiebeldächer

 graziös geschweifte Kuppeln, die beinahe orientalisch

anmuten. jedem Turm wurde in Richtung des alten Mauerzuges,

z_u beiden Seiten des Hauptschlosses, ein kleiner Flügelhau angefügt,

 der mit seinem gebrochenen Dach und den hohen Fenstern

 das französische Vorbild nicht verleugnen kann. Mit diesen

Veränderungen war wie mit einem Zauberschlag aus dem nüchternen

 und abweisend wirkenden Zweckbau der früheren Zeit

ein heiteres Baroekschloß geworden. Der Name des Architekten

und die Jahre, in denen der Umbau durchgeführt wurde, sind

nicht bekannt. Doch müssen die Arbeiten um 1718 nahezu

abgeschlossen gewesen sein, da die Fresken Daniel Grans

in einem der damals errichteten Flügelbauten mit dieser jahreszahl

 bezeichnet sind.

Welchen Eindruck das barocke Sehloß auf einen damaligen

Besucher machte, schildern die Worte eines Zeitgenossen, des

protestantischen Theologen johann Christian Edelmann, der

1725 nach Wasserburg kam und es „mehr einem Paradiese ähnlich

 und mehr als fürstlich" bezeichnete.

Vom plastischen Schmuck des barocken Gartens haben sich

noch zahlreiche Skulpturen erhalten. Zwei mächtige, steinerne

Hunde, die heute das Eingangstor bewachen. erinnern daran, daß

die Grafen von Zinzendorf durch Generationen das Amt eines

Obersterblandjägermeisters bekleideten. Als Zeichen seiner

Würde hatte der Inhaber dieses Hofamtes bei der Erbhuldigung

zwei Jagdhunde an der Leine zu führen. Neben der Jäger-kleidung,

 dem Jagdmesser und dem jagdhorn gehörten auch die

Hundehalsbänder zu den Insignicn dieses Landeserbamtes. Auf

den Halsbändern der steinernen Hunde in Wasserburg sind die

Buchstaben L. G. v.Z. (Ludwig Graf von Zinzendorf) zu lesen.

Abb. 2: Dcmil dc-r Fruskm von Daniel Grun in der Schlußbihlinxthck,

 dmicrl 1718. De: unncnzwcig und die Nligclspurcnx In den

Fresken erinnern an Fcstdelaoralioncn aus der Busatzmnnxgszcit.

Abb. 1: Kaum 2 km von der Wiener Bundesstraße und ihrem hnsrenden Verkehr entfernt liegt Schloß Wasscrburg in der fruchtbaren Ebene des

Traisentaies. Das Schloß steht auf einer künstlichen Insel, die auf drei Seiten von einem Teich umgeben ist. Die Hnuptfront und die Rundtürme

mit den niedrigen Flügeibnuten bilden einen Ehrenhof, in den die Zufahrtastrnße über eine alte Brücke und einen mit schattigen Kastanien

bestandenen Damm führt.

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