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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 1 und 2)

ROBERT

OBSIEGER

Von IGNAZ SCP

LOSSER

Österreich tritt - genauso wie andere Kulturbereiche - nur in

weiten Zwischenräumen führend in die Geschichte der Keramik

 ein. ,

Am Ende des Mittelalters beginnt, besonders in Oberösterreich

und Salzburg, eine Blütezeit der Hafnerkeramik, die bis weit

ins 17. Jahrhundert hinein andauert. Wenn sich auch nur wenig

Gefäßkeramik erhalten hat, so zeugen doch zahlreiche Kachelöfen

 und Kacheln von der Bilder- und Erzählerfreudigkeit sowie

von der Freude an bunten Glasuren bei den Hafnern dieser Zeit.

Weite Gebiete Österreichs wurden entweder direkt mit den Erzeugnissen

 der alpenländischen Hafnerwerkstätten beliefert oder

wandernde Gesellen vermittelten das Erlernte und Geschautc in

alle Nachbargebietc.

Von der Blütezeit der Fayence, die thematisch in jenen Ländern,

die ostindischc Handelsgesellschaften besaßen, unter dem Einfluß

 des ostasiatischen Porzellans stand, erreicht Österreich

selbst in den Traditionsgebieten der Keramik nur ein leichter

Wellenschlag.

Dagegen erlebt Österreich eine zweite Blütezeit der Keramik

in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und zwar in Wien.

Hier gründet 1718 DuPaquier seine privilegierte Porzellanmanufaktur;

 eine Manufaktur, die in den rund fünfundzwanzig

Jahren ihres Bestandes in materieller Hinsicht stets notleidcnd

war, die aber in künstlerischer Hinsicht ein Produktionsprogramm

 aufzuweisen hat, an das nicht so leicht eine andere

Manufaktur heranreicht. Es handelt sich in Wien weniger um

große, reich ausgestattete Service, als um eine Vielfalt von Gefäßformen

 ansprcehendster Art für die verschiedenartigsten

Zwecke. (In der für die Wiener Manufaktur so erfolgreichen

Sorgenthal-Zeit bedeutet die Gefäßform fast nichts, der malerische

 Dekor dagegen alles.)

In den Pausenzciten, cine lange tritt nach der Mitte des 18. jahrhunderts

 für Österreich ein, schläft die keramische Produktion

natürlich nicht völlig ein, aber sie führt kein Eigenleben, sie

lebt von besseren oder schlechteren fremden Vorbildern oder in

ländlichen Gebieten von der laufenden Produktion traditionell

bewährter Gefäßtypen.

Die mageren keramischen jahre, die auf die DuPaquieHsche

Porzellanmanufaktur folgen, dauern in Österreich recht lange

- sie sind aber nebenbei gesagt in anderen Ländern auch nicht

viel fetter. Aus der Blütezeit der Hafnerkeramik sind uns Namen

von Meistern wohl überliefert, doch gelingt es kaum, bestimmte

Werke mit bestimmten Namen in Verbindung zu bringen. In der

Wiener Porzellanmanufaktur der DuPaquier-Zeit handelt es

sich um die Leistungen einer Werkstätte, deren Mitglieder uns

unbekannt geblieben sind, da sich über diesen Betrieb keinerlei

Akten erhalten haben; und selbst wenn sich Akten erhalten

hätten, müßte nicht notwendigerweise daraus hervorgehen, welchem

 Meister wir die einfachen und kapriziösen Geiäßiormen

zu verdanken haben.

Die Zeiten der Wiener Werkstätte, die für manche Teile des

Kunstgewerbes so ergiebig waren, blieben für die Keramik recht

unfruchtbar. Porzellanmanufaktur stand in Wien keine zur Verfügung,

 und was hatten Töpferwaren schon zu bestellen zwischen

Gold, Silber, Elfenbein, Seide und Edelhölzern.

Aber inzwischen wächst ein Mann heran, der in seinen Lehrjahren

 alles kennenlernt und kennenzulernen trachtet, was es

über die Kunst und Technik der Keramik kennenzulernen gibt.

Inzwischen lernt das Abendland immer mehr die jahrhunderte

alte keramische Produktion Chinas kennen und schätzen. Der

Mann nimmt auf seinem Bildungsgang alles in sich auf, was

ihm an keramischer Schönheit begegnet, von der schlichten Einfalt

 und Zweckmäßigkeit traditioneller Gefäßformen bis zu den

Finessen chinesischer Form- und Glasurkünste, von den Brennschwierigkeiten

 keramischer Großplastiken bis zu den Eingeweiden

 eines gut funktionierenden Kachelofens. Ein keramischer

Großbetrieb gibt ihm die Möglichkeit, sein Wissen und Können

an jüngere Kräfte weiterzugeben und schließlich beauftragt ihn

Abb. 1: Robert Ohsieger.

Krüge mit verschiedenartigen

 Glasuren.

[Ysterreichluches Museum

1m angewandte 1mm


            
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