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Full text: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 4)

DAS 
HISTORISCHE 
MUSEUM 
DER 
STADT 
WIEN 
UND SEIN NEUES GEBÄUDE 
FRANZ 
ÜCK 
Es ist in den letzten Jahrzehnten viel über den Begriff des 
Historischen Museums nachgedacht und geschrieben worden. 
Bei solchen Überlegungen läuft man immer Gefahr, zu eng zu 
umgrenzen und zu dogmatisch zu beschränken. Das Museum an 
sich ist ja, einmal den Kinderschuhen der Wunderkammer ent- 
wachscn, etwas, das rnil Gcschichtshevtruiltsein erfüllt sein muß. 
Selbst dort, wo es sich um ein Museum moderner Kunst handelt, 
wird man nicht darum herumkommen, Entwicklungslinien zu 
ziehen, jede Sammlung aber, die Zeugnisse früherer Zeiten 
vereinigt, wird sie ganz gewiß zeitlich aneinanderreihen und 
gliedern, und sei es auch nur innerhalb einzelner Sammlungs- 
gebiete. Von di m Gesichtspunkt aus ist der Begriff „Histori- 
sches Museum" eine Taulolugie. 
Dennoch hat er seine Daseinsberechtigung. Wo die Geschichte 
  
einer Stadt oder eines in sich geschlossenen Landes dargestellt 
werden soll, liegt eine besondere Aufgabe vor. Soweit dies 
visuell möglich ist und soweit Zeugnisse noch vorhanden sind, 
müssen alle Formen geschichtlichen Lchens in einem solchen 
Museum dargestellt oder, besser gesagt, angedeutet werden, denn 
darstellen kann Geschichte nur die Sprache, nur das Buch. Ein 
Museum soll und darf nie Geschichtsdarstellungen ersetzen 
wollen. Kürzlich schrieb mir ein Kollege, er wüßte gut, dnß 
„etwa den Domfiguren von St. Stephan kunstgeschichtlich ein 
anderer Rang zukomme, als den Kulturzeugnissen von der 
äußersten Grenze des Römerreicht-s. Aber immerhin handle es 
sich um ein Historisches Museum." Das ist ein richtiger Ge- 
danke, in dem die Cvelnhr falscher Auslegung schlummert. Würde 
man nur den Gedanken der Kulturentwicklung, ohne Rücksicht 
Sl.ltllk:lßäk' aus dem ullvn RMhuLh (Oherkxnnmcvzunl). Wien, 1770 
 
Rcilcrhwrnißclm Süddvulsch, um m45. Bcigrfüglt 
Schx A Run vr mit vuHun Visier, um 1m. 
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