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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 12)

Verschiebung der Proportionen erzielt, durch Aufreißen der

Erde, Erdanatomic, die die Struktur ihres Aufbaus sichtbar

machen soll, durch eine kleine Verfremdung (in nordischen

Landschaften zum Beispiel stehen südliche Bäume). All das

bringt Steigerung gerade des Erlebnisses der Naturkraft hervor,

des All-Einen, ihrer Vielfältigkeit, ihres ewigen Wandels. Dies

Wirkliche kommt auf phantastische Weise nur um so fesselnder

 zum Ausdruck. Der Krieg läßt sich als Panzcrschlacht

darstellen. Bei Lchmden erscheinen die Kampfwagen beinahe

schon wie bewehrte,riesenhafte Kriechtiere. Der dem Kricg innewohnende

 Sadismus, seine Scheußlichkeit, Aggressivität wird als

Kampf nackter, beißender, stechender, die Mienen schrecklich

verziehender, die Glieder verdrebender „Männer in einer Landschaft"

 mindestens ebenso fühlbar. Krieg ergreift die Natur.

Fabelhafte Tierwesen stehen einander gegenüber. Ur-Liebe, eine

animalisch anmutende Zärtlichkeit. aber auch Würde und Größe

strahlt von fremd anmutenden Menschenphysiognomicn aus.

Lehrnden ist der Maler des verlorenen Paradieses und einer nach

Frieden sich sehnenden, von Umwälzung, von Zerstörung und

Wut bedrohten Welt (siehe auch: „Gestörte Idylle j Die Welt

des Malers Anton Lehmden", Heft U2, Jahrgang 1959 dieser

Zeitschrift).

Der anmutigste, heiterstc der vier „Phantastischen Realisten"

ist Hutter. Die Welt erscheint bei ihm als Garten, von seltsamen

Blumen, Insekten, Schmetterlingen, von Papagenos und Liebespaaren,

 von Magiern mit vielen Taschen bewohnt.

Die Geschichte mit dem Apfel passiert. Eva liegt mit geschlossenen

 Augen im Arm eines dandyhaft romantisch gekleideten

Adam. Das Pantomimische der Szene ist mit Absicht outriert.

Die Liebenden und flatternden Bänder sind eines von Hutters

Lieblingsthemen. An zivilisatorischem Luxus, an dekorativen

Reizen liegt ihm. Er richtet künstliche Paradiese ein. „Dringendere

 Sehnsüchte schaffen", heißt nach Thornton Wilder die

Aufgabe der Kunst. Neben der Natursebnsucht Lchmdens steht

die Komfortsehnsucht Hutters. Doch weicblich sind auch die

Paradiese dieses Malers nicht. Wind weht durch sie. Des Künstlers

 Gewächse stehen. Die Hügel haben scharfe Grate. Als peinlich

 genauer und empfindsamer Maler erfindet er seine eigene

Insekten- und Pflanzenwelt. Sie beschreibend, ließen sich gelehrte

 Nachschlagwerke herstellen. Er ist reich an Erfindung.

Wie seine Freunde malt er in einem letzten Grund Sinnbilder,

die etwas Wirkliches bezeichnen.

In Hutters „Puppenheim" leuchtet es des öfteren nicht ungcfährlich

 auf. Seinen Geschöpfen fährt Schreck in die Glieder.

Er liebt die allernäcbste Nachbarschaft von Schmetterlingsköpfen,

 Insekten und einem Mensehenkopf. Zuweilen wird des_

Künstlers Aufmerksamkeit durch ungewisse Zustände angezogen.

 Aus einer Form kann ein Baum oder ein Mensch, ein

Schmetterling oder eine Blume steigen. Das fesselt ihn. Er läßt

es ineinandergleiten. Er umkreist sein All-Eines. Auch er.

Dem Panischen zugewcndet ist Helmut Leherb, der jüngste der

Künstler. Er hat mit einer „Kleinen Traurigkeit" begonnen. Ein

Liebespaar mit feinen Gesten erschien, er schwarz gewandet,

sie grün, vor violettem Hintergrund. In gelbem Schwefeldampf

stürzten Engel. Einen phantastisch-dekorativen „Paradiesgarten"

regierte der Huflattich. „Narkose" gab allerlei Visionen und

und Schreckbilder wieder. Ein groteskes Element fehlte nicht.

Das Wirkliche, von dem Leherb heute träumt, ist der Mensch

in heidnisch-rnythischer Sicht. Aus Zersetzung kommt Leben.

Poren öffnen sich wie Wunden, kleine Krater, und schließen

sich wieder. Kostbare Steine, Diademe blitzen auf, Eva geht aus

den Geweben Adams hervor. Faun und Centaur sind Leitbilder

dieser Welt. Ein Zug zur Monumentalität macht sich bemerkbar,

 auch (und gerade) in den kleineren Formaten. Farbe wird

sinnlicher, wärmer: Leherbs verschiedene Braun, seine Rot.

Mit breiterem Pinsel als früher malt der Künstler „Fremde

Wesen", die über einer Landschaft schweben, welche von einer

matten Sonne erleuchtet wird.

Rudol

f Hausner, Adam nach dem Sündcnfa
            
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