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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 12)


Franz Wiegele, Licgcnder weiblicher

Akt. Kreide.

Aynindcmx fvlodigliani.

Fr ucnkopi (Mmc. Hastings).

Fcdrl" mit grauer Tusche luvicrl.





sicht zu pflegen. So ist in der Sachsparte „Zeichnungen, Aquarelle,

Pastelle" das Schaffen Egon Schieles allein durch 78 Blätter vertreten,

die alle im letzten Jahrzehnt erworben wurden. Damit verfügt die

Albertina über einen unvergleichlichen Bestand an Arbeiten dieses neben

Kokoschka größten österreichischen Meisters der Moderne. Die Neuerwerbungen

 verteilen sich praktisch auf alle Schaffensjahre des Künstlers;

 im Absehrciten der Blattfolge erlebt man in gleichsam filmischer

Szenenfolge das Lebensdrama des Malers, der stets mit den übermächtigen

 Gewalten des Eros zu ringen hatte und aus dem ihm auferlegten,

ungeheuren inneren Zwang die Kraft zur Sublimierung des Nur-Triebgebundenen

 zu den wohl packendsten Kunstwerken fand, die sich mit

dem Thema „Frau" auseinandersetzen. Besonders ergreifend sind die

Arbeiten, die Schiele während seiner Haft im Neulengbacher Bezirksgericht

 schuf, in dem er eine kurze Haft wegen „Pornographic" verbüßtc.

 Schicles Kunst ist auch im rein Formalen durchaus paraholisch;

sie schöpft ihre Reize aus der scharfen Kontrastierung von Raum - und

Flächcnwcrten - die Figuren wirken daher auch im übertragenen Sinn

wie eingczwängt in die Bildebene, die damit als solche den Charakter

eines sublimen Gefängnisses erhält. Ähnlich wirkungsvoll ist der Gegensatz

 zwischen einer deskriptiven und einer expressiven Linienführung,

welch letztere den gegebenen Bestand des Modells zum Befund umdeutet.

 .

Eine Überraschung der Ausstellung bilden die acht Blätter von Oskar

Laske, der sich als Landschafter, als Schöpfer von Stadt-Veduten

höchsten Ranges ausweist. Auch Wiegele, Kolig, Faistauer, Klimt,

Hanak und Egger-Lienz sind durch bedeutende Neuankäufc vertreten.

Von besonderem Interesse sind zwei kleine Bleistiftzeichnungen von,

Franz Kafka. dessen „Selbstporträt als Nachtwandler" eine echte innere

Aussage zur Struktur des literarischen Werkes darstellt. Kuhin ist mit

Arbeiten repräsentiert, die alles Klischeehafte hinter sich lassen und

unsere Kenntnisse über diesen Meister um eine neue Dimension bereichern;

 wenn ein breiten Kreisen fast völlig Unbekannter, der Grazer

Hans Nagelmüller (1903-1953) mit einem Werk („Abstrakte Figur")

vertreten ist, so beweist dies, daß man in der Albertina keine „Namen",

sondern Qualitäten als solche kauft.

Und nun zu den Ausländern: wir erwähnen nur Chagall (zwei Blätter),

Cocteau („Lancelot spielt mit dem Teufel Schach"), Feininger, Klee,

Leger, August Macke, Marc („Schwarzes und weißes Pferd in Gebirgslaitdsehalt"),

 Matisse, Modigliani, Henry Moore, Emil Nolde („Düstere

 Landschaft mit Kornfeld..."), Rodin (zwei zauberhafte Frauenakte),

 Schlemmer und Graham Sutherland.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt Neuerwerbungen auf dem Gebiet

der Druc' aphik. Die Schau beschränkt sich auf Arbeiten der Eeole

' ne Nachtragsausstellung, die die anderen Nationen berücksichtigt,

 sull im Frühjahr folgen. Diese Teilung hat sich als durchaus

notwendig erwie 'n, denn hier nimmt der zahlenmäßige Umfang geradezu

 enzyklopädische Dimensionen an. Man kann getrost feststellen,

daß nunmehr wohl alle bedeutenden Künstler Frankreichs, die innerhalb

 der letzten hundert Jahre geboren wurden, in der Albertina auf

das Ausführlichste und Beste vertreten sind: der älteste Meister ist



 



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