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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 5)


Koloriertc Zeichnung aus dem Frcydal, fol.193. "Gemvines Dcutsches

 Gestech", Innsbruck, nach 1512.

Sammlung In: Plastik und Kunulgewerhe. WltlLKllnxthistorlurhen Museum

Kreis seiner Wirksamkeit. Andererseits verhindern die _Anwendung

 des Granatapfels als Wappenbild der Stadt und des Königreiches

 Granada und die Intensität des Gebrauches durch Maximilian

 den Zugang und die Aneignung durch Geringere, besonders

 seit der Verschmelzung mit der Tudorrose in einem gemeinsamen

 Badge durch die Heirat Heinrich VIII. mit Katharina

 von Aragon. Hätte Pilipp nicht so frühzeitig der Tod ereilt

(1506), wäre er der Schwager des englischen Königs geworden,

da beider Gemahlinnen Schwestern waren. Als Maximilian dem

Konrad Seusenhofer einen Faltenrockharnisch, wie man ihn im

Fußkampf verwendete, als Geschenk für Heinrich VIII. in Auftrag

 gibt, läßt er ihn neben sakralen und weltlichen Symbolen

auch mit Granatäpfeln schmücken, in der glücklichen Duplizität,

 an der sowohl Heinrich als Maximilian durch die spanischen

Heiraten teilhatten.

Wie der Pinienzapfen, ursprünglich dem Kult der Kybele bestimmt,

 bedeutet er im Alten Testament als Gotteszeichen Totensinnbild

 und ist Symbol der Liebe und Fruchtbarkeit. Als

solches hat er den Triumpfwagen der Burgundischen Hochzeit

zu zieren, und seine Ähnlichkeit mit dem cydonischen oder cotoneischen

 Apfel, der Quitte, hat gewiegte Humanisten, wie

Andrea, Alciati, wie Willibald Pirkheimer gcnarrt, die ihren

gemeinsamen Plutarch, der den Hochzeitsbrauch, Neuvermählten

 cydonische Äpfel ins Brautgemach mitzunehmen, empfahl

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- mißbrauchten. Als der hl. Johann von Gott als Pilger durch

die spanischen Lande zog und in Granada zum Heiligen heranreifte,

 begegnete ihm das jesuskind. In der Linken einen gespaltenen

 Granatapfel mit einem Kreuz, gleich dem Reichsa_pfel,

 wies es mit der Rechten auf johann und sprach: „Von

Gott wird dein Kreuz sein". 1540 gründete der Heilige den Orden

 der Barmherzigen Brüder nach der Regel des hl. Augustin.

Verlaufen sich die Spuren des Schicksalradcs dem Ende seines

Lebens zu, so gewinnt der Granatapfel an Gewicht und Maß und

der Gestus, als Gemeinsames von Frucht und Hand, wie ihn Dürcr

 in die Kaiserbildnisse von Wien und Nürnberg gemalt hat,

kennt kein Ermüden in der Mitteilung seiner Prägung. Der Kaiser,

 nicht in Unkenntnis seines eigenen Wertes, ist trotzdem

bedacht - und dies in voller Kongruenz mit den Forderungen

der Renaissancefürsten - für seinen Nachruhm zu sorgen, wie

alle Dokumente dartun, seien es die Monumcnlalbilder in Drukkerschwärzc

 oder Bronze. Der Granatapfel war auch Sinnbild

der Vergänglichkeit und wie die Kaiser Ostroms das Säckchen

mit Asche in ihrer Linken halten, so liegt er in des Kaisens

Hand. Ihm allein ist aufgetragen zu sprechen, während bereits

die Schatten des Alternden seine Züge umdüstern. Aber Proserpina,

 ihr ist der Granatapfel heilig, durehschreitet das Tor der

Vergänglichkeit in immer neuer Wiederkehr des ewigen Frühlings.


            
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