Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 7 und 8)

UNSERE AUSSTELLUNGSBERICHTE:

DAS OSVFERREICH-"FEAM

FÜR SAO PAULO

Die Meinungen darüber, wozu eigentlich Biennalen und andere untfassendc

 internationale Ausstellungen der Kunst von heute da sind,

gehen anSChCinend leider auseinander und das nicht nur in Österreit

Gerade für Österreich aber ist diese Frage von weittragendcr Bedeutung,

 da Österreich so ziemlich am Rande des europäischen Kunstgesehehens

 liegt. Es hat infolgedessen das denkbar größte Interesse

daran, die besagte Randlage und deren ung stige Folgen für die österreichische

 Kunst der Gegenwart so weit wic möglich auszuschalten oder

doch wettzumachen. Daß hierzu die Beteiligung an internationalen

Ausstellungen und Biennalen ein wichtiges Mittel liefert, muß wohl

kaum erst noch bewiesen werden.

Wenn sie aber ein solches Mittel sind, so ist es wohl ein Unterschied,

ob man sie nach kunsthistorischen oder nach aktuellen Gesichtspunkten

in lir iigung zieht und die Beteiligung entsprechend abstimmt. Den

kunsthistorischen Gesichtspunkten entspr" ht eine „Team"-Zusammcnstcllung,

 die entweder über inneröster ichischc oder auch über gröfierriiumige

 Entwicklungsabläufc Aufschlufl gibt. Stimmen aber derartige

 Aufschlüsse mit dem Geist und Charakter der betreffenden

Veranstaltungen überein?

Eine Reihe von Biennalen in Venedig stellten sich unter ein gewisses

Motto, und selbstverständlich richteten sich die Liinderauswahlen nach

diesem Motto, wenn sie etwas dazu zu sagen hatten. Auch zeigte jede

venezianische Biennale seit 1948 eine bestimmte wichtige Epoche der

Moderne scit 1905 oder auch schon seit dem lmpressionismus in

einer geschlossenen Schau, wodurch dem Besucher gewisse historische

Zusammenhänge teils neu erschlossen, teils ins Gedächtnis gerufen

wurden. Kein Mensch aber wird deshalb schon behaupten wollen, daß

die betreffenden Biennalen etwa kunsthistorische Veranstaltungen ger

wesen seien, sondern jedem ist es klar, daß sie in der Hauptsache

aktuelle Übersichten über Ausschnitte aus dem gegenwärtigen bildnerischen

 Schaffen in den einzelnen Ländern und damit eben über dieses

Schaffen Auskunft geben wollen. Das ist ihr wesentlicher Sinn und

Zweck, und hier liegt auch der Angelpunkt des Interesses gerade derer,

die über die Zusammenhänge der Kunstcntwieklung in den letzten

50 jahren einigermaßen orientiert sind.

Aus diesem Grunde kommt es gerade einem Lande wie Österreich mit

seiner eingangs erwähnten Randlage zu, sich bei solchen Gelegenheiten

so aktuell, so gegenwartsnah wie möglich zu präsentieren und bewullt

den gesamten zur Verfügung stehenden Platz entsprechend auszunützen.

 Das mag für kunst- und kulturhistorisch geeichte und verwöhnte

 Auffassungen brutal, ordinar und oberflächlich klingen, aber

erstens ist aktuell kein Pseudonym für qualitfitslos und umgekehrt,

und zweitens kommt es in diesem Falle nicht auf Kunst- und Kunsthistorie,

 ihre Möglichkeiten und Verdienste, sondern auf den Charakter

der Veranstaltung an, an denen sich zu beteiligen man die Absicht hat.

Diese aber haben offenkundig mehr mit „Mustermessen" als mit

Muscalkongressen zu tun, was man vielleicht bedauern, aber nicht

ändern kann, sondern das denkbar Beste für die lebende Kunst des

eigenen Landes herauszuholen hat.

Von diesem Gesichtspunkt ging die diesjahrige Auswahl für die fünfte

Kunst-Biennale in Brasilien, in Sao Paulo 1959 aus. Es galt, einige

attraktive oder, falls das Wort zu sehr an Aufmachung denken lassen

sollte, einige besonders starke und eben hierdurch Aufmerksamkeit

heischende Akzente zu setzen und sie der Qualität nach gut, aber zugleich

 auch sozusagen entlastend und entspannend zu umrahmen, zu

ergänzen, weil auf diese Weise beide Gruppen zur denkbar besten

Wirkung kommen.

Drei Gobelins bilden gewissermaßen den Auftakt. Es handelt sich zunächst

 einmal um den sogenannten „Teppich des Lebens" von Herbert

Boeckl, der hier bereits ausführlich besprochen wurde und infolgedessen

 als bekannt vorausgesetzt werden darf. Er ist für den Vorraum

zur Bundespräsidentenlnge in der Stadthalle bestimmt und stellt mit

seinen 2,60m Höhe und 1210m Länge, sowohl dem geistigen Gehalt

als auch der Formgestaltung, der fitrbigen Modulierung und der Webart

nach ein bedeutendes Werk dar. Zwei weitere Gohelins stammen von

Maria Biljan-Perz. Der eine aus dem B der Zentralsparkasse der

Gemeinde Wien ist eine bildneriseh reizvolle und fast kindlich-einfache,

 hauptsächlich auf Grau gestellte und farbig akzentuierte Darstellung

 zum Thema „Altes und neues Wien". Ein zweiter dunkel und

geradezu glasfensterartig gestimmter Teppich zum Thema „Technik",









der der Firma Gebr. Böhler S: Co., A. (3., Wien, gehört, wird gleichsam

 durch das schwarze Gestänge technischer Anlagen und Förderbahnen

 strukturiert. Beide Teppiche pritgen sich nicht zuletzt durch

ihren ebenso persönlichen wie gediegenen Erfindungsreichtum ein.

Für die Malerei zeugt in erster Linie eine Kollektion von rund zehn

Bildern Fritz Hundertwassers aus den Jahren 1956-59. Es sind Bilder,

 die die glossenartigen Repliken zur Zeitgeschichte wie auch die

skurrilen Figurationen Hundertwitssers aus seiner „Strohkoffetß-Zeit

und zum Teil auch schon die spiraligc Labyrinthik in seiner Bildge-Staltungsweise

 hinter sich gelassen haben, sich also öffnen und Flä-Rudolf

 lloflchncr, .,Figur 3". Eisen, massiv. 1956.

llöhe 2m.

chen oder, wenn man es mehr vom Wesentlichen her sagen will, breit

angelegte Zonen und Bereiche sichtbar machen, in denen oft sonderbare

 farbige und manchmal auch nur poetische Weltvorstellungstluume

 hausen. An der nicht selten jtiwclcnbztften Behandlung der

Farbe und einer gewissen Ornamentik spürt man noch immer die

allerdings völlig frei und selbständig gewordene „l-lerkunft" von

Klimt heraus. Es ist ein gutes Stück Orient in diesen Bildern. Ihr

llauptrei. besteht jedoch in der auf ihnen zutage tretenden Harmonie

zwischen einer völlig problemlosen und eigenwilligen Unbekümmertheit

 sowohl in der Themenfindung als auch in der Gestallgebarung

auf der einen und einem durchaus differenzierten Farb- und Formgeschmack

 auf der anderen Seite.

25
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.