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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 7 und 8)

Gemächer der Königinmutter Elisabeth bestimmt waren. Die

auf den Kacheln abgebildeten Personen: der Gemahl Kasimir

und der geliebte Sohn der Königin Johann Albertus bekräftigen

diese Vermutung. Die Öfen konnten frühestens um 1505 hergestellt

 worden sein (die früheste Entstehungszeit des Holzschnittes),

 alsolaml Lebensabend der Königin, die im Herbst

desselben Jahres verschied.

Die auf zwei Kacheln erhaltenen lateinischen Inschriften „BAR-THOSC

 FEClT" und „DE KAZIMIRIA FECIT" lassen den

Verfasser erkennen. Die Person eines Hafners namens Bartholomäus

 tritt oftmals in den Urkunden auf. Er wohnte in der kgl.

Stadt Kazimierz bei Krakau (heute Krakaus Vorstadt) und war

lange Zeit am Hofe als Kaehelmeister beschäftigt. Leider fehlt

in den nur fragmentarisch erhaltenen Dokumenten irgendeine

 Erwähnung, claß Bartholomäus die vergoldeten Ofen verfertigt

 hätte.

Die Krakauer Kachelkunst zu Anfang des 16. Jhdts., die ihren

Ausdruck in den Werken von Bartholomäus findet, ist mit der

damaligen mitteleuropäischen Kachelerzeugung eng verwandt.

Die Thematik, der Stil und die Erzeugungstechnik deuten auf

die Beziehungen mit zwei Kachelzentren hin: dem österreichischen

 (Salzburg, Tirol) und dem ungarischen (Buda). Der pflanzliche

 Dekor der Wawelkacheln, obwohl „diszipliniert" und den

Regeln der Symmetrie streng untergeordnet, verbindet sich

augenscheinlich mit der üppigen, phantasievollen Pflanzenwelt

des Ofens aus der Festung Hohensalzburg. Dieselbe Verwandtschaft

 der beiden Gruppen ist auch in der Reliefausführung und

im Kolorit der Kacheln zu bemerken. Dieser Zusammenhang,

der die Einwirkung des Salzburger keramischen Zentrums auf

Krakau vermuten läßt, hat seinen Grund in den vielseitigen

Kontakten zwischen Polen und Österreich, welche am Ausgang

des Mittelalters und unter der Herrschaft des Kasimir Jagello

und seiner Gemahlin Elisabeth (Tochter Albrechts II. von Habsburg)

 zur besonderen Auswirkung gelangt waren. Elisabeths Verdienste

 um die Verbreitung der Kontakte zwischen Österreich

und ihrer zweiten Heimat Polen sind bekannt und i.n der Fachliteratur

 betont. Man nimmt sogar an, daß die Vermittlung der

Königin einen entscheidenden Einfluß auf die Einbürgerung

des Veit Stoß in Krakau ausgeübt hatte!

Auch mit Ungarn war Polen damals dynastisch eng verbunden.

Seit 1490 hatte den tschechisch-ungarischen Thron Ladislaus I.

inne, der Sohn Kasimirs und Bruder der drei nächsten polnischen

Könige; Johann Albertus, Alexander und Siegmund. Der polnische

 Thronfolger und spätere König Siegmund verweilte

vielmals am Budaer Hofe als Gast seines Bruders. Daß der junge

Fürst die künstlerischen Kontakte zwischen Buda und Krakau

eifrig förderte beweist die Tatsache, daß er im Jahre 1502 den

bekannten, in Buda tätigen italienischen Baumeister Franz von

Florenz nach Krakau kommen ließ, um ihn mit dem Umbau

des Wawelschlosses zu beauftragen. Wie es die zuletzt in Ungarn

 durchgeführten Forschungen nachweisen," existierte im

Budaer Palast zur Zeit Ladislaus" ein prächtiger, mit bunter

Zinnglasur bemalter Ofen, dessen Kacheln mit einer tiefreliefierten

 thronenden Gestalt des Königs Matthias geschmückt waren.

Siegismund hatte bestimmt den Ofen gesehen. Vielleicht ist ihm

schon damals eingefallen, ein ähnliches Kunstwerk in Polen

verfertigen zu lassen?

Die Verwendung von Zinnglasur auf den Wawelkacheln bekräftigt

 die Vermutung, daß auch auf dem Gebiet der Keramik

unmittelbare Kontakte zwischen Krakau und Buda existierten.

Es ist beachtenswert, daß in Ungarn, als erstem Land in ganz

Mitteleuropa, schon zu Ende des 15. Jhdts. die Zinnglasur zur

Kachelverzierung angewandt wurde.

Alle diese Forschungsergebnisse dienten der Wiederherstellung

von zwei vergoldeten Öfen, die einst in den königlichen Gemächern

 des Schlosses Wawel gestanden haben. Da aber heute

irgendeine Differenzierung des Aussehens dieser zwei Ofen mangels

 entsprechender Angaben unmöglich ist, haitte man nur

Rekonstruktion eines Früh-Rcnaissance-Ofcns aus dem

Schlossc Wawcl, Krakau.

einen Ofen rekonstruiert, dessen Form als Synthese des vermutlichen

 Aussehens beider Öfen gedacht ist. Bei der Rekonstruktion

 wurde in Betracht gezogen: die Form und die Konstruktionseigenheiten

 der gefundenen Kacheln, die archivalischen

Urkunden. die über die Form von anderen Ofen berichten, die
            
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