EIN
GLASGEMÄLDEZYKLUS
UM
1300
EVA
-KRAF
Den künstlerischen Sehwerpunkt der in Krems ausgestellten
gotischen (ilasgentitltle bilden zwei große, jeweils aus zwei
Scheiben bestehende Figuren. ein „Herzog Leopold" und ein
„auferstehender Christ . Xlllenngleieh die beiden (ilasgemiiltlt-
von der Vorsehung keineswegs übersehen wurden, so hatte die
Offentliehkt-it seit 1884, seit sie auf der „elektrischen Landes-
ausstellung" in Steyr gezeigt wurden, keine (ielegenheit zu ein-
geltentlei" Betraehtung der hervorragenden Stüeke mehr gehabt.
Die Stt'_vret' Stadlpfarrkirehe, in der sie ansonsten etwas hoch,
und vom Kirehenbesttehet" im [Detail wohl kaum auszttnehmen,
angebracht sind, ist aber nieht ihr ursprünglieher Standort, son-
dern nur das letzte Refugium, wohin sie aus der ranzensburg
in latxenlvttrg gebraehl wurden. Das Ensemble, dem unsere
Scheiben altgehür n, scheint aber damals noeh vollstfittdiger,
bzw. noeb nicht z rsplittert gewesen zu sein, Heule liilSt sich
bei folgenden Seheilven in Steyr (Herzog Leopold, Herzogin
Agnes, Auferstehung, Christi Himmelfahrt). und auf Burg Kreu-
zenstein (3 Propheten: Jesus Syrtteh und eine Ornamentseheibe)
auf (irund ihres iden hen 5 ls und der nfitttlielten Proportio-
ncn mit genügender bieherheit sagen, daß sie derselben Vers
glrtsung und wohl atteh der gleichen ausführenden Hand ent-
stammen müssen,
Wir besitzen also ein Stifterpattr aus dem Babenbergisehen Haus
und den Rest einer monumentalen. von Prophetendarstellttngen
begleiteten ehristoltigisehen Folge. Während das Stifter tar in
die seltlttnlteti l)reip llöffnttngen einer Phantasiearehilektur ge-
stellt ist, haben die übrigen Darstellungen ornatnen ale Rahmun-
gen, die in den Prophetenscheiben von besonderer lwppigkeit
gewesen zu sein seheinen. Die beiden (lhristusfigttren aber sind
„l.:tngp:"tssen" eher aufgelegt, als von ihnen eingefaflt. Der
„Langpalh ist jene bledaillon- bzw. Rahmenform, welelte öst-
lich des Rheins entwickelt, in den Alpenländern berrsitwilligst
aufgenommen und mit besonderer Beharrlichkeit bis hoch hinauf
ins l-f. Jahrhundert kultiviert wurde. Die Vorliebe für diese
Sonderfornt des Medaillons kommt nicht von ungt ihr; leistet
doch der „l.ttngpttll" genau das, was das liormgefültl jener nur
schwer von der Tradition der Romanik sich lüsendt-tt Zeit des
Übergangs in unserem Kunstraum fortlert: er kettct die Figur,
mag sie für sit-lt auch schon k verhalt-gerundet empfunden
sein, unwiderrttflielt an die Bildfliiehe. die, streng genommen,
keine Flache ist, sondern aus mehreren, gany flachen Schich-
ten besteht ("lieptvieltgrund -- Langptti} - liigur): zugleich aber
kommt der Langpttl} dem neuen Wohlgefallen an der schlank-
gestreckten und zugleich schmiegsam dem lligllfttttlttlfii} fol-
genden li(tllln1t'nlit)l"l'l1 entgegen.
Dieselbe Doppelgesiehtigkeit kennzeiehnet aueh die Rahmen-
arehitektur der Stifter: der in Älhtllnterk durehbroehene Drei-
pttlilvtvgen über sehlanken luurgundisclwen Doppe lchen mit
Knospenkttivittcllen, der ohneweiters einem ltoebgott hen Stein-
'. ß entnommen sein könnte, begrenzt eine ga dere,
aus Türmchen und Mauern kleinteilig kompilierte Architektur,
deren Bausteine jeder für sieh gesehen sind und deren „perspek-
Atilerstehttng. Stt-ttr. Plttrrkirehe.
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