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Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 9)

GEORGES MATHIEU UND l ODER DIE „DIREKTE MALEREI"

Von CLAUS PACK



Dur 33 jährige Rsklnmechcf der ,.l'nitrs Stzltvs 1,1mm

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Abstraktion" giht Anlaß, die mehr oder weniger konkreten Formulierungen

 seines Standpunktes hier einer Prüfung zu unterziehen.



Die „wahrhaft freie Malerei, die direkte Malerei", beginnt für

Mathieu am 16. Dezember 1947, als er unter dem Titel „Zu

einer lyrischen Abstraktion" in der kleinen „Galerie de Luxembourg"

 ausstellt und sich gegen den „Abstraktivismus Cezannes,

knnstruktivistischer oder neoplastischer Prägung" wendet. 1948

findet eine zweite Ausstellung statt, die unter dem originellen

Titel „H. W. P. S. M. T. B." (Hartung, Wols, Picabia, Stahly, Mathieu,

 Tapie Bryen) umfaßt. 1954 wird das Wort „Taehismus"

 geboren (der Vater ist Pierre Gueguen): die „Malerei der

Flecken". Zu ihrer „Technik" schreibt Mathieu: „ . . . man macht

nicht einen Fleck, um einen Fleck zu machen, sondern man

macht einen Fleck, da man eine bestimmte Farboberiläche an

einer bestimmten Stelle braucht und weil es das direkteste Mittel

ist, den Pinsel auf die Leinwand mit mehr oder weniger Gewaltsamkeit

 (daher die Farbspritzer) anzusetzen, ohne vorher den

Raum begrenzt zu haben. den man mit Farbe anfüllen will."

Natürlich kann Mathieu nicht übersehen, daß jackson Pollock

in den USA bereits 1946 vom figurativen Expressionismus zum

„action painting" überging, bei dem er die horizontal liegende

Leinwand mit flüssiger Farbe bespritzte, betropftc, berieselte,

ja daß 1935 schon Mark Tobey seine endlosen Schlingenmuster

in Gouachen kritzelle. Er sieht darin nur ein „eklatantes

Symbol der Universalität dieser Sprache". Den eigentlichen Ursprung

 der lyrischen Abstraktion bei Kandinskij um 1910 verschweigt

 Mathieu. Würde es sie zu sehr datieren?

Was kennzeichnet nun und was bedeutet nach Mathieu die

„direkte Malerei"?

Es sind drei Punkte, die seiner Meinung nach „sehr wahr--scheinlich

 die größten Zweifel über die künstlerische Qualität

dieser Werke zerstreuen: „1. Die primäre Bedeutung, die der

Geschwindigkeit der Ausführung gegeben wird.

2. Die Abwesenheit vorher überlegter Formen und Gebärden.

3. Die Notwendigkeit eines Zustandes äußerster Konzentration."

Mathieu vergleicht dabei diese Art von Malerei mit ebenfalls

„freien" Formen der Musik, wie dem Jazz und orientalischer

Kalligraphie, ohne zu wissen, daß die jazzimprovisation sich -

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