Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 9)

Es mag im Jahre 1924 gewesen sein, als ich Oswald llacrdtl kennen

lernte. Schon damals erwies er sich als phantasicvoller Künstler und so

bemühte ich mich, ihn zur Mitarbeit heranzuziehen. In den schönen

Gläsern, die er für uns entwarf und die wir ein Jahr später in Paris bei

den „arts decoratifs" ausstellten, verwirklichte er ganz neue und eigenwillige

 Ideen. Es waren Gläser für den Tafelgebrauch, Blumengefäße,

Dosen, Schalen und Pokale. Alle diese Dinge sind kein Augenbliekserfolg

geblieben. Sie werden heute noch ebenso modern empfunden, wie am

ersten Tag. Diese Gläser gingen in viele 'indt:r hinaus, sie stehen in

den meisten Museen der Welt, sic schmücken und schmückten zahllose

Tafeln in allen Kontinenten, so auch die Tafel John Foster Dulles'.

Oswald l-laerdtls Schaffen war von einer bewundcrswertcn Universalität.

 Es gab kaum ein Material, in dem er nicht seine schöpferischen Ideen

zum Ausdruck bringen konnte. S0 entwarf er Kleinmöbel, Kassetten,

Spicgelrahmen, Schmuck und Stoffe, die zum Rcizvollstcn gehören, was

in Wicn auf diesem Gebiet während der letzten Jahrzehnte geschaffen

wurde, und lieferte ausgezeichnete Entwürfe für Silberwarcn, die 1937

auf der Weltausstellung in Paris ausgestellt waren. Auch die derzeitigen

österreichischen Orden sind von ihm entworfen worden. Aus den letzten

Jahren, als sich Haerdtl besonders eingehend mit dem Problem der industriellen

 Formgcbung befaßte, stammen Entwürfe für Bestecke, die in

Steyr zur Ausführung gelangten. Wo immer er für das Kunstgewcrbe

tä g war, entstand etwas Einmaliges, Wienerisches, voller Charme.

Er erwies sich damit als würdiger Nachfolger seiner Meister Kolo Moser,

Oskar Strnad und Josef Hoffmann, mit einem Wort der „Wiener Werkstätte",

 deren Tradition er den heutigen formalen Gegebenheiten entsprechend

 fortsetzte. Die „Österreichischen Werkstätten", deren Aufsichtsrat-Vorsitzender

 er war, verdanken ihm ihr hohes Niveau und

ihre Prosperität. Als Vicepräsident des „Österreichischen Werkbundes"

war er entscheidend auch an dessen Entwicklung he iligt. Bei Ausstellungen

 Österreichs, insbesondere bei den „'l'rennailcn" in Mailand

war Hacrdtl stets Spiritus rector.



In den fünfunddreißig Jahren unserer Bekanntschaft, ja unserer Freundschaft,

 war es stets eine Freude für mich gewesen, mit Oswald llaerdtl

zusammcnzutreffen. Klar in seinen Gedanken und Ansichten verstand

er es stets, sei in liebenswürdigstcr Weise zu vertreten. - lir hinterliißt

 eine Lücke, die sich kaum so bald schließen wird.

Stefan Rath,

J. 8: L. Lobmeyr.

im echten bildnerischcn Tun des einzelnen Laien vollzieht, nichts zu

schaffen hat.

Damit sind wir aber auch eigentlich schon dort angelangt, wo die

ganze Frage ein anderes Gesicht bekommt, wo das Gerede von der

Kunst, und ob das Laienschaffcn auch oder keine Kunst sei, gänzlich

überflüssig wird. Hier gibt es professionelle und dort unprofcssionelle

Maler, Graphiker und Plastiker, und was von beider Taten Kunst ist,

wird keineswegs allein durch die Zugehörigkeit zur einen oder anderen

Gruppe ausgemacht. Je weniger aber die Gruppe der „Nicht-Professionellen"

 nach der der Professionellen schielt - und leider tauchen

immer wieder genügend Menschen auf, die sie zu solchem Schielen

geradezu berufsmäßig verleiten und damit eine Art Konkurrenzvcrhältnis

 der Laien zu den geschulten Bildnern fördern -, desto besser und

sinnvoller ist ihr Tun. Denn nichts kann dieses gründlicher von seinem

Sinn befreien als der falsche lihrgciz, es den sogenannten akademischen

Künstlern gleichzutun.

Von hier aus gesehen, ist sogar schon der Buchtitel „Schöpferische

Freizeit" um einiges zu hoch gegriffen. Warum das große Wort

„Schöpferisch"? Warum „hinan zu den schweigenden Hallen der

Kunst"? Würde es das Wort „Besinnlich" nicht auch tun, denn geht

es nicht im Grunde um etwas hr Einfaches und Menschliches, nämlich

darum, dafl der bildnerisch tige innere Muße und so sich selber

findet? ist das nicht genug?

Warum also der unbedingte Bezug auf die „Kunst", der bloß das Ganze

auf ein theatralisches Geleise schiebt und so die feinen, stillen Ansii .e

und Würzelchen der Mußebildung zunichte macht? So aber sind auch,

nicht wenige der publizierten Bilder. lTJSOnClLTS unter den nicht-naiven,

eher von der Art der „Auch-Kunst", die niemandem wirklich weiterhilft,

 auch wenn es Schulen geben sollte, in denen sie gleichsam systematisch

 vorfahrizicrt wird.





Die ungeheure Menge an „Reproduktionen" offizieller Kunst verführt

selbstverständlich auch den Laien dazu, sich sozusagen auf ein äußerliches

 Rezept einzustellen, statt gründlich danach zu fragen, was eigentlich

 in ihm selber los st und zum Bilde drängen könnte. Das vorliegende

Buch hat sich um diese Gefahr nicht gekümmet. Es läßt beschwingte

Frühlingsglocken läuten und referiert sn munter am eigentlichen Gestaltproblem

 des Laienbildnertums vorbei. Jorg Lampe.



BUCHBESPRECHUNG



SCHOPFERISCHE FREIZEIT

Künstlerisches Schaffen des arbeitenden Volkes; ein Schaubuch. 192 Seiten,

 139 einfarbige Bilder, 16 Farbtafeln. Europa-Verlag, Wien 1959.

Die Ausstellung „Talente entdeckt, erweckt", die im F ühjahr 1958

im Künstlerhaus stattfand, gab mancherlei zu denken. Es ist daher nur

allzu verständlich, dall man auch in einem Buche die angeschnittenen

Probleme darzustellen zumindest versuchte. Das ist in dem vorliegenden

Buche allerdings nur sehr bedingt der Fall. Es nennt sich ein „Schaubuch"

 und will infolgedessen hauptsächlich durch seine Abbildungen

und meist recht ordentlichen Reproduktionen wirken. Zu diesen gesellen

 sich einige Texte, die in kurzen Abschnitten wie dem von Arnulf

Neuwirth einige Aspekte der „Sonntagsmalerei in Oster eh" oder, wie

in dem von Alfred Schmeller, die Frage „Sind Frcizeitmaler Künstler?"

zur Debatte stellen. Willi Bahner geht auf die Frage des lirlcrnbareit

im Laienschaffcn und Franz Senghofcr ein wenig auf den „tieferen Sinn"

des ganzen Laienbildens cin.

Richtig an die Grundfragen der Laienbildnerci jedoch kommt eigentlich

nur Schmellcr an einigen Stellen seiner Ausführungen heran, dann namlich,

 wenn er erwähnt, was es für den Menschen bedeutet, sich mit

Form und Farbe zu befassen. Da klingen echte Töne an. die um so

wünschenswerter sind, als der dem Buch vorangestellte „Psalm von dem

Leuchten auf den Spitzen der Arbeiterfinger" von Josef Luitpold einigermaßen

 schwer erträglich ist. Das ist die Sprache der Gesehwollenheit

und jener lebenden Bilder, die weiland im „Haus der deutschen Kunst"

in München und seinen roten Gegenstüeken Gefallen finden mochte

oder mag, aber mit dem höchst Persönlichen und lntimen, das sich

 

UNSEREAUTOREN



Leopold Nou-ak, Direktor der Musiksammlung der Österreichischen

Nationalbibliothek. 1904 in Wien geboren, vollendete er hier seine

Studien 1927 mit der Promotion zum Dr. phil. Die musikalische Ausbildung

 empfing er von Dominik Josef Peterlini, Louis Dite und Franz

Schmidt. 1928 Assistent des Musikwisscnschaftlichen Instituts der Universität

 Wien, 1932 Privatdozent, 1939 Professor; bis 1945 bei der

Wehrmacht und ab 1946 an der Österreichischen Nationalbibliothek.

Nowak ist wissenschaftlicher Leiter der Gesamtausgabe der Werke

Anton Bruckners; seine Arbeiten beschäftigen sich mit der Renaissance

 (Deutsches (iesellschaftslied), Joseph Haydn (Biographie Wien,

Amalthca 1951. Z, Aufl. 1958), Anton Bruckner und der katholischen

Kirchenmusik,

Dr. Wieland Schmied, geboren 192"), lebt als freier Schriftsteller in

Mödling bei Wien. Arbeitete sechs Jahre lang als Kunstkritiker der

„Furcht-Ü deren gelegentlicher Mitarbeiter er heute noch ist. 1957 erschien

 sein Essayhand „Von den Chinesen zu den Kindern, Notizen zur

Malerei", 1960 werden zwei weitere Essaybände in der Reihe „Nürnberger

 Liebhaberausgaben" des Verlages (ilock und Lutz folgen. Für

seinen Gedichtband „Landkarte des Windes", erschienen 1957 bei Otto

Müller in Salzburg, erhielt er 1958 den Förderungspreis für Literatur

der Stadt Wien. Gegenwärtig arbeitet er an einem Roman.

27
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.