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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 11)

auch für sich selbst schaffen zu können. In diesen glücklichen

Stunden entstanden oft als eine Art Erinnerungsnotiz die Farbstudicn

 der großen Gemälde, die zu den kostbarsten Zeugnissen

der österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts gehören. Sie

haben ihre Ergänzung in einem kaum iibersehbaren Bestand von

Handzeichnungen und Skizzenbuchbliittern, in denen sich die

ersten Ideen flüchtig gestalteten. Man staunt über die Kraft der

lavierten Rohrfederzeichnungcn, über die Okonomie der flüchtigen

 Bleistiftnotizen und vor allem über den unerschöpflichen

Reichtum der Einfälle, die auf dem kleinen Raum eines einzigen

Blattes die Bildidee immer wieder von neuem variiert. Es ist

daher nicht verwunderlich, daß man sich diesen mehr privaten,

rein künstlerischen Gestaltungen, vor allern im Zeitalter des

Impressionismus mit großem Verständnis näherte und in Gauermann

 einen modernen Künstler sah, der durch Zeichnung und

Kolorit der gegenwärtigen Auffassung verwandt ist.

So begegneten sich neuerlich die Kontraste. Einc kunstgeschichtliehe

 Betrachtung, die nicht allein ästhetisch wertend an die Vergangenheit

 herantritt, sucht in der Vielfalt neuerlich die Einheit:

neben den Dokumenten der Zeit erkennt sie den individuellen

künstlerischen Ausdruck: sie wird Gauermanns große Leistung

in den frühen Landschaftsbildern, in den Zeichnungen, Detailstudicn

 und in den späten Farbkompositionen hervorheben.

Gauermann verlieh der Malerei des 19. Jahrhunderts eine eigcne

Note. Es gibt keinen zweiten Maler, der- freilich nur in seinen

besten Werken - die Stimmung, die Atmosphäre und die R0-mantik

 einer dramatisiertcn Landschaft mit solcher suggestiven

Kraft zu formen wußte.

Friedrich Gauermann wurde am 20. September 1807 in Miesenbzieh-Scheuchenstein

 geboren. 1824 kam er an die Akademie

 der bildenden Künste in Wien und unternahm im gleichen

 jahr seine erste große Studienreise in das Salzkammergut.

 1827 vollendete er sein akademisches Studium. In diesem

 Jahr luhr er nach Dresden und München. 1836 ernannte

ihn die Wiener Akademie zu ihrem ordentlichen Mitglied.

Weitere Reisen führten ihn 1838 und 1843 nach Obcritnlien.

Er starb am 7. Juli 1862 in Wien und fand am Friedhof von

Scheuchenstein seine letzte Ruhestälte.

Friedrich Gauermann, Füchse in der Felsschlucht. O1 auf

Leinen, 69 X 56 cm. 1840.

N. O. Landesmuseum, Wien.

seiner großen Erfolge, noch niemals sachlich und objektiv gewertet,

 sondern nur vom Standpunkt der gegenwärtigen Kunstauffassung

 betrachtet. Man übte an Gauermann Kritik und zog

das Mazenatentum der Aristokratie, das sich in dieser Auffassung

 aussprach, selten in Betracht. Während Waldmüller in

seiner Abgeschlossenheit nur seinen selbst gesteckten Zielen

leben konnte, befand sich Gauermann im Mittelpunkt des Interesses.

 Seine Bilder wanderten nach England. Frankreich, Italien

und Rußland, wo sie durch ihre profilierte Eigenart zu einem

Begriff geworden waren. Freilich hatte ihnen die Konzession

an die "Mode" allein nicht diese bevorzugte Stellung errungen.

Man spürte damals schon in allem die souveräne künstlerische

Gestaltungskraft und bewunderte das Temperament dieses Malers

 der Stimmungen und Effekte. Gauermann selbst hatte diese

Mode - wie wir aus seinen eigenen Aufzeichnungen entnehmen

können - durchaus nicht zu seiner einzigen, gültigen Richtlinie

 gemacht. Er beklagte seine übereilte Phantasie, den

Druck der stets wachsenden Nachfrage und war froh, ab und zu


            
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