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Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 11)


Skizzenblau von _]. Gauermnnn (lavicrtc Federzeichnung) mit Swdien zum Thema

Holzkncchlfnmilie in Nasswald. Historisches Museum der Stadt Wien.

)er Österreich. Gauermann nahm an. Neben ihm waren noch

lgende Wiener Künstler tätig: Franz jaschke. der Porllanmalcr

 Leopold Lieb. Joh. Bapt. Hoechle sen.. Karl und

ikolaus Moreau und andere als Zeichner (von dencn das

istorische Museum der Stadt Wien gleichfalls einige Originalnlagen

 besitzt) und als Stecher neben  Gauermann vor allem

znedikt Piringer, der im Gegensatz zu Gauermann den Anag,

 nach Paris zu gehen, annahm. Der bedeutende Anteil Piriners,

 der über 80 Blätter für dieses Werk stach (für zehn zeich-:te

 er selbst die Vorlagen). ist gleichfalls nicht in der Literatur

rkannt. Laborde selbst hebt in seiner Vorrede anerkennend

:rvor:ü ,.XVir können die Wiener Künstler nicht unerwähnt

ssen. die uns unterstützt haben und deren Talente man in diem

 Werk beurteilen kann. Die hervorragendsten sind die

erren Gauermann. Lieb. jaschke und vor allem Piringer. welter

 fast alle Tafeln mit ebensoviel Geschick als Genauigkeit

zstochen hat." 5

un zum Anteil j. Gauermanns. Von ihm stammen 24 gesicherte

gniertc Zeichnungen. von denen er selbst sieben stach. Sämt-:he

 Arbeiten sind im Radierwerk Gauermanns bisher unbeinnt

 gewesen mit Ausnahme einiger weniger Probeabdrucke.

me daß man den Bezug zu diesem Werk kannte. Die Bilder

aucrmanns umfassen zwei Gebiete. Landschaften und Ansichn

 von Schcuchenstein und Umgebung, sowie volkskundliche

1d kulturhistorische Darstellungen der bäuerlichen Bewohner

escr Gegend, ihre Arbeit und ihre Feste (Bauer, Köhler. Kalk-Äenner,

 Sägemüller. Holzknecht; Kirchgang. Hochzeit. Begräbs,

 Prozession und Tanz). Wenn ein zeitgenössischer Kriti-:r7

 bedauerte, „daß Gauermanns Vorliebe für Miesenbach

ireh viele zwar recht artige. aber unbedeutende Partien und

hnographische Bildchen Plätze ausfülltc. die in einem solchen

'erke großartigere Szenen aus dem Vatcrlande verdient

itten", so müssen wir heute besonders dankbar dafür sein!

nd doch gerade diese Darstellungen fast die einzigen Bild-Jellen

 von dokumentarischem Wert und ihre einzigartige topo-"aphische

 und kulturhistorische Bedeutung kann erst heute

ehtig gewürdigt werden. So werden derzeit in einer Ausstellung

 des Heimatmuseums Gutenstein erstmalig photographische

Vergrößerungen fast aller Stiche Gauermanns zur Illustrierung

der dort ausgestellten Handwerkzeuge und Arbeitsgeräte eines

einst blühenden Gewerhefleißes gezeigt."

Das Historische Museum der Stadt Wien ist in der glücklichen

Lage, durch vorhandene Skizzen und Studien, teils alter Bestand,

 teils Neuerwerbungen, die mittel- und unmittelbar mit der

Arbeit Gauermanns für Labordes Werk zusammenhängen, einen

tieferen Einblick in seine Arbeitsweise geben zu können. Gauermann

 ist durch und durch Erzähler. Hat er ein Thema aufgegriffen,

 so hält er es in einzelnen Phasen fest, gibt handschriftliche

 Erläuterungen hiezu und skizziert solange, bis er die ihm

am besten erscheinende Stellung einer Szene gefunden hat. Er

Wechselt auch den Standpunkt, skizziert denselben Gegenstand

aus verschiedenen Abständen, um die dem Gegenstands gemäße

Entfernung herauszufinden. Er macht auch gleichsam Großaufnahmen

 von Teilen einer Szenengruppe und hält einzelne Bewegungsphasen

 fest, bis er sozusagen den passenden Schlußpunkt

 einer Handlungsreihc gefunden hat (vgl. Abbildung:

Skizzenblatt zum Thema „llolzknechtfamilie in Naßwald").

Für einen Teil der lllustrationen zu diesem Werk verwendete

Gauermann Darstellungen. die bis 1803 zurückgehen, so die

bereits als Stich in größerem Format erschienenen Blätter: Gang

zur Kirche und Rückkehr, oder Hochzeitszug und Tanz im

Freien. Sein Erzählertalent kommt auch darin zum Ausdruck,

daß sich innerhalb des Buches einzelne Stiche zu kleinen Geschichten

 aneinanderreihen, so der Tod des llolzknechtes (Absturz,

 Begräbnis und Grabmal). In einem Skizzenbuch von 1807

im Besitz dcs Historischen Museums der Stadt Wien, sind nicht

nur zahlreiche andere Bildgeschichten, die er nicht ausführte,

enthalten, sondern auch die von ihm selbst darin als „Folge

vom Holzknecht" bezeichnete. Neben einer handschriftlich crzählendcn

 [Erläuterung zu dieser Folge im Skizzenbuch sind noch

zahlreiche niemals ausgeführte Szenen enthalten. Später faßt er

schriftlich zusammen: „Zum Radiren wären geeignet. 2 St.

Der Tod eines Holzkneehtsufb Ein anderes Skizzenblatt aus

der gleichen Zeit mit „Zehn Szenen aus den ersten paar jahren

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