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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 11)

mann schritt dagegen sofort zur schöpferischen Auseinandersetzung

 mit der eigenen Vorstellung. Er hatte nicht die innerliche

 Ruhe, sich ausschließlich dem Studium der formalen und

technischen Mittel zuzuwenden; er war von der Wirkung der

effektvollen Beleuchtung und dem meisterhaft verwendeten Versatzstück

 zu sehr beeindruckt. Mit diesen großen Vorbildern

verband sich das Erleben des heimatlichen Voralpenlandes,

dessen wesenhafte Eigenheiten sich seinem scharfen Blick erschlossen.

 So entstanden in den Jahren 1824-27 eine Reihe.

von Miesenbacher Almlandschaften, die im Rahmen der österreichischen

 Malerei durch ihre unmittelbare Kraft der Aussage

eine führende, nahezu bahnbrechende Leistung einnehmen.

Friedrich Gauermann, der damals erst 20 jahre zählte, hatte

einen llöhepunkt seiner Entwicklung erreicht.

Dieses glückliche Versenken in die heimatliche, alpine Welt,

der er sich, wie kaum einer seiner Zeitgenossen innerlich verbunden

 fühlte, wurde von einer Begeisterungsfähigkeit getragen,

wie sie nur den jungen Künstlern der Romantik eigen war. Dem

Landschaftsmaler ging es dabei ganz ähnlich wie den Mitgliedern

 des Lukasbundes und den Nazarenern. Während jene zutiefst

 ergriffen vor den Werken des jungen Raffael oder des

himmlischen Fra Angelico standen, wanderten diese durch die

schönsten Teile Österreichs, durch enge Felstäler, vorbei an

Wasserfällen, hinauf zum Dachstein oder hinunter zu den Seen

des Salzkammergutes. Diesem Kreis junger Künstler, dem

llöger, Rauch, Reinhold, Kröpsch und Pollak angehörten, eröffneten

 sich die Schönheiten der Alpenwelt gleichsam zum

erstenmal; die Intensität ihrer Erlebnisse sollte später nie mehr

überboten werden. Gauermann hatte für eine topographisch getreue

 Wiedergabe wenig über. Die romantische Übersteigerung

drückte sich bei ihm viel mehr in Stimmungen aus. Damals entstanden

 die prachtvollen Farbskizzen von Gebirgsszenerien,

W0lken- und Gcwitterstudien. Dieser Dramatik der Natur war

das bewegte Geschehen der Tierkämpfe auf das engste verbunden.

 Der hinreißende Schwung dieser Studien macht es verständlich,

 daß auch Waldmüller zu den Bewundercrn Gauermanns

 gehörte und sich einige Farhkompositionen auch in seinem

 Besitz fanden. Der Grund ihrer überzeugenden Wirkung lag

aber durchaus nicht im Effekt, sondern in einer meisterhaften

Charakterisierungskunst. An den Pflanzen, Wolken, Bäumen

und Felsstudien kann man immer wieder bewundern, wie es der

temperamentvolle Künstler verstand, das Wesen der einzelnen

Gegenstände lebendig zu erfassen. Vollendet gelang es ihm bei

den Tierbildern, die mit wenigen Pinselstrichen der Psyche des

Haustieres wie den raubtierhaften Instinkten gerecht wurden.

Die Tragik des künftigen Entwicklungsweges lag in dem Geschmack

 der Zeit: ihn hatte Gauermann in idealer Weise verkörpert,

 er wurde seinem Werk oft zum Klischee. Was die kleine

Detailstudie oder die farbige Kompositionsskizze in selbständiger

 Weise vereinte, drohte in der Auseinandersetzung mit dem

Realismus des Bildthemas zu veräullerlichen. Der Effekt der

Naturstimmung verlor seine Gültigkeit und wurde im Gemälde

 oft zur Kulisse; diese entwertet wieder die prägnant und

charakteristisch erfaflten einzelnen Elemente. Ein literarischer

Gedanke führte in einen außerkünstlerischen Bereich: es sind

die biedermeierlichen Vorstellungen vom Leben in den [lochalpen,

 von Almabtrieben, Gewitterstürmcn auf dem See und

Tierkämpfen im Gebirge. Gauermann war Mode geworden; man

überhäufte ihn mit Aufträgen und Anerkennungen, zahlte gewaltige

 Summen für seine Bilder und drängte ihn so zur Manier

und zur steten Wiederholung. Seine Gemälde aber gehören

ebenso zur Gesellschaft des Biedermeier wie die Blumenstücke,

Genrebilder und Miniaturen.

Man hat die Stellung Gauermanns in seiner Zeit, das Phänomen

Friedrich Gauermann, Blick auf den Schneeberg mit Bauerbuben. Ol auf Papier, 27

Neue Galerie, Graz.



( 37 cm. 1840.




            
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