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Full text: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 1 und 2)

MUSEEN, 
SCHLÖSSER 
UND TOURISTEN 
FRANZ WINDISCH-GRAETZ 
DIE ERHALTUNG UND SINNVOLLE VERWENDUNG DER SCHLOSSER IST EIN KULTURELLES ANLIEGEN, AUF DAS 
IMMER WIEDER I-IINZUWEISEN, WIR ALS EINE UNSERER VORDRINGLICHEN AUFGABEN ANSEHEN. NACH JAHREN 
DER RATLOSIGKEIT, WIE DEM VERFALL ENTGEGENGEWIRKT WERDEN KONNTE, SCHEINT ENDLICH EINE NEUE, 
BESSERE ÄRA ANGEBROCHEN ZU SEIN. - MAN HAT DREI PROBLEME, DIE SCHEINBAR NUR WENIG MITEINANDER 
ZU TUN HABEN, IN RELATION GEBRACHT UND DAMIT EINER KONSTRUKTIVEN LÖSUNG ZUGEFÜHRT: DIE 
RAUMNOT IN DEN MUSEEN, DAS UNGENUTZTE KULTURPOTENTIAL DER SCHLOSSER UND DIE SCHAFFUNG KUL- 
TURELLER ZIELE FÜR DEN STROM DER MOTORISIERTEN TOURISTEN. 
Wer wird nicht an die Parabel vom vergrabenen Talent 
erinnert, wenn er von den seit Generationen zusammen- 
getragenen Kulturwerten erfährt, die in den Depots der 
öffentlichen Kunstsammlungen gehortet sind? Schon das 
nüchtern bürokratische Wort „Depotbcständä kenn- 
zeichnet die latale Degradierung dieser aus Raummangel 
beiseite geräumten Kunstwerke. Sie existieren nur für 
eine Handvoll Leute, für die wissenschaftlichen Beamten 
und Konservatoren, die sie zu betreuen haben, und für 
einige wenige Spezialisten, die sie in Ergänzung zu den 
bevorzugten Gegenständen in den Schausammlungcn stu- 
dieren wollen. Sie existieren vornehmlich in fein säuber- 
lich geführten Inventaren und Karteien als Nummern. 
Diese Depotbestände sind Kunstwerke, denen ein gütiges 
Schicksal zwar ihre Existenz belassen, sie aber scheintot 
vergraben hat. Es ist wohl an der Zeit, diese Schätze 
wieder in den Kreislauf des kulturellen Lebens einzube- 
ziehen, indem sie aus den Kellern und Magazinen her- 
vorgeholt und den Menschen wieder zugänglich gemacht 
werden; denen, die sich an ihnen erfreuen wollen und 
denen, die sich mit ihnen befreunden sollen. 
Welche Möglichkeiten zur Lösung dieser Aufgabe heran- 
gezogen werden können, hat in vorbildlicher Weise die 
Kulturabteilung des Amtes der Niederösterreichen Lan- 
desregierung gezeigt. Denn auch für das Niederöster- 
reichische Landesmuseum in der Herrengasse besteht das 
gleiche Problem der Raumnot. Um hier Abhilfe zu 
leisten, entschloß man sich, einen für Österreich völlig 
neuen Weg zu beschreiten. Man ging dabei von der 
Überlegung aus, daß die offizielle musenle Tätigkeit des 
Sammelns und Konservierens von Kunstwerken und 
Kulturdokumenten, aber auch die Veranstaltung von 
Ausstellungen keineswegs auf e i n im überlieferten Sinn 
geführtes hauptstädtisches Institut beschränkt sein muß. 
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