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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 1 und 2)

Gemahlinnen von Kreutzinger immer wieder malen ließ.

Es waren durchaus Staatsporträts mit lebensgroßcn Figuren

 oder Kniestücke mit offiziell wirkender Haltung

der Dargestellten. Es gab aber auch intimere Szenen,

wie das kleine Doppelbildnis des Kaisers Franz mit

seiner Gattin Maria Ludovica in einer Parklandschaft,

das im vergangenen Jahre durch die Versteigerung der

Kunstabteilung des Dorotheums bekannt geworden ist.

Der Zauber des Intimen liegt auf den Bildnisstudien, wie

jenem Frauenkopf aus Briisseler Privatbesitz, und vor

allem auf den Bildnisminiaturen des Meisters. In ihnen

und in den seltenen Bildniszeichnungen wird eine

rokokohafte Grazie sichtbar, die auch die Pinselstudien,

Fügers auszeichnet.

Die Kunst Kreutzingers wird durch einen starken malerischen

 Sinn bestimmt. Bereits in den frühen Porträts,

die von der allgemeinen österreichischen Bildnistradition

 getragen erscheinen, durchzieht die Modellierung

der Gesichtsformen und der Haare ein malerischer Fluß,

der warme und kalte Töne in weichen Übergängen vereinigt.

 In einem Brustbildnis der Kaiserin Maria Theresia,

 der zweiten Gemahlin des Kaisers Franz I., das in

den Neunzigerjahren gemalt wurde und in dem ehemaligen

 Thronsaal der Franzensburg in Laxenburg hing,

verlebendigt nur das in kraftvollem Halbdunkel modellierte

 Antlitz mit dem duftigen Haar die altertümlich

wirkende Bildniserscheinung. Kreutzinger übernahm für

das offizielle Repräsentationsbildnis den allgemein verwendeten

 Apparat mit großer Draperie und Säule und

einer Lnndschaflskulisse. Er variierte ihn kaum, 0b es

sieh um ein Monarehen- oder ein Fürstenporträt handelte,

 und verpflanzte diesen repräsentativen Bildnistypus

 bis in das zweite jahrzehnt des 19. jahrhunderts.

Neben Friedrich Heinrich Füger und Johann Baptist

Lampi d. Ä. ist Josef Kreutzinger mit seinem künstlerischen

 Werk so unbekannt geblieben, daß auch gegenwärtig

 noch Bildnisse seiner Hand als anonyme Schöpfungen

 laufen. Die drei Porträtisten, fast gleichalterig

und in denselben Jahrzehnten in Wien tätig, waren mit

Josef Grassi, der aber nur in den beiden Jahren 1795

und 1796 in seiner Heimatstadt schuf, die Träger einer

repräsentativen Bildniskunst, die vom Spätbaroek in den

Klassizismus und darüber hinaus in den Bereich des frühen

 Realisrnus führte. Kreutzinger, der gleich Grassi in

Wien geboren wurde, war sechs Jahre jünger als die

beiden 1751 geborenen Füger und Lampi. Er starb 1829

in Wien. ein Jahr vor Lampi, und überlebte Füger um

elf Jahre. Kreutzinger wurde nach 1790 „k. k. Hof-Kammer-Mahler".

 Lampi war fast ein Jahrzehnt (1788

bis 1797) in Polen und Rußland tätig, Lampis Sohn arbeitete

 von 1796 bis 1804 in Petersburg, während für

Kreutzinger im Jahre 1793 ein Aufenthalt in Petersburg

 bezeugt ist. Wie bereits die spätbarocke Malerei

Wiens, vor allem durch das Werk Franz Anton Maulbertschs,

 nach dem Osten (Ungarn, Mähren, Böhmen,

Polen) ausstrahlte, so eroberte sich einige Jahrzehnte

später, die Wiener Bildniskunst auch den russischen Bereich.



Der Dreißigjährige trat mit seinen ersten Bildnissen vor

die Wiener Öffentlichkeit. Im Jahre 1787 malte

Kreutzinger den Dichter Heinrich Blumauer und wenig

später trat die hoeharistokratische Bildnissphäre neben

die bürgerliche, denn 1790 entstanden die Bildnisse des

Kaisers Leopold II. und des Erzherzogs Karl. Der kaiserliche

 Hof blieb der bedeutendste Auftraggeber des Künstlers.

 Vor allem war es Kaiser Franz, der sich und seine


            
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