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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 3)

sie ihr Ziel auch noch nicht erreichen konnten, weil sie

es mit der Disziplin nicht so genau nehmen.

Eine der Folgen des Taehismus ist das Suchen nach

dem Gleichgewicht, das sie auf ihren Entdeckungsrcisen

in den Urwald des Unkontrollierten, der Erforschung des

lch in der Welt, noch nicht selbst wieder gefunden

haben. Dafür erfüllen sie ihre Mission aber als Anreger

für diejenigen, die am statischen Prinzip festhalten. Die

informelle Malerei wird nur dann zu einem Ziel führen,

wenn sehr eingearbeitete, phantasiebcgabte, formsichere

und starke Charaktere hinter ihr stehen. jeder andere

Weg, der Weg des Zersetzens ohne zusammenzufügen.

des Lösens ohne zu binden, des Glückspielens ohne

genügend große Reserven, kann diesen Zweig zeitgenössischer

 Malerei nicht weiter, zu keiner Vollendung

führen, die wohl nur in einer Synthese mit der Malerei

jener Künstler erreicht werden kann, deren Bemühen

die Kunst unserer Jahre krönt.

Österreich, das die Malerei immer etwas stiefmütterlich

behandelt und dessen Öffentlichkeit wenig Notiz von ihr

nimmt, hat sich von dem Versuch, neue Möglichkeiten und

Regeln für das Malen in unserer Zeit zu finden, nicht

ausgeschlossen. Es gibt jüngere Maler, die manchen

Einflüssen unterliegen oder vorgesteckte Ziele aufnehmen,

 ohne jedoch bis heute die Kraft besessen zu haben,

günstigere Ausgangspositionen einzunehmen - vor

allem auch wohl deshalb, weil sie ihre Aufgabe, ohne

den notwendigen Ernst vermissen zu lassen, zu leicht

nehmen. Der Malerei wird kein neuer Grund geschaffen,

wenn man sich auf einen mehr oder weniger nihilistisehen

 Standpunkt stellt und einer one-self-Kuxist huldigt.

 Möglicherweise kommt aber ein Arnulf Rainer aus

dem toten Winkel schwarzer Flächen, „monochromcr

Komplexe", aus einem Anfang im Nichts zu einer neuen

Ausgangsposition, die ihm dazu verhilft, über das Wagnis

zur neuen Schöpfung zu gelangen. Unter Umständen finde!

 auch ein Markus Prachensky aus Rotpinsel-limotionen

 wieder zur strengeren, kontrollicrteren Form. Oder

Hollegha tastet sich aus einem ähnlichen, suchenden und

noch lange nicht ausstellungsreifen Strichwirrwarr zur

Idee, die allen diesen Versuchen noch so sehr mangelt,

zum Bildeinfall zurück. Vielleicht müssen junge Maler

alle ihre Kenntnisse und Fähigkeiten für eine gewisse



Xuit von sich wcrfcn und Vcrgcxscn, um eines 'l';1_ucs wic

Phönix aus der Asche hervnrzuktcigcn und da: nun schon

wicdur Abgtdrosthunr ihres Handelns und Dunkcnx zu

crkcnncn. Solnngv und wenn ihr Streben nur vom notwendigen

 Ernst hcgluilct ist, bcslchl kein Grund, mit

Slvincn nach ihnen 7.u werfen. Ahrr es wird ein harter"

W}; sein, den sic alle, die noch dcn Verlockungen des

[jn-lirfnhrcncrw unu-rlicgen, zu guhcn haben wcrdun.

1 Hans Hofmann: .,The Prey". Ol, 1956. Hofmann ist einer der Uberzeugendsten unter den Informellen und das hier gezeigte Bild

zeigt eine ausgezeichnete Beherrschung und Konzentration der vom Tachismus angewandten Stilmittel. Derartige gelungene Zeugnisse

gibt es jedoch nicht viele

2 Markus Prachensky. 1959. Aus gitterförmig übereinander gemalten breiten Pinselstrichen, die allzusehr die Gebärde zeigen,

sich jedoch selten zu einem bildhaften Gefüge zusammenschließen, bestehen die Arbeiten Prachenskys. Gelegentlich muten sie wie

chinesische Schriftzeichen an, was an sich nicht gegen sie spricht

3 Simon Hantai: „St. Franeois aux Indes". Ol, 1958. Die Geschlossenheit des Bildraums bleibt noch gewahrt, der nächste Schritt

wird aber bereits ein Linien- und Streifengeflecht mit sich bringen, welches das ganze Bild musterartig überzieht, wie in anderen Bildern

 des Malers

4 Nicolas de Staöl: "Footballeurs". Ol, 1952. In de Staels Bildern finden sich viele „tachistische" Elemente, die aber wiederum, wie

bei Afrö, in ihrem Elan und ersten Hinschreiben gebändigt und in eine sinnvolle Ordnung gebracht wurden. „Footballeurs" ist eines

der trefllichsten, ausdrucksstärksten Bilder de Staöls

5 Hollegha, Lithographie. 1959. Wie viele Tachisten, so krankt auch flollegha etwas an Erfindungsarmut und am zu starken

Austreten eincs einmal eingeschlagenen Weges

6 Afrö: „Fondo dcgli Olivi". Tempera, 1958. Das Bild enthält nahezu alle Elemente, die das Wesen der informellen Malerei ausmachen:

 Spontaneität im Entwurf und in der Gestaltung, eine dynamische Formgebung und jcne typische, der Maltechnik entspringende

 Vibration. Aber hier dringt ein starkes und sicheres lormales Bewulitsein durch, das dem Bild seine Eleganz und Geschlosseneit

 verleiht. Nichts Zufälliges ist trotz aller spürbaren Heftigkeit der Malweise da, alles ist geordnet, dem Bildganzen eingegliedert

1 Arnulf Rainer. 1958. Am absoluten Nullpunkt ist Arnulf Rainer angelangt, dessen schwarz bemalte Flächen nur noch an den Ecken

Raum für ein Fleckchen Farbe übrig lassen. Fraglich bleibt, ob er sich damit den Ausgangspunkt für einen neuen, ergiebigeren Vorstoß

 schaffen konnte

8 Pierre Tal Coat: „Lumiere affleurante". Öl, 1953. Auch hier zerfällt die Form, die nicht einmal mehr eine Arabeske, ein Zeichen

ergibt, sondern nur ungcbändigt im Raum umherschwimmende Materie darstellt

9 Jean Fautrier: „L'ilot mauve". Tusch- und Pastellmalerei, 1958. Wir finden hier ein diffuses Nebeneinander von Farben, das sich,

wie aus der Abbildung klar ersichtlich wird, an keine Form bindet. Es ist Malerei, aber kein Bild - es ist zu sehr Materie und zu

wenig Geist

10 Alfred Manessier: „Pres d'Harlem". Ol, 1956. Manessier ist einer der bedeutendsten Gegenstandslosen, in dessen Werken sich

die größere Überzeugungskraft des „gestalteten" Bildes klar manifestiert. Es enthält deswegen kaum weniger Spannung und Konzentration,

 als gute Leistungen der Taehisten

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