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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 9)

sich aus der Anwendung der von den Kelten in ihrem Bereich

 eingeführten Töpferscheibe ergeben. Das hochstehende

 Töpfergewerbe verflachte aber zusehends und endete

 in der Spiitlatenezeit in einer technisch wohl vorzüglichen,

 künstlerisch aber belanglosen Fabriksware, die

gleich anderen Massenartikeln des absinkenden Kunsthandwerks

 in den Handel gebracht wurde. Von der mittleren

 Laienezeit an beginnt man, dem Ton Graphit beizumengen.

 Diese Graphittonware ist meist durch senkrechte,

 manchmal auch schräge Riefen, den „Kammstrich",

 verziert, häufig in Verbindung mit Stempelmustern,

 die auch sonst für die Latönekeramik typisch

sind. In der Spätlatcnezeit erscheint eine bemalte Keramik

 mit geometrischer Verzierung aus geraden Linien,

B0gen- und Wcllenlinien, aber auch mit Ornamenten,

die auf das Fischblasenmotiv der reifen Latenekunst zurückgehen.

 Auch die Holzbearbeitung muß auf beachtlicher

 Höhe gestanden sein, wie eine Reihe von Beispielen

 und Hinweisen lehrt. Die schon in der Hallstattzeit

 bekannte Drehbank war auch bei den Kelten in

Gebrauch.

Österreich hatte eine beachtliche Reihe hervorragender

Erzeugnisse kunstgewerblich orientierter Latenekunst

aufzuweisen, vor allem Metallarbeiten, von denen die

älteren noch die Tradition hallstattzeitlicher Toreutik

fortsetzen. Das gilt für die berühmte, zu einem Frühlateneschwert

 gehörende Schwertscheide von Hallstatt

mit figürlichen Darstellungen, bei welchen die Krieger,

Reiter, Faustkämpfer und zwei ein Rad - das Attribut

eines keltischen Gottes - haltende Männer keltische

Tracht tragen, und ebenso für die Situla von Kuffern

(Niederösterreich) mit einem Fries, der aus Reitern,

Rennwagenfahrern, Faustkämpfern und einem Trinkgelage

 zusammengesetzt ist. Die aus pflanzlichen Motiven

 entwickelte Fischblasenornamentik des Bandes

unter diesem Bildstreifen hingegen ist unverkennbar

kcltisch. Dieser Bronzeeimer ist ein sprechendes Beispiel

dafür, daß die dem Villanova- und vor allem dem Estc-Kreis

 der Hallstattzeit im venetischen Oberitalien entsprungene

 Situlenkunst auch noch im 4-. jahrhundert

v. Chr. in keltischer Umgebung fortlebte. Auch Einzel-



heiten auf dem Gürtelhaken von Hölzelsau in der Gemeinde

 Niederndorf bei Kufstein (Tirol) - Pferdeköpfe

mit durch Würfelaugen, ein typisches Hallstattmotiv,

wiedergegebenen Augen, eine diese Tierköpfe am Maul

packende Menschenfigur und zwei entenartige Vögelchen,

 Nachfahren des „Hallstattvogels" - bezeugen,

daß hallstättische Verzierungsweisen sich in der Frühlatenezeit

 behaupteten. An weiteren Latenefunden aus

Österreich von höherer künstlerischer Qualität seien

eine Maskenfibel von S-förmigem Duktus mit zwei Tierköpfen

 von Wien XXI. Leopoldau, ein aus zwei halbmondförmigen

 Blechen zusammengenietetes Beschlagstück

 mit einer aus gesprengten Palmettcn und Schwellranken

 zusammengesetzten Verzierung an beiden Seiten

von Brunn an der Schneebergbahn und eine emailverzierte

 Gürtelkette von Raggendorf (beide Niederösterreich)

 genannt.

Die meisten und man kann ruhig sagen auch besten

Erzeugnisse keltischen Kunsthandwerks, darunter solche

von ausgesprochen europäischer Bedeutung in sogar singulären

 Beispielen, hat in Österreich aber das Land

Salzburg geliefert. Der älteste Fund ist das Bruchstück

eines Halsreifs aus Gold mit verzierten Pufferendcn,

eines typischen keltischen Torques. der 1874 bei der

Maschlalpe im Seidlwinkeltal (Rauris) am Übergang

über das Heiligcnbluter Hochtor nach Kärnten, gefunden

wurde, 1902 in das Ungarische Nationalmuseum in Budapest

 und schließlich in das Salzburger Museum Carolino

 Augusteum gelangte. wo dieses wertvolle Stück

in den Wirren des Zweiten Weltkrieges leider verloren

ging, ein Schicksal, das auch der Sammlung antiker

Münzen des Museums einschließlich der keltischen Gepräge

 widerfuhr. Als erster überragender Fund kam im

Jahre 1932 am Dürrnberg aus einer Wagenbestattung in

einer Gräbergruppe am Fuße des Mosersteins eine in

Form und Verzierung einzigartige Schnabelkanne aus

Bronze zutage. Mit ihrem schlanken, auf Vorbilder griechischer

 Keramik zurückgehenden Körper und der scharf

abgesetzten, fast waagrechten Schulter gehört sie, wie die

beiden Prachtkannen von Bouzonville-Niederyeutz im

Elsaß, zum Typus der „Schulterkanne" (R. Pittioni). Die

kraftvolle Vertikalgliederung durch bandförmige und

spitzovale Rippen, Buckel, Perlen und S-iörmige Schwellranken,

 die phantastischen, ornamental aufgelösten Tiere

und Menschenköpfe am Mundsaum und Henkel verweisen

 die Kanne in die „Kontraststufe" des Frühlatenestiles.

 Die Durchbrechungen am llenkcl und Rand entsprechen

 einem malerischen, mit barocken Kontrasten

operierenden Dekorationsprinzip, das von dem dieser

Entwicklungsstufe der keltischen Kunst vorangegangenen

 Phase des „strengen" Stils mit seiner magischen

Kraft und Klarheit (K. Schefold) absticht. Der Unterschied

 wird augenfällig, wenn man etwa die Schnabelkannc

 vom Dürrnberg mit zwei schlichteren Latenefunden

 aus Oberösterreich vergleicht, der Schnabelkanne

von Sunzing mit einer Harpyie am Henkelansatz und

einer einzelnen l-lenkelattache von Braunau am Inn, bei

der die Verzierung nur aus Doppelspiralen und einfachen

pflanzlichen Motiven besteht. Stilgeschichtlich interessant

 und aufschlußreich ist auch ein Kleinfund vom

Dürrnberg aus dem jahre 1933, eine keltische Kopfapplike,

 die vermutlich von einem Pferdegesehirr stammt.

Sie besteht aus einem bartlosen Männerkopf in Seitenansieht

 mit vorspringendem Kinn, ausgeprägten Lippen,

hochsitzendem Tierohr und strähnig zurüekgekämmtem

Haar. Die Lidspalte des gewölbten Auges ist durch eine

3 Feldflasche aus Bronze vorn Dürrnbcrg.
            
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