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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 43)

IN UNSERER FORTLAUFENDEN ARTIKELSERIE „ÖSTERREICHISCHE KUNST DES 18. UND 19. JAHR-HLTNDERTS"

 VEROFFENTLICHEN WIR DEN 9. ALIFSPJFZ

HÖFISCHE THEATERBILDER AUS SCHÖNBRUNN

OTTO ERICH DEUTSCH



Es soll hier von drei denkwürdigen Gemälden berichtet

werden, die zusammengehören, aber nicht beisammen

sind, von denen eines noch nie abgebildet worden ist,

ein anderes nur in einer deutschen Biographie Maria

Karolinas und das dritte nur in einer französischen Ikonographie

 Marie Antoinettes. Was über die drei Bilder

an verschiedenen Orten gefabell worden ist, zeigt die

kritische Bibliographie am Ende dieses Aufsatzes, der

sonst jede Polemik vermeidet.

Gegenstand dieser Gemälde sind zwei von den drei Festaufführungen

 im „Salon de batailles"des Schlosses Schönbrunn,

 die Ende Januar 1765 anläßlich der zweiten Hochzeit

 des Thronfolgers Josef von acht seiner Geschwister

bestritten wurden. Das Scbloßtheater wurde im Winter

nicht benützt, und man hatte für diese Privataufführungen

 eine eigene Bühne in jenem Saalc eingerichtet, der

- noch vor der Entfernung der Schlachtenbilder - auch

die Große Anteeamcra benannt worden und jetzt als

Zeremoniensaal bekannt ist. Wir sind über die drei Vorstellungen

 durch das 'l'agebuch des Obersthofmeisters

Johann Josef Fürsten Khevenhüller-Metsch, durch die

Zeremonial-Akten im Staatsarchiv und das „Wienerisehe

Diarium" unterrichtet.

Erzherzog Josef, der 1760 bis 1763 mit der früh verstorbenen

 Maria Elisabeth von Parma vermählt und 1764

zum Römischen König ernannt worden war, ging 1765

mit Maria Josefa von Bayern eine Vernunftsehe ein, die

auch nur zwei Jahre dauerte, Die Trauung fand am

23. Januar im Sehloß Schönbrunn und die Einsegnungs-Messe

 am 24. in der llietzinger Pfarrkirche statt. Khevenhüller

 beschreibt das Äußere der Braut als „sehr unangenehm"

 und „in der Neglige leider nicht schöner als

gekleideter".

Am 24. abends wurde (ilucks „kleine Operette" auf einen

neuen Text Melastaisios, betitelt „ll parnaso confuso",

aufgeführt. gestmgen von den lirzherzoginnen Amalia

als Apollo, Elisabeth als Mclpomene, Charlotte (Karoline)

 als llrato und Josefa als liuterpe. Das Orchester

dirigierte, vom Csmhalo aus, Erzherzog Leopold.

Am 25. abends wurde (iallmanns Serenade „Il trionfo

d'amore", nach einem iilteren Text von Metastasio

(„Uasilo (llamort-"J, von Berufssiingern aufgeführt, mit

einer von F1" nz llilverding einstudierten Ballett-Einlage,

die von der lirxherzogin Maria Antonia und ihren jüng-12



slen Brüdern, Ferdinand und Maximilian, sowie von je

vier Mädchen und jünglingen aus dem Hochadel, getanzt

wurde.

Am 26. endlich gab es zwei französische Lustspiclc: „La

fille d'Aristide" von Mrne. de Graffigny und „La jeune

lndicnne" von Chamford, VOn Mitgliedern des llochadels

 gespielt.

Die „Operettä, deren Generalprobe am 19. Maria Theresia

 beigewohnt hatte, wurde am 27. wiederholt, die

beiden Lustspiele am 28. Damit endete der „Winter-Sejour"

 in Schönbrunn. Am 1. Februar gab man die Serenade

 im „theätre francois", d. i. im Burgtheater, „aber

nicht gratis", offenbar ohne das Ballett. Am 9. Februar

wurde Glucks Gelegenheits-Werk in der Hofburg, „auf

einen eigends aufgerichteten kleinen Theätre" noch einmal

 aufgeführt, und am 10. wurden bei der Obersthafmeisterin

 der Kaiserin, Gräfin Maria josefa Antonia

Paar, in den „Amalischen Zimmern", dem Amalien-'l"rakt,

 auch die Lustspiele wiederholt.

Das Ballett war also, wie es scheint, nur einmal gegeben

worden. Wenn Khevenhüller ein Ballett unterm 24. januar

 erwähnt, so ist das wohl daraus zu erklären, daß

cr in jenen bewegten Tagen nicht an jedem Abend in

sein Tagebuch schreiben konnte; die Zeremonial-Akten

besagen freilich das gleiche. Es gab aber nur ein Ballett,

und das wurde am 25. aufgeführt.

Die Textbücher zu Glucks und zu Gaßmanns Werken

sind bei van Ghelcn gedruckt worden. je ein Exemplar

dieser schönen Libretti besitzt die Wiener Stadtbibliothek

aus der Sammlung Max von Portheim. Das Titelblatt des

„Parnaso" ist von Jakob Matthäus Schmutzer ornamental

 verziert worden und hat Vignetten von Anton Tischer.

 Das Personenverzeichnis des Portheimschen Exemplars

 trägt die Namen der vier Erzherzoginnen in handschriftlichen

 Zusätzen aus jener Zeit. (Charlotte und

Josefa sind in ihren Rollen vertauscht worden, wahrscheinlich,

 weil sie im Stück die ihnen zugehörigen Instrumente

 zu vcrtauschen hatten.) Aus dem Textbuch des

„Trionfo", in dem das Ballett nicht erwähnt ist, erfahren

wir, daß die Szene „alle sponde di Cipra" spielte und

die Dekoration von „Antonio de Danne", d. i. Franz Anton

 von Dannc (ca. 1700 bis 1767), stammte. Die Gesangspartien

 waren so besetzt: Venere - Rosa Tibaldi,

gcb. Tartaglini, Apollo - Gaetano Guadagni (Contraaltist),

 Pallade - Elisabetta Teuberin, Amore - Luca

Fabris, Marte - Giuseppe Tibaldi (Tenor) und Mercurio

 - Giovanni Ristorini.

Maria Theresia scheint bald nach den Festtagen den

Auftrag erteilt zu haben, den Zuschauerraum mit der

Bühne der „Operette" zu malen, die vier Erzherzoginnen

aber auch noch besonders, sowie die Ballettszene der

„Serenadc" mit den drei jüngsten Kindern. Die beiden

Gluck-Bilder werden Johann Franz Greipel (1720 bis

1798. 1765 Mitglied der Akademie) zugeschrieben, der

das Gemälde mit dem Theatersaal auch signiert hat;

sie scheinen aber stilistisch und qualitativ so verschieden,

daß man schwerlich an die gleiche Hand glauben kann.

Das Ballettbild dürfte wieder von einem anderen, dem

llofe nahustehenden Künstler stammen, aber die beliebte
            
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