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Full text: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 45)

 
 
 
mag aber wohl sein, daß die schlechte Photographie, auf 
der der Wasserfall des Baches wie ein ungegliederter 
weißer Fleck erscheint, den Eindruck verfälscht. Das 
Bild war in der Sammlung Henriette Dux (so Frimmel, 
der aber auch von dem „Ehepaar Dux" spricht), später 
wird im Katalog der Beethoven-Ausstellung 1920, Nr. 88, 
Ludwig Dux als Besitzer genannt. Laut Frimmel war das 
43,5)( 34,5 cm große Bild „Mähler p." signiert. Es ist 
seither verschollen. 
Eine größere Anzahl von Porträten Mählers dürfte um 
1814115, vielleicht auch schon in den Jahren vorher, da 
einer der dargestellten Musiker, Wanhal, schon 1813 ge- 
storben ist, entstanden sein. Am 23. August 1815 erschien 
in der Nr. 34 der „Allgemeinen musikalischen Zeitung" 
(17. Jahrgang, S. 570, Leipzig, Verlag Breitkopf und Här- 
tcl) unter den „Nachrichten" eine vorn S. August da- 
tierte „Notiz", die ich hier wörtlich wiedergebe; Frim- 
mel hat sie (Beethoven-Studien I, S. 59) verstümmelt ab- 
gedruckt. Die „Notiz" lautet: „Eine besondere Würdi- 
gung und öffentliche Bekanntmachung verdient die Ton- 
künstler-Galerie des Herrn Mähler. Dieser geschickte. 
junge Mann studierte drey Jahre in Dresden bey dem 
berühmten Graff, und bildete sich dann auf der hiesigen 
Akademie noch ferner aus. Unter seinen Arbeiten erhielt 
besonders ein großes Oelgemälde des Kaisers, welches 
im Kanzleysaale des Hofkriegsrathsgebäudes aufgestellt 
ist, den Beyfall unsrer ersten Meister - Fügers, Lampi's,- 
Maurers, Redels u. s. w. Als Liebhaber der verwandten 
Kunst verfertigte er in seinen Mußestunden eine Reihe 
von Bildnissen der einheimischen Tonsetzer, welche sich 
sämmtlich durch einen kräftigen Pinsel, sprechende 
Aehnliehkeit und unverkennbaren Seelenausdruek rühm- 
lichst bezeichnen. Bis jetzt sind folgende Porträte voll, 
endet: Beethoven, Eibler, Gelinek, Gyrowetz, Hummel, 
Kozeluch, Krommer, Preindl, Salieri, Seyfried, Umlauf, 
Vanhall, Weigl. Diese Galerie wird vom Künstler von 
Zeit zu Zeit fortgesetzt werden." 
Über die Frage, von wem die Porträte herrühren, die 
sich heute im Besitz der Gesellschaft der Musikfreunde 
befinden, ist viel geschrieben worden, ohne daß man bis- 
her wirklich zu einem Resultat gelangt ist. Feststeht, 
daß sie vorher josef Sonnleithner, dem Verfasser des 
1 O. E. Deutsch hat mich darauf aufmerksam gemacht, dnß in 
der berühmten Zeitschrift „Friedensblätter" (Eine Zeitschrift 
für Leben, Literatur und Kunst. Von einer Gesellschaft heraus- 
gegeben. Wien, in der Schaumburgschen, Schallbacherschen 
und Mayersehen Buchhandlung, vom zweiten jahr an: Wien, 
Bey Rudolph Gräffer, Freyburg in Breisgau in der Herder- 
schen Buchhandlung, und Leipzig in der Ambros Barthschcn 
Buchhandlung) eine ganz ähnliche Notiz enthalten ist. Sie 
steht im 63. Stück des Zweytcn Jahrs, 1815, vom 27. Mai, 
S. 251. Hier wird gesagt: „Bey unserm Wunsche, hiesige Künst- 
ler und Kunstarbeiten, die nicht nach Verdienst gekannt sind, 
allgemeiner bekannt zu machen, ist uns die Nachricht von der 
Tonkünstler-Gallerie des Herrn Mähler, die wir zufällig durch 
einen Kunstfreund erhalten haben, sehr angenehm gewesen; wir 
eilen, unsern Lesern die Notiz davon zu geben und sie ihrer 
Aufmerksamkeit zu empfehlen". Von dem Bildnis des Kaisers 
heißt es, daß es „durch Ähnlichkeit und Grandiosität des Styls 
die Blicke der Kenner fesselt". Über die „Gallerie ausgezeich- 
neter Tonkünstler" wird gesagt, daß sie Mähler „zu seinem 
eigenen Vergnügen angelegt" habe. Man wisse nicht „ob man 
mehr die vollendete Ähnlichkeit oder die echte Seelenmalercy, 
die aus ihr spricht, bewundern solle". - Es ist bekannt, daß 
1814 in den „Friedensblättern" Beethovens Lied „An die Ge- 
liebte" erschienen ist. - Ich danke Frau Erna Felmayer für 
ihre Hilfe bei der Beschaffung der richtigen Stellen in beiden 
Zeitschriften herzlich. 
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