Auch die architektonisch gut gegliederte Fassade des
fünfgeschossigen Gebäudes weist auf die Erbauungszcit
im Anfang des 18. jahrhunderts. Die beiden unteren Geschosse
sind durch ein kräftiges Kordongesimse von den
Obergeschossen getrennt und bilden dadurch eine Art
Sockel, der durch eine Quaderteilung von den glatten
Mauerflächen des Oberbaues unterschieden und durch
ein in seinem Aufbau bis in die Fensterzone des Zwischengeschosses
reichendes barockes Portal betont ist.
Das dritte Gcschoß ist durch profilierte Drciecküberdachungcn
der Fenster als Hauptgeschoß hervorgehoben.
In den folgenden Geschossen sind die Schmuckdetails
zarter und einfacher gehalten, im obersten Gcschoß bestehen
sie nur mehr aus schlichten Fensterumrahmungen.
Auf diesem organischen Aufbau und der gut durchdachten
Abstufung in den Gliederungen beruht die künstlerische
Wirkung der Fassade.
Im Gegensatz zu den aus der Baroekzeit erhalten gebliebenen
Fassaden hat das Innere des Gebäudes zu verschiedenen
Zeiten Veränderungen durchgemacht. S0
wurden Umbauten vorgenommen, als im Jahre 1805 das
Gebäude in den Besitz des Erzherzogs Karl, des Siegers
von Aspern, übcrging (es führte nach ihm den Namen
"Palais Erzherzog Karl"). Das großzügig angelegte Stiegenhaus
in der Art Kornhäusels mit seinen kannelierten
Die Adapiierung des Palais Erzherzog Karl,
Wien I, Seilersiäüe 30
Das Bundesdenkmalamt hat den Ankauf und die Adaptierung
des Palais durch die llrzdiü tse Wien wiirmstens
begrüßt, war doch dadurch der weitere Bestand des wertvollen
Objektes gewährleistet und die drohende Gefahr
des Abbruchcs abgewendet. Die Demolierung des aus
mehrfachen Gründen überaus interessanten und erhaltenswerten
Gebäudes hatte cinen . hweren Verlust für
das Stadtbild bedeutet. Durch seine Lage an der Südostgrenze
der Inneren Stadt bildet der von der Annagasse
bis zur Krugerstraßt- reichende monumentale läaubloek
hier den Abschlull des Altstadtkernes und ist städtebaulich
von besonderer Wichtigkeit. Gleichzeitig stellt es
mit seiner künstlerisch qualitiitvollen barocken Fassade
einen großartigen Blickpunkt vom Sehwarzenhergplatz
her dar und nicht zuletzt spielte es wiederholt in der
Geschichte der Stadt eine Rolle.
Das Palais, das sich in seiner Außenerscheinung als
barocker Bau präsentiert, geht in seinem Bestand zum
Teil auf das 16. jithrhundert zurück. An der Ecke der
Krugerstrafle befand sieh das alte G" ' lhztus, das Kaiser
Rudolf ll. im Jahre 1603 seinem llofk sekretiir l-leinrich
Nickhardt schenkte. i'm 170D gelangte das Grundstück
nach mehrfachem Besitzwechsel in das Eigentum
des Ferdinand Karl (iraf von Weltz. lls war damals.
wie aus den alten Stadtplänen zu entnehmen ist, noch
nicht zur (ianze verbaut, gegen die Seilerstiitte zu erstreckte
sieh ein greller llof, der durch eine Mauer abgeschlossen
war. Die endgültige Verbauung muß bis zum
Jahre 1710 erfolgt sein, denn auf dem Stadtplan von
XVerner Arnold Steinhausen aus diesem Jahr ist die
Mauer gegen die Scilcrstiittc bcre s durch einen vierten
Trakt ersetzt, der llof also verkleinert und zu einem
lnnenhof geworden. (iraf von Weltz stellte in dem Ge-
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