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Full text : Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 48)

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freilich schon ein Spätling aus dem überraschend dichten

 Schwarm oberitalienischer Maler. die im zweiten

Jahrhundertvicrtel nach dem Norden zogen." So arbeitete

 von 1320 his um 1330 eine mindestens dreiköpfige

Gruppe holognesischer Illuminatoren in dem oberösterreichischen

 Chorherrenstift St. Florian" und schuf dort

in dem Missale III, 204 ihr eindrucksvollstes Werk. Der

Hauplmeister dieses Teams (Abb. 6 und 7) brach aus der

damals schon reichlich konservativen Stiltradition seiner

Heimat entschieden aus und machte sich die revolutionären

 Errungenschaften seines großen florentinischen

Zeitgenossen Giotto zu eigen: Aus dessen frühen Fresken

(etwa in der Arena-Kapelle zu Padua) bezog er nicht

nur die meisten Ornamentmotive seiner prunkvollen

Randleisten, sondern auch das kraftvolle Geschlecht seiner

 Figürchcn, die noch im kleinsten Format von überzeugender

 körperlicher Präsenz sind. Die kunsthistorische

 Stellung dieses bedeutenden Illuminators kann hier

nicht ausführlicher gewürdigt werden, doch sei wenigstens

 noch die Vermutung ausgesprochen, daß Mitglieder

 seiner Gruppe seit den dreißiger Jahren des 14.Jahrhunderts

 in Ungarn an einer weiteren Zweigschule bolognesischer

 Buchmalerei beteiligt waren's

Das halbe Dutzend unserer ober- und niederösterreichischen

 Beispiele vom Ende des 13. und aus der ersten

Hälfte des 14. Jahrhunderts zeigt recht deutlich, um wieviel

 eintöniger damals die Kunst des Donaulandes gewesen

 wäre, hätte sie nicht ihre eigenständigen Leistungen

 durch südliches Formengut und die Beiträge italienischer

 Wanderkünstler bereichert. Es waren durchaus

keine geringen Meister, die in jenen Jahren in die

Fremde zogen, und es spricht für die besondere künstlerische

 Aufgeschlossenheit der österreichischen Chorherrenslifte,

 daß man sich gerade in Klosterneuburg und

St. Florian ihrer versicherte."

ß Verkündigung an die Hirten. Initiale D mit Randleiste aus

der gleichen Handschrift wie Abb. 5 fol. 157 v.

7 Der Psulmist (David) crhchl seine Seele zu Gott. Initiale A

mit Randieisten aus dem Missalc Klosterneuburg cod. 615,

[o]. 7r (oberitalicnischcr llluminntor in Klosterneuburg, Mitte

des 1+. Jahrhunderts).

1 Für Süddeutschland und Böhmen hat zuletzt A. Stange die

Forschungslagc zusammengefaßt (Deutsche Malerei der Gotik,

Bd. I und lI, Berlin 193-1 und 1936); hinsichtlich Frankreichs

vergleiche man die ersten Abschnitte von  Panofsky, Early

Netherlnndish Painting (CambridgelMnss. 1953); zu England:

O. Pacht, A Giottesque Episode in English Medievnl Art (journal

 of the Warhurg and Courtauld Institutes 1943).

7 Einschlägige Hinweise schon bei F. Walliser, Zur Geschichte

der spätromanischen und frühgotischen Malerei in Österreich

(ungedr. phil. Diss., Wien 1921); neuerdings vor allem H. Hutter,

 Italienische Einflüsse auf die Wandmalerei in Österreich

im 14. Jahrhundert (ungedr. phil. Diss, Wien 1958). Vgl. ferner

E. Morpurgo, llopera del genio itnliano alfestero: Gli artisti

in Austrin (Rom 1937).

3 Einen ersten, freilieh noch unvollständigen Überblick gab

j. Neuwirth: Italienische Bilderhandschriften in österreichischen

Klosterbibliolhcken (Repertorium für Kunslwissenschaft IX,

1886 .

4 Vgl die grundlegenden Aufsätze von I. lliinsel-Hacker im

jahrb. d. österr. byzantinischen Gesellschaft II, 1952, und III,

1954.

-" Zum Seilenstettcner Missale siehe Hänsel-Haeker, a. a. 0.;

lerner M. llarrsen, Italian Manuseripts in the Picrpont Morgan

Library (New York 1953), N0. 12, pl. 14; dieselbe, Cenlral

European Manuscripts in the Pierpunt Morgan Library (New

York 1958), N0. 31, pl. 5D, 89. Das Wimpassinger Kreuz hat

E. Strohmer in der Zeitschrift d. deutschen Vereins f. Kunstwissenschaft

 1939 publiziert.

5 Cod. 1170-1173, um 1270fS0. Die näehstverwandten Hand-Schriften

 in Böhmen sind: die Bibel, cod. XII. B. 13 des Prager

Nationalmuseums und das Lektionar cod. 76 in Kloster Ossek.

Vgl. j. Kvöt, Italske vlivy na pozdnö romiinskou kniini malhu

v eechäch (Prag 1927) und A. Fricdl, Lcctionnrium Arnoldi Miscnensis

 (Prag 1928).
            
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