umgebenden tiefen Graben erreicht. Die Ecken der Grahenbrüstung
zieren hier zwei Standbilder von Heiligen,
den Namenspatronen der Besitzer: Leopold der Glorreiche
und Elconora, in Sandstein von Philipp jakoh
Strauh. Trotzdem sich die Kirche in den bestehenden
Raum einfügen mußte, gelingt eine sehr befriedigende
Lösung. Den dreijochigen, durch Pilaster gegliederten
Raum, schließt im Osten halbkreisförmig die Architektur
des llauptaltares. lm Westen sind die ovale, dreifach
geöffnete Empore, die selbst wieder mit einem Altar
versehen als kleine Kapelle zu verwenden ist und die
Verbindung mit den beiderseits anschließenden je zwölf
Prunkräumen herstellt, und die darunter liegende dreischiffige
Vorhalle, beide in den Kirchenraum vorschwingend,
ebenfalls durch korinthische Pilaster verbunden
und werden vom großen Allianzwappen bekrönt.
Gleichzeitig wird der Mittclturm des Schlosses in seinem
achteckigcn Oberbau überfassadiert und mit einem
neuen reichverkröpftcn Helm versehen, sein Geliiute 1756
auf sechs Glocken erweitert. Die zentral als Mittelpunkt
der Anlage im zweiten Obergeschoß des Hauptturmes
gelegene nachgotische Kapelle aus der llrbauungszeit
bleibt, ebenfalls neu hergerichtet, weiter bestehen.
Nun geht es in Eggenberg so, wie es heute noch bei
einer Umgestaltung häufig vorkommt: Aus der einmal
gemachten Veränderung resultiert eine Kette von weitercn
Neuerungen, jede die folgende bedingcnd. So werden
vor der Hauptfassade im Osten vier Kolossalstatuen
aufgestellt, ebenfalls von Straub in Sandstein ausgeführt.
Die Hauptbrücke flankieren hier Mars und Minerva zwischen
Abundantia und Herkules. Wieder sinnvoll in Beziehung
zu den Besitzern gesetzt, führt Mars das Herbcrstein-Wappen,
Minerva die drei Eggcnbergischen Raben
im Schilde und beide stehen wie Wächter zwischen
den Personifikationen der Fülle des Reichtums und der
kraftvollen Stärke. (S. Heft 47, Umschlag und Abb. 1.)
lleute sind diese Standbilder nur der bescheidene Rest
der reichen architektonischen Einfassung des weiten Vorplatzes,
die im Wfesentlichen der gegenwärtigen Begrenzung
entsprach, in der Mitte aber zum großen Halbkreis
ausgeweitet war und durch Gitterstäbe zwischen Pfeilern
mit plastischem Schmuck gebildet wurde. Fünf
Doppeltore, deren Pfeiler mit Puttopaaren geschmückt
waren, eröffneten die Zugänge zu den einzelnen Parkteilen
bzw. in der Mittelachse zur Auffahrtsstraße vom
Hauptportal her. Die Schönheit der gleichzeitig entstandenen
und erhalten gebliebenen drei großen Haupttorc,
jeweils in der Mitte der Umfassungsmauer des Schloßparkes
nach Norden, Osten und Süden gelegen gibt ein
Bild des verlorenen Bestandes und läßt somit den Verlust
doppelt schmerzlich erscheinen. Als nach der Mitte des
19. Jahrhunderts der „französische Garten" in einen englischen
Naturpark umgestaltet wurde, fiel die gesamte
Gliederung wie Fontänen, Wasserbecken, Grotten und
Labyrinth, sowie der platische Schmuck dieser prächtigen
Anlage dcr Neuerung zum Opfer. Einzelne portalartig
umrahmte Öffnungen in der Parkmauer, bzw. deren
Reste zeigen noch an, daß man hier die Blickachsen von
einzelnen Schwerpunkten der Gartenanlage über die Umfriedung
des Parkes hinaus verlängert sehen wollte.
Inzwischen war der Besehluß gefaßt die Prunkräume des
2. Obergeschoßes einer durchgreifenden Neuausstattung
zu unterziehen. Das gesamte Mobiliar wurde erneuert,
an Stelle der alten Wanddekorationen und Gohelins neuartige
Formen des Wandschinuekes in abwechslungsreicher
Weise angewendet und schließlich die Einrichtung
durch kostbare Kristalluster und erlesen schöne Kachelöfen
abgeschlossen. Die reichen Stuckdeeken der Räume
mit den über fünfhundert Deekenbildern aus der I. Ausstattungsperiode
um 1670 beließ man und sie bilden
heute einen reizvollen Kontrast zu den Intericurs des
Rokoko.
Hier verdienen besonders die Wanddekorationen durch
die Vielfalt der angewendeten Materialien eine nähere
Betrachtung. Neben acht Räumen, die die damals übliche
Art der Bespannung von XVand und Mobiliar mit gleichfarbigem
Damast zeigen, ist es die Dekoration mit bemaltcr
Leinwand, die in vier Räumen streifenfürmige
Blumenmuster auf jeweils verschiedenfarbigem Untergrund
aufweist. Die Hauptattraktion aber bilden die figuralen
Wandbcspannungen des Johann Baptist Anton
Raunacher, der 1757 bis 1768 im Sehloß arbeitet und
die Wände von fünf Räumen mit seinen launigen und aus
dem Leben der Zeit frisch geschöpften Szenen ausschmückt.
Die Themen der Räume sind in der Reihenfolge
ihrer Entstehung: jagd und Fischfang, Commedia
dell'arte, Karten- und Brettspiel, Volkstanz und Schiiferspiel
und zuletzt (Jesellschafts-Szcnen im Park.
Eine weitere Abwechslung bringen drei Kabinette, in
deren bemalte Wandverkleidung Erzeugnisse ostasiatischer
Kunst, die damals sehr geschätzt wurden, eingefügt
sind. Im ersten Raum sind es 129 Teller Imari-Porzellan,
der zweite zeigt chinesische Seidenmalereien und
der dritte acht japanische Rollbilder zwischen (jhinoiserien
einheimischer Künstler.
Kaum sind die Arbeiten abgeschlossen, besteht das Schloß
in seiner neuen Pracht die erste Erprobung. Im Sommer
1765 nimmt der kaiserliche llof auf der Reise nach Innsbruck
zur Vermählung Leopolds von Toskana für fünf
Nächte seinen Aufenthalt in Eggenherg. Niemand ahnt
bei den glänzenden Festen, welch jähes Ende diese Reise
in Innsbruck durch den plötzlichen Tod des Kaisers
nehmen sollte.
In wechselvollem Schicksal bleibt das Schloß im Besitz
der Herberstein bis es 1938 vom Land Steiermark erworben
wird und zunächst die Musikhochschule aufnimmt.
Nach Krieg und Verwüstung erstcht es nach
mehrjähriger Restaurierung in neuem Glanz. Seither
wächst seine Bedeutung im Kulturlehen der Steiermark
immer mehr. Im ersten Obergeschoß sind heute das
Steirische jagdmuseum und das Stadtmuseum untergebracht,
der Park ist Wildbahn für Pfauen, Rehe, Mufflone
und Hirsche. Die Prunkräume aber erfüllen heute wie
vor dreihundert Jahren ihren Zweck bei Staatsempfängen
und Tagungen und bieten einen stilvollen Rahmen
für subtile musikalische Aufführungen.
Literatur: T. Aldriam: Bemalte Wandbcbpannungen des 18.]hdl.s.,
1952; li. Andorfcr: Schloß Eggcnberg in Dehio Steiermark,
1956; W. Koschatzky: Loben. Werk und Stil des Hucbcr,
Diss. 1951; Eigene uned. Forschung.