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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 50)

umgebenden tiefen Graben erreicht. Die Ecken der Grahenbrüstung

 zieren hier zwei Standbilder von Heiligen,

den Namenspatronen der Besitzer: Leopold der Glorreiche

 und Elconora, in Sandstein von Philipp jakoh

Strauh. Trotzdem sich die Kirche in den bestehenden

Raum einfügen mußte, gelingt eine sehr befriedigende

Lösung. Den dreijochigen, durch Pilaster gegliederten

Raum, schließt im Osten halbkreisförmig die Architektur

 des llauptaltares. lm Westen sind die ovale, dreifach

 geöffnete Empore, die selbst wieder mit einem Altar

versehen als kleine Kapelle zu verwenden ist und die

Verbindung mit den beiderseits anschließenden je zwölf

Prunkräumen herstellt, und die darunter liegende dreischiffige

 Vorhalle, beide in den Kirchenraum vorschwingend,

 ebenfalls durch korinthische Pilaster verbunden

und werden vom großen Allianzwappen bekrönt.

Gleichzeitig wird der Mittclturm des Schlosses in seinem

 achteckigcn Oberbau überfassadiert und mit einem

neuen reichverkröpftcn Helm versehen, sein Geliiute 1756

auf sechs Glocken erweitert. Die zentral als Mittelpunkt

der Anlage im zweiten Obergeschoß des Hauptturmes

gelegene nachgotische Kapelle aus der llrbauungszeit

bleibt, ebenfalls neu hergerichtet, weiter bestehen.

Nun geht es in Eggenberg so, wie es heute noch bei

einer Umgestaltung häufig vorkommt: Aus der einmal

gemachten Veränderung resultiert eine Kette von weitercn

 Neuerungen, jede die folgende bedingcnd. So werden

 vor der Hauptfassade im Osten vier Kolossalstatuen

aufgestellt, ebenfalls von Straub in Sandstein ausgeführt.

Die Hauptbrücke flankieren hier Mars und Minerva zwischen

 Abundantia und Herkules. Wieder sinnvoll in Beziehung

 zu den Besitzern gesetzt, führt Mars das Herbcrstein-Wappen,

 Minerva die drei Eggcnbergischen Raben

 im Schilde und beide stehen wie Wächter zwischen

den Personifikationen der Fülle des Reichtums und der

kraftvollen Stärke. (S. Heft 47, Umschlag und Abb. 1.)

lleute sind diese Standbilder nur der bescheidene Rest

der reichen architektonischen Einfassung des weiten Vorplatzes,

 die im Wfesentlichen der gegenwärtigen Begrenzung

 entsprach, in der Mitte aber zum großen Halbkreis

ausgeweitet war und durch Gitterstäbe zwischen Pfeilern

 mit plastischem Schmuck gebildet wurde. Fünf

Doppeltore, deren Pfeiler mit Puttopaaren geschmückt

waren, eröffneten die Zugänge zu den einzelnen Parkteilen

 bzw. in der Mittelachse zur Auffahrtsstraße vom

Hauptportal her. Die Schönheit der gleichzeitig entstandenen

 und erhalten gebliebenen drei großen Haupttorc,

jeweils in der Mitte der Umfassungsmauer des Schloßparkes

 nach Norden, Osten und Süden gelegen gibt ein

Bild des verlorenen Bestandes und läßt somit den Verlust

doppelt schmerzlich erscheinen. Als nach der Mitte des

19. Jahrhunderts der „französische Garten" in einen englischen

 Naturpark umgestaltet wurde, fiel die gesamte

Gliederung wie Fontänen, Wasserbecken, Grotten und

Labyrinth, sowie der platische Schmuck dieser prächtigen

 Anlage dcr Neuerung zum Opfer. Einzelne portalartig

 umrahmte Öffnungen in der Parkmauer, bzw. deren

Reste zeigen noch an, daß man hier die Blickachsen von

einzelnen Schwerpunkten der Gartenanlage über die Umfriedung

 des Parkes hinaus verlängert sehen wollte.

Inzwischen war der Besehluß gefaßt die Prunkräume des

2. Obergeschoßes einer durchgreifenden Neuausstattung

zu unterziehen. Das gesamte Mobiliar wurde erneuert,

an Stelle der alten Wanddekorationen und Gohelins neuartige

 Formen des Wandschinuekes in abwechslungsreicher

 Weise angewendet und schließlich die Einrichtung

durch kostbare Kristalluster und erlesen schöne Kachelöfen

 abgeschlossen. Die reichen Stuckdeeken der Räume

mit den über fünfhundert Deekenbildern aus der I. Ausstattungsperiode

 um 1670 beließ man und sie bilden

heute einen reizvollen Kontrast zu den Intericurs des

Rokoko.

Hier verdienen besonders die Wanddekorationen durch

die Vielfalt der angewendeten Materialien eine nähere

Betrachtung. Neben acht Räumen, die die damals übliche

Art der Bespannung von XVand und Mobiliar mit gleichfarbigem

 Damast zeigen, ist es die Dekoration mit bemaltcr

 Leinwand, die in vier Räumen streifenfürmige

Blumenmuster auf jeweils verschiedenfarbigem Untergrund

 aufweist. Die Hauptattraktion aber bilden die figuralen

 Wandbcspannungen des Johann Baptist Anton

Raunacher, der 1757 bis 1768 im Sehloß arbeitet und

die Wände von fünf Räumen mit seinen launigen und aus

dem Leben der Zeit frisch geschöpften Szenen ausschmückt.

 Die Themen der Räume sind in der Reihenfolge

 ihrer Entstehung: jagd und Fischfang, Commedia

dell'arte, Karten- und Brettspiel, Volkstanz und Schiiferspiel

 und zuletzt (Jesellschafts-Szcnen im Park.

Eine weitere Abwechslung bringen drei Kabinette, in

deren bemalte Wandverkleidung Erzeugnisse ostasiatischer

 Kunst, die damals sehr geschätzt wurden, eingefügt

sind. Im ersten Raum sind es 129 Teller Imari-Porzellan,

 der zweite zeigt chinesische Seidenmalereien und

der dritte acht japanische Rollbilder zwischen (jhinoiserien

 einheimischer Künstler.

Kaum sind die Arbeiten abgeschlossen, besteht das Schloß

in seiner neuen Pracht die erste Erprobung. Im Sommer

1765 nimmt der kaiserliche llof auf der Reise nach Innsbruck

 zur Vermählung Leopolds von Toskana für fünf

Nächte seinen Aufenthalt in Eggenherg. Niemand ahnt

bei den glänzenden Festen, welch jähes Ende diese Reise

in Innsbruck durch den plötzlichen Tod des Kaisers

nehmen sollte.

In wechselvollem Schicksal bleibt das Schloß im Besitz

der Herberstein bis es 1938 vom Land Steiermark erworben

 wird und zunächst die Musikhochschule aufnimmt.

 Nach Krieg und Verwüstung erstcht es nach

mehrjähriger Restaurierung in neuem Glanz. Seither

wächst seine Bedeutung im Kulturlehen der Steiermark

immer mehr. Im ersten Obergeschoß sind heute das

Steirische jagdmuseum und das Stadtmuseum untergebracht,

 der Park ist Wildbahn für Pfauen, Rehe, Mufflone

und Hirsche. Die Prunkräume aber erfüllen heute wie

vor dreihundert Jahren ihren Zweck bei Staatsempfängen

 und Tagungen und bieten einen stilvollen Rahmen

für subtile musikalische Aufführungen.

Literatur: T. Aldriam: Bemalte Wandbcbpannungen des 18.]hdl.s.,

1952; li. Andorfcr: Schloß Eggcnberg in Dehio Steiermark,

1956; W. Koschatzky: Loben. Werk und Stil des  Hucbcr,

Diss. 1951; Eigene uned. Forschung.
            
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