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Full text : Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 58 und 59)

Die Salzburger Rcsidenzgaleric

wurde in ihrer heutigen Form erst

im Jahre 1923 gegründet. Sie führt

iednch die alte Tradition der (iemaldesammlung

 der Salzburger

Erzbischof-e fort. Das lnventar der

„Hofguarrlarolzbali von 1612 um?

fAßIC bereits 105 Stück (iemältle l).

Diese Gemälde waren ein Teil der

großen Kunst? und Raritäten?

kanimer, die die lirzbischöfe gleich

anderen Fürsten des 16.

17. Jahrhunderts anlegten.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts

brach über das Erzbistum Salzburg

die Katastrophe der Sfkulariszition

herein. Während die Schätze aus

edlen Metallen größtenteils durch

Ferdinand llL-Toskana nach Florenz

 entführt wurden I), wurde

alles andere, vuas künstlerischen

Wert hatte, nach Wien gebracht.

So verlor die erzbischöfliche (jalerie

 an die Sammlungen des aller?

höchsten Kaiserhauses 56 ihrer

bedeutendsten (iemälde 3). 1816,

als Salzburg endgültig Österreich

eingegliedert wurde, hatte die erzbischöfliche

 Sammlung nach Ver-Steigerung

 von Restbeständen zu

bestehen aufgehört-l).

und

Bei der Neugründung standen im

Jahre 1923 Plastiken und (iemälde

aus Salzburger Besitz, eigene Neuankäufe

 und Dauerleihgaben des

Kunsthistorischen

Wien zur Verfügung. Die Be?

deutung der Galerie war zwischen

den Weltkriegen allerdings nur

lokal. F.rst mit der Xeukonstitu?

tion von 1951 und der Fröilnung

1952 trat die Residenzgalerie, entsprechend

 der Stellung Salzburgs

als Kunststadt, mit einem erweiter?

ten und bedeutenden Aufgaben?

bereich an die Öffentlichkeit.

Nunmehr sollten Werke der Re?

naissance bis zur Moderne (aus?

schließlich lebender Künstler) sXutinahme

 in die Galerie finden. Zum

Zeitpunkte der Eriäninung waren

die Bestände natürlich äußerst

lückenhaft. Durch Sonderausstel?

lungen wurde diese erste Zeit über?

brückt, bis es gelang, den Haupt?

bestand der Czerningalerie 85

Gemälde für die Dauer von 16 Jah?

ren 7 und Teile der Sammlung

Schönbormßuchheim 29 (Je?

mälde auf 10 Jahre an die

Residenzgalerie zu binden. Damit

begann der Aufstieg von einer

Provinzgalerie zu einer Sammlung

von Bedeutung. Durch einen

Dauerleihvertrag mit dem Museum

(larolinowXugusteum konnten weitere

 Gemälde der Galerie einge?

gliedert werden.

Nun konnte man auch durch Änkäufe

 die Bestände weiter er?

gänzen und dabei durch ein straHes

32

Museums in

SHIHDIClJTTtJgTXHIIIll eine

(jeschlossenbeit

streben. Der historischen Stellung

großen:

der (iiilerie an-



Salzbtirgs zu ben Norden und

Süden entsprechend, richtete sich

das Änkatifsinteresse vor allem auf

zwei Kunstkreise:

Österreichische Barockinalerei, die

in einem möglichst repräsentiitix en

Querschnitt zur Darstellung kom?

men soll, und italienische Älalerei,

soweit sie für die lintwicklung

des (österreichischen Barock-s von

Bedeutung ist. Ferner sollten auch

noch Einwirkungen des Nordens,

der Flamen und Niederländer, auf

den süddeutschen und osterreichi?

schen Raum aufgezeigt werden.

Da Salzburg zur Zeit der Roman?

tik einen starken Xnziehungspunkt

für viele Maler bildete, war natür?

lich auch diese Epoche ebenso

wie bedeutende Salzburger Maler,

nämlich Faistauer und Älakart, ein

Anliegen der Galerie.

Lntcr den Xeuerwerbungen ragt

als bedeutendstes Werk

reicbisclier Älalerei des 18. Jahr?

hunderts, das letzte Äbcntlinabl

von Franz hlaulbertscb, hervor

(Abb. 1). Das (iemaldc ist ein

Frühwerk und zeigt bei aller

(ienialität und Selbständigkeit

noch liinlliisse Paul 'l'rogers. Tro?

ger vermittelte iXliiull-iertsch, der

wahrscheinlich nie in Italien war,

die Kunst Piazzettas und Soli

ineniis. Mit seinem letzten Abend?

mabl hat Maulbertscla noch nicht

den lrliihcpunkt an likstase er?

reicht, wo Heckenbaft aufeinander?

täster?

PHIllCIKlC Farbtlächen und starke

Ilelldtinkelkontraste oft Nebensächliches

 hervorheben und Wichtiges

 in Dunkel tauchen. Ver?

gleicht man die Neuertverbung mit

zwei anderen bekannten Äbend?

mahldarstellungen des Äleisters

Pfarrkirche in Fischamentl und

dugustinerkircbe in

?, so ist nur an der Postie?

Korneuburg?)



rung der Außeniiguren eine ilbn?

lichkeit festzustellen, im übrigen

erscheint das Thema vollkommen

neu gelost. Feulners Worte über

Xlaulluertscb charakterisieren auch

tretientl dieses Bild des letzten

Äbeviilmahles: „Noch wichtiger

als der Zusammenklang der forma?

len Faktoren ist eben das, was

jenseits der realen Erscheinung

liegt, ist der magische Stimmungs?

wert der Farbe. Sie hat geheimnisvollen

 liigenwert, sie führt ein

Eigenleben, wird transparent und

selbstleuchtend. Das Sinnliche

wird durch die Farbe sublimiert

und in geistige Erregung übersetzt.

Maulbertsclf Stärke ist seine malerische

 Begabung, er denkt in

liarben"").

liine für Salzburg äußerst er?

freulicbe Netiwerbting ist ein Modell

 für das Ältarblatt der Kirche

Sankt Peter in Salzburg von

Johann Hartin Schmidt (Abb. 3),

der als Rokokomaler weniger

von Italien als allem

Rembrandt beeindruckt

Darum verschreibt er sich auch

nicht dem Pathos und der Dm?

miitik, sondern es gebt ihm um

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