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Full text : Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 58 und 59)

rennt-n Wilhelm Herdt, Marie Taglioni, (Suttvtt, 70- 501m. im. 1. ".1 r. w. Herdt p. 1x33.

Pnxatlvttiiz. Vilivn

icdnch Wilhelm Heidi. Amallt- lagluuti. Uljl wir. 70 - ähun. litv. 1. lLI r. w. Hehl! p, 1x32.

Ptlxaibcxlil. Wien

bringt. Schwarze Haare rahmen

das schmale Antlitz, dessen hohe

Stirn ein brillantgefaßter Smaragd

an einem goldenen Kettchen ziert.

Stärker noch als in dem anmutigen

Antlitz der schönen Marie wird

in dem ihres jüngeren Bruders

Paul (Abb. 3) ein südländischcr

Zug offenbar, der durch das lnkarnat,

 die lebhaften braunen

Augen, die schwarzen Haare und

den Kinn- und Backenbart noch

unterstrichen wird. Mit lässig um

ein Knie geschlungenen Händen

sitzt der Tänzer in einem hohen

Lehnstuhl vor einem geralften

roten Brokatvorhang, der rechts

hinter einer Brüstung einen Ausblick

 auf einen noch lichten, leicht

bewölkten Abendhimmel und ein

wenig Laubwerk gibt. Elegant ist

auch seine Kleidung: er trägt

einen grüngestreiften, grauseiden

abgefüttertcn llausrock, eine loklser

 geknotete schwarze Seidenlzrawatte

 und hordeauxrote BeinklüClCI").

 ln der betonten Vornehmheit

 des äußeren llabitus

herrscht in diesem wie in den

anderen Bildnissen eine noble

Zurückhaltung. lhre Charakteristika

 sind wohl mehr Repräsentation

 und eine etwas

Schönheit als Durchdringung im

Geistigen.

Als Ergänzung zur Bildnisreihe

der Taglionis von Herdt mag hier

noch das recht liebenswürdige,

zwischen 1822 und 1824 entstandene

 Kinderbildnis des Prinzen

Alexander von Preußen (Abb. 7)

Erwähnung rindenV). Der etwa

dreijährige blondgelockte Prinz

sitzt mit umgchängter Säbeltasche

auf dem Rasen und hält in seinen

Händchen Säbel und Scheide. Ein

riesiger Schutenhut mit Bändern

liegt neben ihm im (jras, am rechten

 Bildrand steht ein Schaukelpferd.

 Miniaturhaft fein sind die

Blumen und Gräser im Vordergrund

 rechts wiedergegeben, sehr

zart ist das Laubwerk im Hintergrund

 gemalt. Das Tierhaus i

vermutlich eine Voliere A weist

möglicherweise auf den Park der

Pfaueninsel.

Daß die Welt des Malers Herdt

die des Theaters, der Kostüme

und Masken war, mag wenigstens

ein Beispiel zeigen. 1836 schuf er

das Gemälde eines Älaskenballes

(Abb. 6), das Friedrich Wilhelm

 lll. erwarb. ln einem großzügig

 gestalteten Theaterinnenraum

 mit Logen in verschiedenen

Geschossen tummeln sich die als

Kostümrigürchen an- und hintereinandergereihten,

 zumeist maskierten

 Festteilnehmer. Ein diese

Szenerie rahmender Bühnenvor-YHIIYJTXOIIIC



hang deutet das Spielerisch-Phantastische

 eines solchen Festes an.

Die Zahl der in Berlin tätigen

Bildnismaler war im Biedermeier

erstaunlich hoch. Käte Gläser hat

ihre Werke, soweit sie noch erfallbar

 waren, zusammengestellt

und behandeltß). Von allen Gattungen

 der Älalerei war die Porträtkunst

 neben der Architekturmalerei

 in Berlin in jenen Jahrzehnten

 zweifellos am fruchtbarsten.

 Älit der Bildnismalerei verbinden

 sich Namen wie die von Carl

und Oskar Begas, Adolfllenning,

Luise Henry, Wilhelm Hensel,

dessen heute im Besitz der Nationalgalerie

 West befindliche Bleistiftbildnisse

 uns fast alle bedeutenden

 Vertreter des Berliner Geisteslebens

 über mehrere Jahrzehnte

vor Augen führen, Franz Krüger,

Eduard Magnus, Eduard Meyerheim,

 Julius Schuppe und vieler

anderer. Es war durchweg eine

im Handwerklichen gepflegte, auf

dem Boden des erstarkten Bürgertums

 fußende Kunst, die aus betuhigter

 Weltschau Menschen und

Dingen offen in die Augen sah.

Berliner Nüchternheit, ein starker

eingeborener Hang zum Realismus

 kamen hier der Erfassung und

Deutung des jeweils Porträtierten

glücklich entgegen. Nicht gering

ist allerdings auch der Fzintluß des

französischen Klassizismus zu veranschlagen.

 Wie es die Landschafter

 nach ltalien zog, so unternahmen

 die Berliner Bildnismaler

nach den Freiheitskriegen Studienreisen

 nach Paris, um von der

Porträtkunst der David, lngres

und Gros und ihrer Schüler zu

lernen. Franeois Gerard, ein

Freund Alexander von Humboldts,

weilte längere Zeit in Deutschland;

 seine noble, etwas kühle

Auffassung blieb bei vielen nicht

ohne Nachhall. Versuchen wir

llerdt innerhalb der gleichzeitigen

Berliner Bildnismalerei zu sehen,

so gehört er fraglos zu jenen, die

sich von der repräsentativen Auffassung

 und vornehmen, Distanz

wahr-enden Haltung des französischen

 Klassizismus beeinflussen

ließen; ja, man kann fast mit Gewißheit

 annehmen, daß auch er

sich eine Weile in Frankreich aufgehalten

 haben muß. Die behagliehe

 nestwarme Bürgerlichkeit,

das Bieder-(lemütvolle, das die

Berliner Porträtisten in den Dreißiger-

 und Vierzigerjahren auch

so reich entfalteten, fehlen ihm.

Das aber hat wohl auch seinen

(irund darin, daß er hauptsächlich

Künstler malte, also ein gewisser

Sinn für Pose beiderseits

vornherein gegeben war.

von

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