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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

WILHELM MRAZEK

Metallarbeiten von Angela Varga



Die Wende zum 20. Jahrhundert brachte auch in Wien für alle Künste eine neue Situation. Eine von der Jugend ausgehende

 Besinnung auf das Wesen jedes künstlerischen Schaffens ließ ein neues Verantwortungsbewußtsein und eine

veränderte Auffassungsweise über die Bestimmung der Kunst und des Künstlers entstehen. Im Manifest der Wiener

Secessionisten wurden diese Gedanken schriftlich festgelegt. in den ersten Schöpfungen, wie z. B. ihrem Haus am Naschmarkt.

 zum Entsetzen der Wiener realisiert. Diese Erneuerungsbewegung kulminierte dann in der Gründung einer

Werkstöttengemeinschaft junger Künstler. der sogenannten "Wiener Werkstätte", die im Jahre 1903 mit Hilfe von

privaten Geldgebern zustande kam. JosefHoffmann. der die Anregung hierzu gegeben hatte. war auch der erste künstlerische

 Leiter des Unternehmens, das sein Vorbild in englischen Bestrebungen des späten 19. Jahrhunderts hatte und

der jungen Bewegung und ihren Tendenzen schließlich die Weltgeltung einbringen sollte.

Alle Arbeiten. die in dem ersten Jahrzehnt der Wiener Werkstätte entstanden, waren Gebilde von bekenntnishafter

Prägung. Alle Schöpfungen, die die Werkstätte verließen, waren ein Bekenntnis zu Form und Material. wobei die Form

sich weitgehend als Ergebnis des Materials darstellte, d. h. das Material als eine lnspirationsquelle der Farm wirksam

gewesen war. Dieses Bekenntnis zum Werkstoff resultierte aus einer echten Werksgesinnung. für die die Rückführung

auf die vollkommene Beherrschung der handwerklichen und technischen Grundlage das Um und Auf bedeutete. Die

Maierialgerechtigkeit sah weniger ihre Aufgabe in der "Verschönerung" und "Veredlung" der Gebilde, sondern

vielmehr in der Wiedergabe aller sinnlichen Oberflöchenreize. im Ausschöpfen aller stofflichen Möglichkeiten. Als

Mittel zur Ausdruckssteigerung der formalen Qualitäten waren dieser Einsatz der materiellen Gegebenheiten, ihre

Differenzierung und bewußte Anwendung gleichzeitig auch ein neuer Zugang. eine neue und völlig unmaterialistische

Auffassung der Materie selbst.

Die Künstler dieser Generation waren selten Spezialisten und nur aufein Kunstgebiet allein beschränkt. Die bedeutendsten

unter ihnen. wie Löffler. Olbrich. Kolo Moser und Hoffmann. betätigten sich auf allen Gebieten, insbesondere aber auf

dem Felde des Kunsthandwerkes. das ja als gleichberechtigte Schwester in den Kreis der ..freien" Künste aufgenommen

worden war.

Diese für die Kunst des 20. Jahrhunderts bedeutsamen Anfange haben in Wien nicht nur ihre sichtbaren Spuren hinterlassen.

 sie wurden auch nie vergessen. Obwohl zwei Kriege entscheidende Zösuren setzten. gab es immer wieder

Künstler. die bewußt oder unbewußt die Verbindung über die Zeiten hinweg darstellen und die den Zugang finden

zu der mit dem Genius der Stadt Wien immer verbundenen Wirksamkeit schöpferischer. künstlerischer Kräfte.


            
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