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Full text : Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

auch rasch zu ihrem Ziele. so daB ich die

Slalue bereils 1914 in der Konservierungswerkslälle

 im Unleren Belvcdere besichligen

konnle.

Dr. R. Ernsl. der bei seinen Forschungen zur

Geschichle der Taielmalerei Südbährnens im

ausgehenden XIV. und beginnenden XV. Jahrhunderl

 duen die ungefähr gleichzeitige

Plaslik dieses Gebieles kennengelernl halle,

hal 1917 in einer sehr wertvollen, inhailsreichen

 Abhandlung die Krurnauer Madonnn

 in die kunslgeschichliiche Lileralur

und in die Prablemalik der Kunsl um 1400

eingeführl. Dr. Ernsls Aufsaiz ist im Hell

IYIVI1917I des Jahrbuches des Kunsihislorischon

 lnsliiules der Zenlralkommission für

Denkmalpflege unler dem Tilel "Die Krumduer

 Madonna der k. k. Slaalsgalerie"

erschienen.

Wie die Madonna in den Besllz der erwähnlen

Kleinhüuslerin gelangl war H wahrscheinlich

 als Erbschaft nach ihrem Valer. der

Maurer gewesen sein soll -. ließ sich nichi

näher feslslellen. Ungeklürl blieb auch ihre

Herkunft Die naheliegende Annahme. daß

die Madonna ursprünglich für die schöne

golische Kirche der Sladl Krumau gesichnflen

 werden sei hal nlchl viel Wahrscheinlichkeil

 für sich, da um 1400 '- also

zur Zeil der Enislehung der Mdddnnd e die

Kirche sich in einem volligen Umbau befunden

 halle. Außerdem haben aber der

vornehme Charakier dieser zarlen jungmädchenhaflen

 Madonna und die Feinheit

ihrer erlesenen Formensprache mich Seil

jeher zu der Vermulung angeregl. das Bildwerk

 stamme aus der Schloßkapelle der

Burg Krurndu. In dieser Vermulung wurde

ich bestärkt. als ich durch Vermilllung eines

Archivars Kennlnis von zwei Ablaüaus-Schreibungen

 des Jahres 1400 erhiell. die

sich auf die Krumauer Schlaßkapelle

beziehen.

Diese Ablaßurkunden lauien im Auszug:

1400 - 1B. Miir - Wenzel, Falriarch

von Aniiochia. röm. und böhm, Kanzler



gibl der Georgskapelle in der Burg

Krumau auf Billen Heinrichs von

Rosenberg (für ein Valer unser und drei

Ave Maria) 40 Tage Ablaß und fügi bei:

„Celerurn accepimus. quod in capella Caslri

praescripli Crumpnaw Srl de pulchro

opere imago virginis Marie QlOFIose.

 ad quam iideles

habere noscunlur."

1400 - 1B. Mdrz Prag - Erzbischof Wolfram

und ClpOSl. Legdi gibi der genannlen Georgskapeile

 und dem Marienbilde in der Schießkapeile

 gleichlalis einen 40lögigen Abiaß

und besldligl die von anderen verliehenen

Ablässe.

ich ziliere den Worllaul dieser zwei Ablaßerleilungen.

 weil es mich dmusieri. mir die

zwei würdigen Ablaßspender in Eewunr

derung vor unserer Madonna vorzusiellen.

Das isi in Kürze allä. was ich über die

Schicksale der Madonna vor ihrem Einzug

in das Panlheon der Kunslwerke von Weliformal

 milieilen kbnnle.

zelum devolicnis

PAUL TROGERS ENTWURF

FÜR DAS DECKENFRESKO

IM PRÄLATENSAAL DES

STtFTES MELK

Die Olskizze „Triumph des Heiligen

Benedikt" von Paul Trager, die in der

Kunstabteilung des Wiener Dorotheums

im Dezember 1962 zur Versteigerung

gelangt, stellt eine wertvolle Bereiche

rung der bisher bekannten Werke des

österreichischen Barockmalers dar. Die

auf Leinen gemalte. 36.1 x 61,1 cm große

Studie ist in ihrer bewegten Komposition.

in der vitalen Ausdruckskraft und der

leuchtenden Farbigkeit als ein charaktee

ristisches Werk dieses Künstlers zu

erkennen. Genaue Übereinstimmungen

mit dem Deckenfresko im Bildersaal

der Prülatur des Stiftes IVlelk lassen

vermuten. daß sie die unmittelbar vor?

angegangene Kontraktskizze dafür war.

Das Fresko, das irn dritten Band

der österreichischen Kunsttopagraphie

Seite 293 beschrieben und auf Figur 293

abgebildet ist. wurde bis vor kurzem

noch als ein Werk des italienischen

Architekturinalers Hippotyta Sconzani

aus dem Jahre 1719 bezeichnet. Scone

zani besorgte die ornomentale Rahmung

 der Fresken Rottinayrs in der

Melker Stiftskirche: rnit figurctlen Korn?

posittonen wurde er nicht betraut,

Die irrtümliche Zuweisung des Freskos

wurde anlaßlich der Prandtauerausslellung

 irn Jahre 1'960 korriglert.

Da das Gewölbe dieses Saales 1738

durch Brand zerstart wurde, erfolgte

die neue Ausrnalung kurz darauf iin

Jahre 1739. Die Zusammenarbeit Rottmayr-Sconzani

 war um diese Zeit

schon durch die Verbindung Paul

lrogers mit dem Architekturrnaler

Goetano Fanti abgelast worden. Sie

schufen 1731 32 den Schmuck des

Kaisersaales und der Bibliothek Ihnen

ist auch, was durch eine stilkritische

Untersuchung belegt werden kann. die

Ausmalung des Bildersciates zu danken.

Den geistigen und optischen Mittetpunkt

bildet der auf einem Triumphwagen

thronende heilige Benedikt. Vertreter

der vier Weltteile ziehen das Gefahrt,

über dem. in Wolken, die heilige Drei?

faltigkeit erscheint. Der Slegeszug der

benediktinischen Ordensregel, darauf

deutet das geöffnete Buch, wird durch

die vorausschwebende Fama und den

nachfolgenden Chronas unterstrichen.

Ein Engel reflektiert mit einem Spiegel

das Licht dieser Lehre auf die Welt:

kugel, während etn van zwei Gartnerinrien

 gepflegter Baum iene Ins

signien als Früchte tragt, die dem

Orden im Laufe der Geschichte zuteil

wurden. Der irn Vordergrund ruhende

Papst weist auf ein Perganrient nriit dem

Schlangenkreis, als Ewigkeitssymbol.

das die Worte trag „Honori inagni

Patriarchae Benedicti." Diese zentrale

Darstellung umgeben inn Bildersaal vier

Frauengestalten als Sinnbilder CltFlSlr

licher Tugenden, ferner zwei Medaitlans

und sechs Grisailleszenen aus dem

Leben des Heiligen Benedikt.





Die aufgefundene Skizze bestätigt die

schon vorher getroffene Einordnung

des Deckengemaldes. Paul Troger stand

damals auf der Höhe seiner Erfolge.

Die großen Fresken in Atienburg.

Zvvettl. St. Palten, Röhrenbach und

Geras verkündeten bereits seinen

Ruhm. Zur gleichen Zelt. als er zum

zweiten Male in Nlelk tatig war. arbeitete

 er in trleiligenkreuzeGutenbrunn

 und in Gottweig an der KOtSEF

stiege, deren Fresko einen ähnlichen

Triurnphwagen für Apotheosc

Kaiser Karls VI. verwendet,

Rupert Feuchtmuller

eine

WIEN, NATIONALBIBLIOTHEK:

MEISTERWERKE

NIEDERLÄNDISSHER

BUCHMALEREI

Hinter diesem farblosen Titel verbarg

sich eine wichtige Ausstellung, deren

wahrer Sinn sich in der Bezeichnung

des in französischer Sprache erschienenen

 wissenschaftlichen Kataloges

offenbarte; sie lautet in der Übersetzung:

 ..Manuskripte und gedruckte

Bücher, die die Geschichte der Niederlande

 betreffen 7 1475-1600." Weshalb

 nun ein französischer Katalog?

Nun. diese Ausstellung war eine Heimkehrerin;

 die Brüsseler Bibliotheque

Royale hatte sie zum hundertfünfundzwanzigjöhrigen

 Bestandsjubiläum und

zur Zehnjahresfeier des österreichischbelgischen

 Kulturabkommens erbeten.

und in Brüssel war sie bei größtem

Publikumserfolg auch vom 5. Mai bis

8. Juli dieses Jahres zu sehen. In Wien

blieb sie im Prunksaal der NB bis

Mitte Oktober zugänglich.

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Die österreichisch-belgischen Beziehungen

 datieren seit 1477, dem Jahr der

nburgundischen Heirat" Kaiser Maximilians

 l. Der Habsburger trat damals

das glanzvolle. verpflichtende Erbe der

Burgunderherzöge an und führte es

in vollem Bewußtsein seiner historischen

Mission weiter: das bedeutete, daß u. a.

die llluminatoren. die für die Hofhaltung

 der .,Grands Ducs d'Occident"

t'a'tig waren, nunmehr in die Dienste

Maximilians traten und dementsprechend

 Themen und Persönlichkeiten

zu behandeln hatten, die mit dem

Herrscherhaus in innigster Verbindung

standen. Besonders anschaulich wird

das an der ergreifenden Gestalt der

Tochter Maximilians, Margarete von

Österreich, die als Staithalterin der

Niederlande große politische Leistungen

 vollbrachte. das Unglück ihres

Lebens (denken wir an ihre von politischer

 Rüson diktierten Heiraten

und schließlich an den Tod des so geliebten

 letzten Mannes. Philibert von

Savoyen) in Kunstwerke umzuschmelzen

 verstand 7 vor altern die Grabeskirche

 in Brou südlich von Dljon 7

und sogar selbst die Dichterfeder ergriff.



Die Gliederung in Unterabschnitte (Der

burgundische Hof. lnkunabeln niederländischer

 Drucker. Das schöne Buch

in den Niederlanden. Gebets- und

Andachtsbücher, .,Forteresse de la Foi".

Margarete v. Österreich7Karl V..

Aus belgischen Klosterbibliotheken,

Niederländische Künstler. Hugo Blatius

und Augerius Busbeke, Künstler vom

Ende des 16. Jahrhunderts, Goldenes

Vließ-Heraldik-Artillerie, Musik, Niederländische

 Gelehrte des 15.f'l6. Jh..

Handschriften zur Geschichte der

Niederlande und schließlich Werke des

Johannes Gielemans) verdeutlicht die

Breite der Ausstellung allein im Thematischen.

 In ihrer didaktischen Bedeutung

 kann sie gar nicht hoch genug

eingeschätzt werden, manifestiert sich

in ihr doch wieder einmal 7 und so

knapp nach dem großartigen Beitrag

der NB zur Ausstellung .,Urn1400" 7.

welch geistige Großmacht Österreich

war und noch ist. wenn es ihm beliebt.

die Schleusen seines kulturellen Besitzes

 zu öffnen.

Zu den llluminationen der Stundenbücher

 7 das wahrscheinlich bedeutendste

 ist das Rothschildsche 7 Gebetbücher.

 Chroniken, Legendensamm-3

 Paul Troger, Entwurf für das Fresko irf

Prälatensaal von Stift Melk
            
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