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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 68)

Die endgültige Übergabe des Landes Tirol an Rudolf den Stifter von

Österreich durch Margarethe Maultasch wurde am 29. September

1363 - also vor 600 Jahren - auf der Burg Tirol, der alten Residenz

der Landesfürsten, beurkundet.

Von der Burg, die seit Ende des 16. Jahrhunderts meist das „fürstliche

 Hauptschloß Tirol" genannt wird, stehen heute noch der Bergfrit

 und der Kapellentrakt, während das sogenannte „Mushaus", das den

Landesfürsten als Wohnung diente, infolge des schlechten Grundes,

auf dem es stand, seit dem 16. Jahrhundert immer mehr in die Tiefe

stürzte und 1641 fast ganz abgetragen werden mußtel).

Uns interessiert in diesem Zusammenhang aber der Kapellentrakt,

der durch den Burghof von der übrigen Burg getrennt, gegen das Tal

hinaus gebaut wurde. Die im 12. Jahrhundert erbaute, dem hl. Pankratius

 geweihte Doppelkapelle und der große, vor ihr liegende Saal

sind durch ihre beiden prächtigen romanischen Portale bekannt. Die Wände

 der Kapelle schmücken Wandgemälde, die unter der Regierung König

Heinrichs, des Vaters der Margarethe Maultasch, um 1320 geschaifen

wurden. Die Herzöge Leopold lll. und Albrecht III. von Österreich

stifteten dann um 1370 den Marienaltar, der als ältester erhaltener

Flügelaltar des Alpenraumes berühmt ist und voriges Jahr in der

Ausstellung „Europäische Kunst um 14-00" in Wien zu sehen war.

Heuer wird der Altar als glanzvolle Dokumentation der Vereinigung

Tirols mit Österreich in der Innsbrucker Hofburg gezeigt.

Das Untergerrbaß dieses Kapellen- und Saaltraktes, in das man vom

Burghof aus über einige Stufen hinabsteigt, diente höchstwahrscheinlich

 ursprünglich als landesfürstliche Grujt. Da aber Meinhard II.

von (iörz-Tirol 1284 die in Schloß Tirol beigesetzten Gebeine seiner

Vorfahren aus den Häusern Tirol und Görz-Tirol nach Vollendung

einer neuen landesfürstlichen Gruft im Zisterzienserstift Stams heben

und nach Nordtirol übertragen ließ, stand das Untergeschoß des

Tiroler Kapellentraktes für andere Verwendung frei 2).

Nun taucht in einem Inventar vom 10. Februar 1532, das anläßlich

der Übergabe des Schlosses Tirol an den Landeshauptmann an der

Etsch und Burggrafen zu Tirol, Leonhard Freiherrn von Vels, aufgestellt

 wird, das erstemal eine umfangreiche Sammlung von Gegenstanden

 auf, die in den sogenannten „Ternpeln" des Schlosses aufbewahrt

 wird 1). Dieses Inventar zeigt das bunte Gemisch der fürstlichen

Schatzkammern des Mittelalters, das neben kostbaren Stücken und Waffen

allerhand belangloses Zeug und auch absonderliche Stücke nennt, deren

Bedeutung uns heute nicht mehr verständlich ist. Da es sich aber dabei

um die Reste der ältesten Schatzkammer der Tiroler Landesfürsten

handelt, die, überstrahlt von der Pracht und dem Reichtum der

Ambraser Sammlung, vollkommen in Vergessenheit geraten ist, verdient

 sie als kulturhistorisch bedeutsames Dokument wenigstens auszugsweise

 veröffentlicht zu werden.

Im „undern templ" wird zunächst eine Reihe aus Maserholz gedrechselter

 Trinkgefäße angeführt, die in Truhen verwahrt sind4). Ihre

Fassung (Griffe, Fiiße und Beschlag) ist aus vergoldetem Silber

gearbeitet. Meistens sind es „Hadern köpff", die mit einem Deckel

(„luckh") geschlossen sind. Die interessantesten Trinkgefäße sind:

„. . . ain ßudern Kopf mit einen; uergulten fraß. ainer Ilffglllltll bandflmb

und auf dem lnrkb ain nergulle Crändl dar Inn S. johanr Enangelirf piltnuß

gerrbrnelrgt. ' '

„nin jiadern  mit nimm aurgexlarben rilbern vergullen fueß. ain uergulle

hundthah ainern Tnurn gleirh forrnierl daran Örterreirh gerrbrnelrgt."

„ain fiadern rrbnlen darrzue ain fuetteral. mit ainem vergriffen fmß, daran

ellizh rrergnll lzilder. Anal? dar Innen ain Roler nhilt rnil {wem Virrhen."

„ain jlazlern Sinai. dar Inn ain griener rrbilt. ain plaher rtricb dardurrh und

nin uergnlle Hannzllhab. ain n: und ain Crbndl darauf gerrhmelrzl."

Maserholzbecher zählten zu den ältesten mittelalterlichen Trinkgefäßen

 5). Das in der ersterwähnten Trinkschale beschriebene Wappen

ist jenes der Grafen von Piirt (- Ferette im Elsaß). Das Trinkgefäß

stammt somit von der 1351 verstorbenen Johanna von PHrt, der

Mutter Rudolf des Stifters und der Herzöge Leopold und Albrecht,

deren Stifterporträts wir an den Flügeln des Schloß Tiroler Altars

finden.

Ein weiteres Stück, das Beziehungen zum Haus Österreich aufweist,

wird im Übergangsprotokoll von 1532 wie folgt beschrieben:

„ain rrliwnrßge Jllllfl dar Innen ain wurrql m argfljerlgqg lojpaltrgrah_gewnrbren

roll rein."

Die Frage, welcher Herzog Leopold dabei gemeint ist, löst ein anderes,

1617 verfaßtes Inventar 5), in dem es heißt:

„ein pluelnb ra auf Hrrgug Leopald: Wahlrlal gwaxn rolle rein."

Damit ist eindeutig bestimmt, daß das Schlachtfeld von Sempach

gemeint ist, auf dem Leopold III. 1386 sein Leben ließ. Daß in Schloß

Tirol die Erinnerung an diesen Landesfürsten sehr gepflegt wurde,

geht auch daraus hervor, daß Herzog Friedrich (mit der leeren Tasche)

1433 „auf meins herrn vater Herzog leupolts jartag" in die Burgkapelle

einen goldenen Kelch mit zwei Patenen spendete7).

Groß ist die Zahl von Waffen aller Art, die in den Tempeln aufgehoben

wird. 102 Armbrüste mit Hornbögen und viele mit Krappen versehene

Gürtel, also Spannvorrichtungen, wie sie zu frühen Armbrüsten

verwendet wurden, müssen spätestens dem 15. Jahrhundert angehört

haben. Dazu gehören 21 „alt fränckhisch" Köcher. Mit den 23, mit

Leder bezogenen und mit Nägeln beschlagenen „Harnasch" dürften

noch Lendner des 14. Jahrhunderts gemeint sein und nicht spätere

Korazine, da an einer anderen Stelle des Inventars vermerkt ist, daß

dort fünf „correczin" an Stangen hängen. Auch etliche „alt harnasch",

Tartschen, Helmelin, ein moskowitischer Sattel und viele, teils vergoldete

 Sporen und 17 Fahnen waren teils in Truhen verwahrt, teils in

den Tempeln aufgehängt. Ein „messin Sporen" und ein „prust

plechl" waren mit einem Zettel versehen, der wohl einst deren

Bedeutung erklärte.

Rätselhaft ist, was für eine Bewandtnis es mit einem langen, groben,

weißen Hemd hatte, das beiderseits ein weißes Kreuz zeigte. Ebenso

sind es die 188 „Kreiden Kreuz", die in einer Truhe liegen. Unklar

ist schließlich, was unter dem „alt Tirol pannzer mitsambt seiner

zuegehör" gemeint sein kann, der 1532 allerdings nicht im Tempel,

sondern im Saal vor der Gesellenstube aufgehoben wird.

Das Inventar der Tempel von 1532 zählt noch viele andere Dinge auf.

Da manche Posten nur summarisch alte, große Truhen nennen, in

denen meist wiederum viele kleine Truhen liegen, ist es möglich, daß

diese andere wertvolle Gegenstände enthielten. Allerdings lautet eine

Eintragung: „Mer aindliiT groß und clain allt truhen. In etlichen alter

plunder."

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