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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 68)

DAS WIEDERBELEBTE MUSEUM

Seit dem Aufkommen des Musealwesens

 überhaupt sind die Bemühungen

nicht abgerissen. die Museen von Sammelstätten

 heimatlos gewordener Kunstwerke

 oder von Forschungsplätzen

für eine sehr kleine Anzahl von Fachgelehrten

 zu wirklich lebendigen Instituten

 umzuformen. in denen nicht

museale Stille. sondern fluktuierendes

Leben herrscht; die man besucht. nicht

weil es zum guten Ton gehört, sondern

 weil man sie braucht. Ein Museum

ist ein Ort der Konservierung -

kein Wunder. daß seine Administratoren

 und Gestalter eher dem konservativen

 als dem revolutionären

Menschentyp zuzurechnen sind. So

kam und kommt es. daß ein Großteil

der Museen der jeweiligen Gegenwart

ein wenig nachhinkt und daß das

Vergangene am Kunstwerk stärker

betont wird als das unveränderlich

Gegenwärtige der Strahlungskräfte der

in ihm gehüteten Qualitäten.

An einer Reihe sehr verschiedenartiger

Institute in sehr disparaten Teilen der

Kulturwelt konnten wir in letzter Zeit

beobachten, wie vielfältig die Bemühungen

 und Möglichkeiten sind. das

Museale am Museum zu überwinden.

- So sahen wir z. B. in der Dresdner

Gemäldegalerie eine eigene Dokumentationsabteilung.

 in der nicht nur

die Bergung der Musealbestände während

 des Krieges. ihre Überführung

in die Sowjetunion. ihre Restaurierung

 und Rückstellung genau belegt

wird. sondern in der man an Hand

vorzüglich gewählter Beispiele auch

die Alltagsarbeit des Museumsmannes

zu veranschaulichen trachtete. So zeigt

man in Dresden dokumentarische und

photographische Unterlagen. die sich

auf ein Gemälde von Francesco Francia

beziehen. das in der ersten Hälfte

des vorigen Jahrhunderts. da schwer

beschädigt. vollständig übermalt wurde

und um dessen Rettung und Wiedererstehung

 nunmehr schon einige Generationen

 von Restauratoren und

Kunsthistorikern zäh und unermüdlich

kämpfen.

Im Gebäude des Albertinums in Dresden.

 das als provisorisches Heim

der Antikensammlung. der Waffensammlung.

 des Numismatischen Kabinettes.

 eines Teiles der Porzellansammlung

 und vor allem der wesentlichsten

 Schätze des "Grünen Gewölbes"

 dient. hat man in den Schausälen

 Tafeln mit kurzen. leicht verstündlichen

 didaktischen Texten aufgestellt.

 die über die allgemeinen

kulturellen und wirtschaftlichen Zustände

 zum Zeitpunkt der Entstehung.

aber auch des Gesammeltwerdens

der Objekte berichten. Man erfährt

so von dem erstaunlichen Tausch.

den August der Starke mit dem Preußenkönig

 einging. indem er ihm gegen

einen Satz von etwa 30 Kanghsi-Vasen

 sechshundert Dragoner aus-GEBURTSTAGE



Am 19. 11. 1962 wurde Dr. Viktar Grießrnater.

 der Direktor des Österreichischen

Museums für angewandte Kunst. 60 Jahre att.

Grießmater. ein Fachmann auf dem Gebiet

der ostasiatischen Kunst. hat zahlreiche

wissenschaftliche Beitrage zur Kunst Chinas

und Japans veröffentlicht. Uber Einladung

des japanischen Außenministeriums trai er

vor kurzem eine vierwöchige lntarrnaiiansreise

 nach Japan an.

Am 10. 2. tseging Unim-Prof. Dr. Fritz Novotrty.

 Direktor der Österreichischen Galerie.

seinen 60. Geburtstag. Novotny hat sich

lieferte und wir lernen. daß das

Prunkkaffeeservice dieses barockesten

aller Fürsten, ein Hauptwerk von

J. M. Dinglinger, annähernd so viel

kostete als die Unterbringung. Ernährung

 und Ausbildung der Garnison

von Känigstein (mehrere hundert Soldaten

 plus Nebenpersonal!) für ein

ganzes Jahr. Solche Angaben regen

die Vorstellungskraft der Besucher

an. entziehen die Objekte dem geistigen

Spiritus. in den sie gehängt erscheinen.

und rücken sie wieder in die ursprünglichen.

 lebendigen Zusammenhänge.

Machen wir aus dem volksdemokratischen

 Osten einen Sprung in das so

ganz anders geartete London.

Den sympathischesten. liebenswürdigsten

 Versuch der Verlebendigung des

Museums konnten wir erst in einem

an sich scheußlichen Arbeiterviertel

erleben. dem Stadtteil Shoreditch nämlich.

 der das Hauptzentrum der eng-Iischen

 Möbelindustrie ist. Dort begründete

 zu Anfang des 18. Jahrhunderts

 Sir Robert Geffrye. mehrfacher

Bürgermeister von London und Vorsteher

 der Zunft der Eisenhändler.

ein Altersheim. dessen Gebäude heute

noch bestehen. Das Heim selbst wurde

zu Anfang dieses Jahrhunderts aus

London wegverlegt. in die Gebäude

aber zog ein kleines. von der Gemeinde

Groß-London (London County Council)

begründetes Möbelmuseum ein. das

versucht. den spezifischen lokalen Bedürfnissen

 gerecht zu werden. Hier

gibt es Periodenräume. die allerdings

nicht mit Mobiliar. respektive Kunstund

 Gebrauchsgegenstönden der

Spitzenklasse eingerichtet sind. sondern

 zeigen. wie der .,kleine" und

"mittlere" Mann im Verlaufder Zeiten

lebte. Was das kleine Museum aber

so faszinierend macht. ist die Koppelung

 mit dem Kindergarten- und

Schulbetrieb: Hunderte von Kindern

treiben sich dort einzeln oder in

wohlbehüteten Gruppen herum. bekommen

 Vorlagen mit Umrißzeichnungen

 van Exponaten. die sie färbig

vollkritzeln können. erhalten Taschenund

 Notizbücher zum Geschenk.

in denen sie ihre Wahrnehmungen

festhalten 4 vor allem aber stehen

ihnen Bastelwerkstätten zur Verfügung.

 in denen sie die Grundlagen

des Schreinerns. Töpferns oder Webens

spielend erlernen können. So manche

geplagte Mutter. die ihre Kinder der

Obhut dieses ..Kindergartenmuseums"

anvertraut. ist sich gar nicht der Tatsache

 bewußt. welch wichtigen Beitrag

 zur allgemeinen kulturellen Erziehung

 sie damit leistet.

Man sollte annehmen. daß die Anregung.

 die das Geffrye-Museum vermittelt,

 gerade in Wien mit seiner um

die Valksbildung so ehrlich bemühten

Gemeindeverwaltung auf fruchtbaren

Boden fallen könnte. Und unseren

großen. weltberühmten Museen sollte

es auf ein paarSchrifttafeln mehreigentlich

 auch nicht ankommen.

vor allem durch seine Forschungen über

die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts

einen internationalen Namen gemacht. Er

gilt ais einer der besten Kenner des Werkes

von Cezanne. rur die Pelican Hislory dt

Art steuerte er den Band ..Painting and

Sculpture in Europe. 1790-1280" bei.

Am 2a. 2. wurde der Bildhauer GuStlftuS

Ambrosi 70 Jahre alt. Ambrosi gehürt zu

den profiliertesten und umstrittensten Künstlerpersonlichkeiten

 Osterreichs. sein Werk

wird ebenso _unter- wie überschätzt. Leidenschaftlicher

 Uberschwang. melodramatisches

Pathos. extremes handwerkliches Können

und völliger Mangel an Selbstkritik und

-zuchl kennzeichnen sein ebenso überwältigendes

 wie erschreckend fruchtbares Schafen.



KLEINE NACHRICHTEN

Salzburg: internationale Sammerakodemie

für bildende Kunst. Sammarkurse 1963,

17. Juli bis 17. August.

Oskar Kokaschko und Friedrich Welz begründeten

 1953 auf der Feste Hohensalzburg die

"Schule des Sehens": was vor einem Jahrzehnt

ein wahrhaft mutiges Experiment mitdurchaus

problematischen Uberlebenschancen war. hat

sich in der Zwischenzeit zu einem blühenden

Institut entwickelt. das sich eines immer

größeren Zulaufes erfreut. Die künstlerische

Gesamtleitung liegt in den Händen von

Oskar Kokoschka. die Malklasse wird von

den Malern Rudolf Kortakraks. Michael

Pelikan, William Thomson. K. H. Wich und

Santuzza Colt geleitet. Zu Lehrern der Bildhauerklosse

 wurden der Wiener Alfred

Hrdlicko und der in Mailand und London

lebende Giacomo Baragli berufen. (Wir

gratulieren Hrdlicka zu diesem wohlverdienten

 moralischen Erfolgt) Andreas Rathe.

Florenz. leitet die Klasse für Maltechnik.

Slavi Soucek (Assistent: Werner Otte) steht

wie schon in den Vorjahren der Lithographieklasse

 vor. Friedrich Welz ist es gelungen.

nunmehr auch Roland Rainer für die Akademie

 zu gewinnen. Seine Architekturklasse

wird sich mit dem Thema: Studien für eine

Universität in der Satzburger Landschaft

auseinandersetzen. Für billige Unterkunft.

Verpflegung. ärztliche Betreuung usw. ist

gesorgt. Zuschriften von Interessenten sind

an das Postfach 56. Salzburg l. lu richten.

lm Sommer im Museum des XXJahrttunderts:

"Idole und Dämonen". Das Museum des

XX. Jahrhunderts wird während der Sommermanate

 eine Ausstellung unter dem Titel

nldole und Dämonen" zeigen.

Diese Schau versucht. einen bestimmten

Aspekt der modernen Kunst ans Licht zu

rücken: die Wiedererweckung mythischer

Vorstellung. die Suche nach magischen Ausdrucksformen

 und die Dämonisierung von

Mensch und Welt.

Die Meister des Expressionismus. der Phantastik

 und des Surrealismus werden im

Zentrum dieser Schau stehen. Es ist an

Werkgruopen von Nolde. Beckmann. Max

Ernst und Miro gedacht.

Auch Klee und Picasso sollen umfangreich

gezeigt werden.

Uffizien erhielten Gemälde zurück. In Nummer

 67 unserer Zeitschrift konnten wir

kurz über die Auffindung und Rückstellung

von Gemälden berichten. die im Zuge der

Kriegshandlungen aus dem Bestande der

Ufüzien in Florenz verschwunden und in

Pasadena. Kalifornien. wieder aufgetaucht

waren. wo sie ein ungarischer Gemälderestaurator

 wiedererkannt hatte: ein ehemaliger

 Angehöriger der deutschen Wehrmacht.

 der 1950 in die USA ausgewandert

war. hatte die Gemälde einer bei einem

Verlagerungstransporl vom LKW gestürzten

Kiste entnommen und wollte sie nunmehr

in seiner neuen Heimat an den Mann bringen.

Auf Grund der Angaben dieses Mannes 7

sein Name ist Josef Meindl w war es möglich.

in Deutschland selbst auf weitere Bilder aus

dieser ominösen Kiste zu stoßen. Sie waren

in einem Kleiderschrank aufbewahrt und

ihr Besitzer hatte keine Ahnung von ihrem

Wert. Es handelte sich u. a. um ein Selbstbildnis

 von Lorenzo Credi. eine Kreuzobnahme

 van Bronzino und ein "Gleichnis

vom Weinberg" von Domenico Fetti. Arn

13. Februar dieses Jahres traten die Bilder

die Rückreise in ihre Heimat an. Ihrem

"Verwahrer" erstanden keinerlei Schwierigkeiten

 mil den Behörden. da seine Tat

bereits verjährt war.

Ein Kokaxchko für Bremen. Die Tabakwarenfirrrta

 Brinkmann feierte das Jubiläum

ihres hundertfünfzigjährtgen Bestehens auf

besonders noble Weise; sie stiftete zwei

Millionen DM (l) für ihre Belegschaft und verschiedene

 karitative und kulturelle Zwecke.

Aus diesem Fonds wurde u. a. ein Gemälde

des nunmehr siebenundstebzigidhrigen Meisters

 Oskar Kokoschka. darstellend den

Marktplatz der Hansestadt Bremen. bestellt

und der Bremer Kunsthalle zum Geschenk

gemacht. Das Bild wird als "freizügig.

phantasievoll komponiert und van lebhafter

Farbigkeit" beschrieben.

Noch Paris kehrte Mitte März die Mdna Lisa

nach elfwöchigem Aufenthalt in den Vereinigten

 Staaten heim. Leonardos weltberühmtes

 Gemälde war in der National

Gallerv. Washington. und dem Metropolitan

Museum. New York. ausgestellt und wurde

von über anderthalb Millionen Amerikanern

besichtigt.

Arn 2. a. konnte der Bildhauer Edmund

Moiret in Wien den so. Geburtstag begehen.

Moiret Stammt aus Budapest und trat auch

als Lyriker und Textdichter von Oratorien

tiervdr.

Am 1. a. vollendete der akademische Bildhauer

 Prof. Erwin Grienauer das so. Lebensjahr.

 Der Künstler ISt sowohl ats Großplastiker

wie als Medatlleur tatig. Zu seinen Werken

zatiit das Verkündigungsrelief am Tabernakel

 des Wiener Neustädter oamss. auch

zahlreiche Münzbilder unseres Silbergeldes

wurden van ihm geschaffen.

Am 24. a. feierte der Bildhauer Maria

Petrucci. Etn gebürtiger Ferrarese. seinen

70. Geburtstag. Petrucci lebt seit seiner

Kindheit in Wien und schuf zahlreiche

Denkmäler.

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