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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

nen Realismus auf dem Gebiet der Malerei, schrieb im Jahre 1862

in der Zeitung Narodni listy, daß uns für die Entwicklung der bildenden

Kunst „die hauptsächlichsten und wichtigsten Bedingungen, nämlich

die Lehrmittel, fehlen. Dresden rühmt sich seiner weltbekannten

Gemäldegalerie. München seiner Pinakothek, wir haben nichts...

das war allerdings nicht immer so. Fahren Sie nach Dresden und in

der dortigen Gemäldegalerie finden Sie ungefähr ZOO Bilder der hervorragendsten

 italienischen, niederländischen und anderer Künstler,

die aus Prag nach Dresden gebracht wurden. Fahren Sie nach Wien,

und Sie werden im Belvedere genügend Bilder finden, die ursprünglich

auch die Prager Galerien zierten, ja auch in Stockholm stoßen Sie auf

Kunstwerke aus den Prager Galerien. Diese hat ein siegreicher Räuber

verschleppt, jene wurden von weiß Gott wem und wofür ins Ausland

verkauft und der Rest übersiedelte nun auf höheren Befehl nach Wien -

die Zentralisierung bezieht sich doch auch auf die Kunst."

Die Bemühung, sich mit dem Verlust der Burggalerie auseinanderzusetzen,

 äußerte sich später in einer Neueinschätzung der rudoliinischen

Kunst und Sammlungen auf der Ausstellung „Kunst und Künstler

am Hofe Rudolfs 11.", die im Jahre 1912 stattfand, und auch in den

Publikationen, die dieses Unternehmen begleiteten. Deshalb wurde

nach der Entstehung des selbständigen Staates ein - natürlich vergeblicher

 i Versuch gemacht, Bilder aus der ehemaligen Galerie der

Prager Burg zurückzuerhalten.

Das Bedürfnis, sich mit den schmerzlichen Verlusten abzuiinden,

blieb auch später lebendig. Es gab die Anregung zur Ausstellung,

die im Jahre 1937 vom Museum der Hauptstadt Prag und dem Archiv

der Prager Burg zum Thema „Die Sammlungen Rudolfs ll. - ein

Versuch ihrer ldentiHzierung" veranstaltet wurde. In Photographien

von Bildern, die sich in verschiedenen Galerien der Welt behnden,

wurde andeutungsweise der ehemalige künstlerische Reichtum der

Prager Burg in Erinnerung gerufen.

Die Annahme, die auch diese Ausstellung begleitete, nämlich daß

alles einst in der Burg Verwahrte entfernt, verkauft und geplündert

worden war, wurde zu einem unsichtbaren Wall, an dem alle Versuche,

 das auf der Burg noch Übriggebliebene gründlich zu durchforschen,

 scheiterten oder wenigstens hinausgeschoben wurden. ln

der Vereinigung bildender Künstler „Manes" fnßte zwar kurz vor der

Okkupation der Gedanke Fuß, eine Ausstellung aus den Bildern der

Prager Burg zu veranstalten und bei dieser Gelegenheit eine neuerliche

Wertung dessen durchzuführen, was erhalten geblieben war. Dieser

Gedanke wurde jedoch weder realisiert noch fachgemäß vorbereitet.

Die Tatsache, daß diese Bilder weder der breiten noch der fachlichen

Öffentlichkeit zugänglich, daß sie in den verschiedensten Räumen

verstreut waren, erschwerte natürlich jedwede Sichtung erheblich.

Nach dem Jahre 1918 widmete man auf der Burg das gesamte Sammlerinteresse

 der tschechischen Malerei des 19. Jahrhunderts - ein Beweis

dafür ist der verdienstvolle Artikel und später das Buch V. V. Stechs

aus dem Jahre 1950 -, während die alten Bilder damals nur als Dokument

 der Habsburgerzeit betrachtet Wurden. Erst die gegenwärtige

großangelegte Aktion, die Prager Burg und ihre Dcnkwürdigkeit

voll und ganz dem Volk zugänglich zu machen, regte weitere Arbeiten

an und ermöglichte, daß die bisherigen kunsthistorischen Forschungsarbeiten,

 die das Institut der Tschechoslowakischen Akademie der

Wissenschaften für Theorie und Geschichte der Kunst schon einige

Jahre lang vor allem auf dem Gebiet der Architektur durchführt, auch

auf die Reste der alten Bildergalerie auf der Burg ausgedehnt wurden.

Die Resultate der Untersuchungen, die heute, im Anfangsstadium der

Arbeit, vorgelegt werden können, sind überraschend. Die Prager

Burg hat sich bis zum heutigen Tag eine bedeutende Anzahl von

Werken der bedeutendsten Meister im Weltmaßstab erhalten, die noch

immer für den Charakter, die Richtung und das Niveau ihrer ehemaligen

 ausgezeichneten Sammlungen spricht, vor allem der seit der

zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstandenen großen Galerie.

Die neu entdeckte Kollektion bereichert in bedeutendster Weise unseren

 nationalen Kulturbesitz durch Werke großer Persönlichkeiten

und Malerschulen, die in unseren Bildergalerien bisher fehlten oder

ungenügend waren. Dies gilt insbesonders für die ausgezeichneten

Exemplare der italienischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts,

die den wichtigsten Bestandteil der Burggalerie bilden. Das bezieht

sich jedoch in geringerem Maße auch auf andere europäische Schulen,

insbesondere auf die llämische Malerei.

Die Entdeckung ist nicht zufällig; sie wurde durch systematisches

Studium der europäischen und einheimischen Malerei in unseren und

ausländischen Sammlungen vorbereitet. Den Weg zu ihr wiesen einige
            
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