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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

oberen Gesims (auf dem die graue Marmorplatte ruht): Kante i

Mahagoni, Hohlkehle 4 Rose, kleiner Stab ; Mahagoni. Die Laden

selbst sind aus Eichenholz, wobei der Boden auf Nut und Feder eingeschoben

 ist. Die Ladenfächer (also der lnnenbau der Frieszone)

und die Deckplatte des Möbels (auf Rahmen und Füllung konstruiert)

bestehen jedoch aus Weichholz (nur der äußere Weichholzrahmen ist

von dem eichenen Blindhnlz des furnierten Abschlußgesimses eingefaßt).

 Diese Feststellung ist deshalb wichtig, weil oft die Meinung

vertreten wird, Roentgen habe für den Möbelbau durchwegs Eichenholz

verwendet, wie das von den führenden Ebenisten des Louis-Seize in

Paris sehr oft, in England stets praktiziert wurde. Bei Neuwieder

Möbeln ist die Eichenholzkonstruktion keineswegs die Regel. Selbst

bei einem so außergewöhnlichen Prunkstück wie dem großen Sekretär

für den Prinzen Karl von Lothringen (im Österreichischen Museum

für angewandte Kunst, Wien) sind Teile der Einbauten des Kastene

raumes aus Weichholz. Hingegen wurde für den Außenbau, für die

furnierten oder mit Marketerie ausgestatteten Wände der Möbel

stets Eichenholz als Kern verwendet, das vielfach innen gegenfurniert

war, um das Arbeiten des Holzes zu vermeiden.

Nach Öffnen der Schreibplatte wird die Inneneinrichtung des Sekretärs

mit den verschiedenen Laden und Fächern sichtbar (Abb. 7). Hier hat

das Furnier noch die leuchtende Farbe des Rosenholzes behalten, mit

dem sämtliche Ladenftonten furniert sind. Hell heben sich dagegen die

grün gefärbten Ahornfurniere des Ladengerüstes ab, und dunkel kontrastiert

 dagegen die Bogeneinfassung der Mittelnische aus braunem Wurv

zelahornfurnier, in die wieder dünne, grün gefärbte Linien intarsiert sind.

Glänzende Akzente geben dem Ganzen die sehr zart und elegant

geformten vergoldeten Ladengriffe und die gleichfalls vergoldeten

Kapitelle, Basen und der Schlußstein des Mittelbogens (Hache Messingplättchen).

 Schicht man den jalousieverschluß aus grauen und grünen

Ahornstreifen zur Seite, wird eine Nische mit sechs kleinen rosenholzfurnierten

 Lädchen sichtbar. Der Sekretäreinbau besteht bei den

obersten fünf Fächern und dem untersten aus massivem Kirschhnlz,

während der Einsatz für die dazwischen befindlichen zwölf Laden

und diese selbst aus Eiche sind. (ln allen Laden sind alte geschmiedete

Nägel, die die Leisten halten). Für die Inneneinrichtung des Mittelfaches

 wurde wieder Kirschholz verwendet.

Alle intarsierten Teile, Schreibplatte, Türen und Häupter sind im Kern

aus Eichenholz und an der lnnenHäche gegenfurniert; die Häupter mit

Kirschholz, die Türen auch an den Kanten mit Ricgelahorn, ebenso

die Verschlußplatte des Sekretärs an der Einfassung der Schreibe

unterlage und den Kanten. Durch dieses „Sperren" vermieden die

erfahrenen Handwerker der Neuwieder Werkstatt das Reißen des

Kernholzes und der Furniere.

Sehr bezeichnend für die Neuwieder Spezialität, Möbel vielfach verwendbar

 zu gestalten und mit Geheimfächern zu versehen, ist die

Ausstattung des unteren Kastenteiles (Abb. 7). Sie besteht aus einem

Fach und zwei darunter liegenden hohen Laden. Zieht man die Lade

heraus, so ist sie nach oben mit einem Jalousieverschluß (grünes und

graues Ahornholz) abgedeckt. Nach dessen ÖlTnung wird ein verhältnismäßig

 so seichter Nutzraum sichtbar, daß die Vermutung naheliegt,

es rnüßten sich darunter Geheimfächer befinden. Dies ist auch tatsächlich

 der Fall. Doch erhält man erst dann Zugang, wenn man die

Ladenfront nach oben herauszieht. Nun kann das erste Geheimfach



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