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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 69)

zeigt. Der Florentiner Maler war 1260 als Kriegsgefangener nach Siena

gekommen, wo er einige Jahre arbeitete. Zu nennen ist vor allem die

(durch spätere Übermalung veränderte) sogenannte „Madonna del

Bordone" in der Kirche S. Maria dei Servi in Siena. Dieses Bild soll

eine (nicht mehr erhaltene) Signatur „MCCLXI Copus de Florentia me

pinxit" getragen haben (Coletti). Eine zweite ähnliche Arbeit Coppos

ist die thronende Madonna in der Servikirche zu ()rvieto, wobei die

eigentliche Figur und das Kind der vorigen fast spiegelbildlich gleich

sind. Die beiden Kronen auf diesen Bildern (übrigens nach Felicetti-Liebenfels,

 S. 60, später aufgemalt) sind eindeutig das Vorbild der

Krone am Oberrande unserer Ätzung; dazu kommt noch, daß bei der

Madonna von Siena die Krone trotz des geneigten Hauptes vollkommen

waagrecht liegt (bei jener von Orvieto ist sie geneigt). Die Faltenstreifen

 wiederum erinnern stark an die von der Rückenlehne des

Thrones der Madonna von Orvieto.

Daß unser Bild nicht einfach eine Kopie der beiden genannten Vergleichsbilder

 ist, geht ja schon daraus hervor, daß die Jungfrau kein

Kind hält. Der Verfertiger muß aber doch solche Vorbilder vor Augen

gehabt haben und hat seine Darstellung, sei es von einem ähnlichen,

nicht mehr erhaltenen genommen, sei es aus mehreren kombiniert

und dabei wohl auch Einzelheiten mißverstanden, was ja bei Übertragungen

 in eine andere Technik vorkommen kann.

Die Schrift. War es nun schon klar, daß sowohl der Text als die vermutlichen

 Bildvorlagen weitaus alter sind als die Entstehungszeit

unseres Stückes, so blieb als letztes Zeitkriterium die Schrift. Leider

liegen für die in Frage kommenden Jahrhunderte des spätesten Mittelalters

 noch wenig zusammenfassende Paläographien vor. Herr Prof.

Dr. Fichtenau zeigte mir eine Reihe von vergleichbaren Schriften.

Seiner Meinung nach ist die Kursivschrift des Textes als eine „Bastarde"

vermutlich des 15. Jahrhunderts anzusprechen, wofür z. B. die geradezu

an Integralzeichen erinnernde Form der langen s mit ihren Unterlängen,

 die offenen Schlingen der g und andere Merkmale sprechen.

Auf alle Fälle aber ist die Schrift unvergleichlich altertümlicher als

alles, was wir auf den bisher bekannten Steinätzungen sehen.

Vnlkrleulzdlirlle Belnzrbluzzkg. Eine weitere Spur wurde dahin ve

ob nicht zwischen dem weißen Stein mit der Mariendarstellun

gewissen uralten volkstümlichen Vorstellungen von der Milt

Jungfrau Maria ein Zusammenhang bestehen könne. Schon

Antike (z. B. bei Galenus) galt ein weißer „Milchstein" (Galt

als ein Mittel zur verstärkten Milchbildung bei Frauen und bei lN

tieren. Sehr früh erfolgte die Umdeutung solcher weißer Steini

Erclarten zur heilkräftigen Milch der Jungfrau Maria. Aus l

Glauben heraus entstanden sehr viele Reliquien von einer ang

vergossenen Marienmilch, die als Heilmittel gegen zu geringe

bildung und auch gegen Augenkrankheiten dienen sollten. F. dt

hat sehr viele einschlägige Literaturstellen zusammengetragen.

richtet auch, claß die Ritenkongregation im Jahre 1603 die Bezeic

als Reste vergossener Milch Mariens dahin verbesserte, daß c

um eine Erdprobe der Gegend, in welcher Maria ihr Kind

(also die Grotte von Betlehem), handle („de terra uhi lactavit B.

Maria Filium suum Jesum Christum"). Auf diese XXieise wurd

bisher als besonders wertvolle Reliquien geltenden Stücke zu l

XlCallfahrerandenken aus dem Heiligen Lande abgewertetl). ÜE

wurde der Milchstein nicht nur von dort bezogen, sondern dil

bei Mely zitierten Autoren (z. B. Boetius) sprechen von v

anderen Fundorten aus den verschiedensten Ländern. Der (

an die Heilwirkung auffällig weißer Steine und Erden hat si

bäuerlichen Biederglauben erhalten. So gilt (nach Grosz) eine

kalkmilchartige Ausscheidung in der Potocnikhöhle in der Us

(Karawanken) als „Marienmilch" (Marijsko mleko) als Arzne

für Mensch und Tier; in anderen Alpengegenden wird eine äl

kreidige Kalkablagerung als „Nix" (nihilum album) für ein

gegen Augenkrankheiten gehalten. Es ließ sich kein Anhalt:

dafür finden, daß unser Marienanhänger aus weißem Marm

Wallfahrtsandenken aus Palästina stamme (wo ein derartiger

Marmor gar nicht vorkommt). Freilich ktünnen wir keinerle

mutungen darüber anstellen, welche Wirkung ihm frommer (

zugeschrieben haben mag.


            
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