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Full text: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 71)

Die Vergoldung des Altars wurde in der dritten und zugleich letzten 
liauperiodcguin das Jahr 1517, durchgeführt. ln diesent Jahre widmete 
die läruderschaft (Iurpus (lhristi 40 (iulden „czw hiltl" und ste der 
thoftl des heiligen herrn Sancri Jacobi", die der Kirchenvater Melchior 
Älesslngschläger, auch Pulierer genannt, zur Deckung der Kosten der 
Pohchromie des Altars luenützte-l"). lm Jahre 1518 war dann der Altar 
vollständig fertig und diente bereits seinen sakralen ZweckenV). 
Was den Schöpfer des Altars anbelangt, sind die historischen Quellen 
sehr karg, trotzdem bieten sie die lNliäglichkeit, durch ihre richtige 
Auslegung und durch Einschaltung einiger neu entdeckten Halte- 
punkte ein klares Licht auf sein Leben und Werk zu werfen. 
Wie bereits erwähnt, erscheint sein Name am Grabstein der Familie 
lfrbanrwwitz. Aus dieser (Irabschrift geht hervor, daß Meister Paul in 
Leutschau lebte, verheiratet war, daß er eine verehelichte Tochter 
namens Margarete hatte und daß die Nachfahrenschaft sein Andenken 
ehrte. Die (irabschrift gestattet es jedoch nicht, die Lebensgrenzen 
Pauls und damit die Schopfungszeit des Leutschauer Hauptaltars 
auch nur ungefähr zu bestimmen. 
Dies ermiäglichen andere Quellen. Als erste dient das Protokoll der 
Bruderschaft Corpus Christi 3x), nach der Meister Paul im Jahre 1515 
in den Vorstand dieser Bruderschaft gewählt wurde. Als zweite ein 
Brief des Leutschauer Walers Theophil Stanezel 3") aus dem Jahre 1523, 
in welchem Meister Paul erwähnt wirdw). Die dritte Quelle bietet 
die Chronik von Caspar Hain, laut welcher Meister Paul im Jahre 1525 
in der Liste der Ratsherrn verzeichnet ist. Zu guter Letzt kann man noch 
auf eine Steuerliste der Leutschauer Bürger aus dem Jahre 1542 hin- 
weisen, in welcher die „Wittwe Paul Sehnicczer" angeführt wird; 
sie wohnte im besten Stadtviertel und wurde nach einem beträchtlichen 
Vermögen") besteuert. 
Aus all diesen Daten geht klar hervor, daß Meister Paul zwischen den 
Jahren 1515 und 1525 in Iieutschau öffentlich tätig war und 1542 nicht 
mehr lebte. Das Meisterzeichen, welches bei der Restaurierung des 
Altars gefunden wurde, kann, aber muß nicht sein Zeichen sein. 
Das ist im großen ganzen alles, was über Pauls Leben festgestellt 
werden konnte. Aus der Tatsache aber, daß Veister Paul der einzige 
zu seiner Zeit in den Quellen in Leutschau erwähnte Bildhauer war, 
daß er dort eine ziemende gesellschaftliche Stellung innehatte, geehrt 
und vermögend war, sowie aus der Grabschrift des Martin Urbanuwitz, 
die zugleich auch ihm ein Denkmal setzt, kann man den begründeten 
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