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Full text: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 74)

gehenden Augenblick fest. Selbst das Stilleben 
und Blumenstück fügen sich ganz diesem 
Schema ein. 
Auch in der österreichischen, bzw. der Wiener 
Malerei des Vorrnärz läßt sich die Freude an 
der wahren Landschaft und echten Natur 
erkennen. Die soziale innere Umgruppierung 
unter Maria Theresia und Joseph ll. harte nicht 
nur zu einer Verbürgerlichung des Hofes 
geführt. sondern auch eine Ymschichtung der 
Käufer und Auftraggeber mit sich gebracht. 
ln Zusammenhang damit steht auch, daß sich 
auf Grund barocker Kompositions- und Farbe 
tradition unter der Schulung der holländischen 
Kunst des 17. Jahrhunderts eine Malerei 
entwickelte, deren Hauptthemen aus dem 
Leben der bürgerlichen Schichten, ihrer Freude 
am Fest- und Alltag, Bildnis und an der Land- 
schaft genommen waren. „Doch da man nicht 
den eigenen Sinnen allein traute, sah man die 
Natur mit den Augen der alten Holländer, 
die dazu dienen mußten, neues Streben zu 
rechtfertigen und somit das Sprungbrett zum 
jungen Realismus bildeten K." Worin sich die 
beiden Richtungen aber unterscheiden, ist die 
Ehrlichkeit, mit der das 17. Jahrhundert auch 
das Haßliche und Schmutzige, das Derbe, ja 
sogar Obsziine, wiedergegeben hat, ohne es 
zu bcschönigen. Das 19. Jahrhundert ver- 
nachlässigte außerdem vorerst die starke 
Tiefengliederung der Holländer, vermeidet die 
„überall Wohlaufgeräunithcit und das blank- 
geputzte Ordentliche vor)". So war das 
17. Jahrhundert dem neuen Realismus in 
koloristischer Hinsicht und der Wiedergabe 
des Atmosphärischen überlegen. Das ver- 
hältnismäßig geringe Interesse am lnhalt des 
Vorxvurfes, die kühle Objektivität der Nieder- 
länder wurde von erzählerischen Momenten, 
dem betont (iefühlvnllen und Gemütlichen, 
ja sogar Sentimentalen iiberwuchert. lßnd 
wenn wir auch wissen, daß Waldmüller oder 
(iauermann I" nach den holländischen Kleister- 
werken auch der Akademiegalerie kopiert 
haben, so achteten sie dabei wohl mehr auf 
das technische Können und die sachliche 
Objektivität der alten Meister als auf den 
Schein der Wirklichkeit, haben aber doch die 
Lichtmalerei der modernen Zeit maßgeblich 
vorbereitet. 
Diese Einblicke, die heute klar erfaßbar und 
auch durch das (Jcgenüberstellen leicht beleg- 
bar sind, waren zur Zeit des (ärafen Lamberg- 
Sprinzenstein wohl nur in ihren Anfängen 
vorhanden. Aber zu allen Zeiten sucht der 
empfängliche Beschauer, vor allem aber der 
Sammler, Beziehungen zwischen dem Kunst- 
werk und sich selbst und seiner Zeit berzue 
stellen. L'nd so hat auch (iraf Lamberg- 
Sprinzenstein, weil er -- so wie heute noch 
eine große Zahl von Sammlern 7 nicht 
„AvantgardisW sein wollte, zusammengetra- 
 
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