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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 76)

Wenn es sich bei der Biennale moderner Kunst von Venedig auch um eine internationale

 Manifestation handelt. so dürfen wir doch nicht vergessen, daß sie auf

italienischem Boden stattfindet und deshalb auch auf ihr die jeweilige Situation

in der bildenden Kunst dieses Landes reflektiert wird. Schon seit der XXIX. Biennale

im Jahre 1958 konnte der überhandnehmende Einfluß des potentiellen Kunsthandels

festgestellt werden, eine Erscheinung, welcher der eigentlichen Aufgabe dieser

Einrichtung widerspricht. Diese bestünde nämlich in einem aktuellen Kunstgesprüch,

in dem an Hand der markantesten Beispiele aufgezeigt werden soll, welche Probleme

in den jeweils abgelaufenen beiden Jahren die Künstler in aller Welt beschäftigten.

Würden sich die Dinge auch tatsächlich so verhalten, wäre es den einzelnen Nationen

nicht schwer. ihren rechten Beitrag zu finden. Dazu könnten drei Wege beschritten

werden: 1. jener der Ehrung eines Künstlers, der bereits auf ein reifes Lebenswerk

zurückblicken darf; 2. jener im Sinne einer Mission. die man der Kunst seines

Landes zumutet (dazu sind jedoch die Voraussetzungen notwendig): 3. nach vorhergehender

 sorgfältiger Sondierung der aktuellen Situation jene Auswahl zu

treffen. durch welche auch der beste Beitrag aus dem jeweiligen Lande zu der

oben erwähnten Diskussion geleistet werden kann.

Die XXXII. Biennale dieses Jahres bot jedoch dafür nur geringe Voraussetzungen.

Auf ihr wurden die Ergebnisse von Kompromissen und kommandierte Meinungen

von Kommissionen zum Ausdruck gebracht. soweit sich nicht der Kunsthandel

breitgemacht hatte. Die Pavillons der USA und der UdSSR sind dafür die eklatantesten

 Beispiele.

Den Vereinigten Staaten genügte nicht mehr ihr Pavillon aufdem Biennale-Gelünde.

um die reiche Produktion ihrer „Pop-art" zu zeigen. mit der ihr Kunsthandel

gegenwärtig den Weltkunstmarkt zu erobern versucht. Es mußten außerdem noch

die Räume des ehemaligen amerikanischen Konsulats am Canale Grande herhalten.

Bis 1962 waren die USA noch die beste Kundschaft der europäischen Kunsthöndler.

Dann erfunden sie ihre eigene "Populär-Kunst". ein durch wiederholte Aufgüsse

geschwächter "Neo-Dada". War der echte Dadaismus eine tatsächliche Protestkunst.

 so handelt es sich bei den Herstellern der ..Pap-art" um Gentlemens, denen

WALTER ZETTL XXXII. Biennale von Venedig: Dilemma der Modernen Kunst


            
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