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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 78)

Materialien zusammenwirken. Die 
schon erwähnte grosse Spiegel- 
scheibe, mit ihrem interessanten 
Durchblick nach dem Musiksalon, 
ist in einen ansehnlichen Rund- 
bogen aus Stuckmarrnor (egypti- 
sche Sorte) gefasst. Als Bekrönung 
dient diesem Bogen die von der 
Jubelausstellung her bekannte 
Gruppe der drei Crrazien (von 
Stephan Schwartz) auf einer von 
zweiDelphinen begleiteten Muschel. 
Die mittlere steht mit dem Rücken 
heraus und legt die beiden Hände 
auf die Schultern ihrer Schwestern. 
Die Köpfe neigen sich seitwärts 
auseinander, wie volle Rosen in 
einem Strauss. Die Bogenfüsse 
stehen auf Kämpfern, die dem durch- 
laufenden Gesimse entsprechend 
aufsetzen, und zwar auf zwei Drei- 
viertelsäulen aus echtem, braun- 
violettem, hellgeflammtem Marmor . 
in patinirterBronzernontirung. Diese 
Säulen stehen auf Füssen, welche 
gleich hoch wie die Kaminöffnung, 
diese zwischen sich fassen. Sie sind j 
sehr hübsch detaillirt, stehen auf ' 
Löwentatzen, haben oben kleine 
Eckvoluten und in ihren Füllungen l 
Reliefbilder von sitzenden, sich 
wärmenden Frauen. (Alles Bronze, l 
nach Matschs Zeichnung von Georg ' 
Klimt gegossen.) Der Sockel des j 
Kamins entspricht wieder dern 
durchgehenden Wandsockel. Die i 
Kaminplatte ist dieselbe schön 
gemischte breche violette, aus der  
die Platten der vier Credenztische  
gemacht sind. Das Kamingitter sym- 
bolisirt das Züngelndel quaknende Henne alsßeleuchtungstrügervon ProfJ-ler
	            		
Element des Feuers, indem über einem Vulkankopf ein Flammen- büschel hervorbricht und in zittrigen, wellenförmigen, schliesslich spiralig sich einringelnden Strahlen auseinander strebt, so dass eine Art Netzwerk aus goldhellen Bronzedrähten mit Randstreifen aus symmetrischen kleinen Spiralen entsteht. Man wird ein wenig an mykenischen Archaismus erinnert. Zur Reliefwirkung des Aufbaues tragen ringsum im Saale noch mannigfache plastische Bestandtheile bei. Unter diesen sind zunächst jene vier Hermen an den zwei Hauptthüren zu erwähnen. Es sind Lampenträgerinnen, vier weibliche Büsten aus weissem Carrara, jede mit einer bronzenen Lampenschale (Glühlicht) in der Hand. Ihre herabhängenden Gewänder gedachte Matsch in patinirter Bronze zu machen, entschloss sich aber dann zur Polychromirung und Vergoldung auf Marmor. Die vier Büsten rühren von vier hervor- ragenden Wiener Plastikern her. Die von Hellmer, aus der Secession schon bekannt, wird wohl am meisten Beifall finden. Sie erinnert an jene blinde altchristliche Lampenträgerin von Gabriel Max, ist aber doch sehr persönlich empfunden und mit plastischem Reiz durch- geführt. Ein Kopf ist von Zumbusch; er hat einen herrlichen Ovalkopf in der Glyptothek zum Vorbilde, ist aber im Detail modernisirt. Die beiden anderen sind von Kundmann, der ein Wiener Mädchen gibt, und von Weyr, der erst nach mehreren Versuchen zum Defini- tivum gelangte. Die hohen I-Iermensockel haben unten bronzenes Ornament;' aus akanthusartigem Laub heben sich Ranken, die einander umringeln. Für die Gesammtwirkung der beiden Hauptthüren kommen übrigens noch andere Bronzetheile in Betracht. Sie sind nach Matschs Zeichnung von der Firma Oswald gegossen und in einer dunklen Patina zusammengestimmt. Auf den Ecken der Thür- stürze stehen zwei Tritonen, Männchen und Weibchen, die an niederhängenden Ketten einen wagrecht in der Luft liegenden Thyrsusstab halten. Er ist für gewöhnlich mit einer gestickten Schabracke behängt, soll aber bei festlichen Diners ein Arrangement frischer Blumen tragen. Die Schabracke ist eine schmal in die Breite gezogene Seidendecke in blassestem Citronengelb, mit einem applikirten freien Linienspiel in Mattgold und weissen Perlmutter- perlen, dazwischen das Wort XAIPE. Die Decke endet beiderseits mit einer zierlich bequasteten taenia in Weiss und Gold. Der Voll- ständigkeit halber sei auch das schöne Holzwerk dieser Thüren erwähnt. Die Füllungen bestehen aus ungarischem Eschenholz, dessen feine natürliche Fladerung in hellem Graurosa wie moirirte Seide wirkt. An den hübsch erfundenen Thürklinken kommen viererlei
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