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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 79)

st-adt Neapel kommend, spanischen Boden

betrat, war er bereits 60 Jahre alt. Hier vermehrte

 er die Zahl der Werke, die seine

Landsleute I.uca Cambiaso, Frederico Zuccari,

Pellegrino Tibaldi, Angelo Michele Colonna

und Agostino Mitelli in spanischen Diensten

bereits geschaffen hatten, mit bedeutsamen

Leistungen. Nach ihm sollten diese Tradition

noch Jacopo Amigoni, Corrado Giaquinto und

Giovanni Battista Tiepolo fortsetzen. Luca

Giordano blieb zehn Jahre in Spanien. Sein

erstes Frcsko schmückt das schon genannte

riesige Gewölbe im Stiegenhaus des Escorial.

Anschließend folgten die Ausmalung der umfangreichen

 Gewölbe der Kirche S. Lorenzo

im Escorial, die Decke des großen Salones

im Cason del Retiro in Madrid und des dazu

gehörigen Vnrzimmers. In Toledo malte er

die Decke in der Sakristei des Domes, in

Madrid die der Kirche de Nuestra Senora de

Atocha und der Kapelle des Alten Palastes.

Schließlich ergänzte und restaurierte er noch

die Wand- und Deckenfresken der Kirche

S. Antonio de los Portoguesos. Im Jahre 1702

kehrte er nach Neapel zurück, wo er drei

Jahre später starb.

Nach den oben ausgeführten Überlegungen

liegt es nahe, die Salzburger Skizze im Zusammenhang

 mit der Sakristeidecke in Toledo

zu betrachten (Abb. 6, 7). Und in der Tat

erweist sie sich bei einem Vergleich mit ihr

als ein früher Entwurf für das dortige Fresko.

Sie berücksichtigt zwar noch nicht die speziellen

 Gegebenheiten der Wölbung, wie die

vier Stichkappenpaare, die an den Längsseiten

der (an den Schmalseiten abgewalmten) Tonne

einschneiden, und weicht auch in der Komposition

 wie in verschiedenen Einzelheiten von

der Ausführung ab. Maria, die in der Skizze

das Zentrum der Komposition bildet, ist in

der Ausführung in die unmittelbare Nähe des

heiligen Ildefonso gerückt. Das Oval der

Engel, zu denen sich im Gegensatz zur Skizze

noch Apostel, Märtyrer und andere Heilige

gesellt haben, ist im wesentlichen freigelassen.

Ganz oben erscheint der Name Gottes als

Tetragramm, und ein langer Lichtstrahl geht

von ihm aus und fällt auf Maria. Neben diesen

Veränderungen im großen sind aber doch

verschiedene Details unverändert oder fast

unverändert in das Fresko übernommen: so

die ihre Arme erhebende Frau links unter

dem heiligen Ildefonso und vor allem die

Gruppe mit der Tugend, den zwei Heiligen

und der Stadtansicht im Hintergrund.

Gegenüber der Skizze können die Änderungen

im Fresko kaum als besonders glücklich bezeichnet

 werden. Die anmutig bewegte Maria

der Skizze ist im Fresko zu einer gnadenbildartigen

 Figur erstarrt. Die Leere des Zentrums

wirkt wenig befriedigend. Die Lettern des

Tetragramms, die man erst bei genauerem

Zuschauen entdeckt, wirken wie eine No

lösung.

Wahrscheinlich wurde Giordano i aus we

chen Gründen auch immer 7 vom Auftrag

geber zu dieser Änderung veranlaßt.

Antonio Palomino liefert im dritten Ban

seines Buches El museo pictorico, y esca

optica, der 1724 erschien Z, eine ausfiihrlicl

Beschreibung dieses Deckenfreskos, die in

besondere über die Ikonographie wichtig

Aufschlüsse gibt. So bezeichnet er die beide

Heiligen rechts und links von Maria, die i

der Skizze fehlen, als den Apostel Jacobu

Schutzpatron von Spanien, und als den Er:

bischof von Toledo Elpidio. Die Tugend ai

der gegenüberliegenden Schmalseite sei Just

tia. Das Stadtbild links hinten zeige TülCdi

darüber die heilige Leocadia, Schutzpatroni

der Stadt, und auf einer Wolke der Evangeli

Johannes mit Buch und Feder, die Apokalyp:

schreibend. Er sehe, so schreibt Palomino, i

Gestalt der zu dem Ildefonso herabkommende

Maria das himmlische Jerusalem sich heral

senken. Diese zunächst etwas seltsam a1

mutende Interpretation wird verständlicl

wenn man sich bewußt macht, daß sowol

Maria als auch das himmlische Jerusalen

von dem Johannes im 21. Kapitel der Offer

barung als der Braut Christi spricht, a

Symbole für die Kirche gedeutet werde:

Daß aber Maria als Symbol für das himmlisct
            
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