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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 81)

 
Mragek 
ALBERT PARIS GÜTERSLOH A 
- MALER UND DICHTI 
ER ZUGLEI( 
itezeit aller Künste im 18. Jahrhundert 
terrcich die Gestaltungsprinzipien der 
lergangcnheit niemals in Vergessenheit 
l allen Zeiten sind sie als eine kraftvolle 
iung spürbar und selbst noch in der 
g erkennbar. Immer wieder gibt es 
turen, in deren Werken die barocke 
in verwandelter Form aufersteht. 
Anton liaistauer fühltc das barocke 
}eist und Blut". Weit origineller und 
erscheint es im Leben und Werk 
zrationsgenossen Albert Paris Güterslnh, 
IfC 1909 mit der Neukunstgruppe zu- 
lSSICllIC und Aufsehen erregte. 
is Gütcrsloh hat seine Freunde und 
von einst alle überlebt. Mehr denn je 
lcrisch tätig und gestaltet die Erlebnis- 
reichen lnncnwelt mit den Mitteln des 
i Dichters. Beide Ausdrucksmöglich- 
entfaltetcn sich erst nach einer erfolg- 
aoche als Schauspieler, nach einem 
rlcr Bühne, in deren Bereich ja Dichter 
beheimatet sind. Allein diese Tatsache 
in „barockes" Phänomen. Obwohl im 
ersloh die künstlerische Dreiheit von 
r, Maler und Dichter erst im Nach- 
:h entfaltete und erst nach der Aufgabe 
pielerberufes abwechselnd und gleich- 
Dichter und Maler in Erscheinung 
tann diese Dreiheit nur als eine Mani- 
ines unsichtbaren, einheitlichen Ur- 
fgefaßt werden, in dem von Anbeginn 
erpersönlichkeit Güterslnh gegründet 
Verwurzelung in einem künstlerischen 
:n befähigte Gütersloh, die seit dem 
IS getrennten Künste wieder in ihrer 
den Einheit zu ahnen, zu fühlen und 
„ut pictura poesis - wie die Malerei 
sie zu verwirklichen. Gütersloh wird 
daher gerne von den Malern als ein Dichter und 
von den Dichtern als ein Maler angesehen, un- 
wissend, daß in allen Hochzeiten der Künste jeder 
Maler „redet" und jeder Dichter „malt", das heißt 
daß poetische und darstellende Künste eine un- 
trennbare Einheit sind und jeder Dichter ein 
Maler und umgekehrt ist. 
ln diesem einheitlichen Bereich von redenden und 
bildenden Künsten herrscht das Gesetz der Ver- 
wandlung, der Metamorphose, der Bildung und 
Umbildung. Sein morphologisches Grundelement 
ist das „Bild", die Metapher, die Auge und Ohr 
in gleicher Weise anzusprechen vermag. Die 
Metapher ist eine Urmutter des Poetischen, die 
keine logisch-diskursive Begrenzung duldet. Sie 
bewegt und verwandelt sich stets in Fühlung mit 
dem Ganzen und behält im intellektuellen Bereiche 
ihre anschauliche Kraft. Hier wird sie zu einem 
lntellectus archetypus, zu einem bilderscharfenden 
Verstand, der in der Malerei und in der Dichtung 
gleiches bewirkt, der das Entlegenste, die diffe- 
rentesten Ebenen noch miteinander verbinden 
kann. Dieser bilderschaifendc Verstand liebt das 
Dunkle ebenso wie die Scharfsinnigkeit, die 
barocke Argutezza, die Phantasie, die sich im 
Geistvollen, Witzigen, Pointierten und Zuge- 
spitzten auslebt. Dieser bildcrschaffende Verstand 
bedient sich der „Ver-Ähnlichung" wie der „Ver- 
Fremdung", der überraschenden und unerwarteten 
Verbindungen, um in allen seinen Äußerungen 
etwas von dem dunklen und geheimnisvollen 
Seinsgrund der Kunst und unseres Daseins ahnen 
zu lassen. Diese Gestaltungsprinzipicn, über die 
Albert Paris Gütersloh mehr denn jeder andere 
Künstler der Gegenwart in souveräner Weise 
verfügt, sind unverfälschtes „barockes" Erbe, sind 
eine Wiedergeburt barocker Geistigkcit. 
Die schöpferische Wandlungsfihigkeit mag wohl 
auch der Grund gewesen sein, daß Gutersloh, der 
am 5. Februar 1887 in Wien geboren wui 
mehrmals seinen Namen wechselte. Als St 
einfacher Leute, väterlicherseits aus dem W: 
viertel, mütterlicherseits aus Oberösterreich st: 
mend, verlebte er seine Kindheit unter seit 
bürgerlichen Namen Albert Konrad Kiehtreil 
Ursprünglich wollte er, wie auch schon sein Va 
den priesterlichen Beruf ergreifen, verfehlte 
aber gleich ihm. Seine „sazerdotale Verfassui 
führte ihn zum Theater, ließ ihn die Kanzel 
der Bühne vertauschen. Unter dem Namen All 
Matthäus trat er in den österreichischen Prov. 
theatern auf, um schließlich am Deutschen The: 
bei Max Reinhardt in Berlin zu landen. Gesu 
heitliche Gründe veranlaßten ihn, die Bühne 
verlassen, konnten aber den schöpferischen Dr 
nach Gestaltung und Selbstdarstellung nicht 
einträchtigen. Als Albert Paris Gütersloh beg 
er ein „neues" Leben und debütierte im _]ahre 1 
als Autodidakt in der Ausstellung der Neuku 
gruppe bei Pisko in Wien. 
Wie seine Mitstreiter und Malerfreunde ging 
anschließend nach Paris. lm Jahre 1914 erl". 
er bei der Reininghauskonkurrenz den zwc 
Preis. Den Weltkrieg machte er als Kriegsi 
williger mit. Nach 1918 gesellte er sich zu Fr 
Blei und war an der Zeitschrift „Die Rettung 
Blätter zu der Erkenntnis der Zeit" beteiligt, 
es aber nur auf 14 Nummern brachte. In a 
diesen jahren erschienen Bilder und Dichtung 
die Aufsehen erregten. Güterslohs „sazerdo 
Verfassung" stand immer in Opposition gegen 
Profane der Welt, in der er lebte, sie trug i 
gerade in diesen Jahren zahlreiche politis 
Anfeindungen ein, so daß er sich entschl 
nach München zu übersiedeln. Aber schon 1 
kehrte er wieder nach Wien zurück, um d 
Stadt, die in allem seinem Wesen entspricht, 
mehr für Reisen zu verlassen.
	        
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