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Full text: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 85)

Kirch 
II Vnl. 
n" Slarö Mäsm (Allstax 
seite oder von der Ostseite des Triumph- 
bogens gemessene Länge ihrer Breite 
gleicht. Solche zum Unterschied vom 
ilachgedeekten Schiff wohl konchenge- 
wölbte gestelzte Apsiden finden sich in 
der Kirrbe „na V 1111i: " in Stare Mesto - 
Altxtadl (T. Iljl, Abb. 6) um die Mitte 
des 9. Jahrhunderts und in der späteren 
IV. Kirrbe in Mileuliire (T. II[3, Abb. 7). 
Gestelzte Apsiden waren zwar im aquile- 
janischen Kirchengebiet in altchristlicher 
Zeit verbreitet, aber als Bestandteil anderer 
Baukompositionen als in Mähren, und 
wurden außerdem dort im frühen Mittel- 
alter nicht mehr verwendet. Dagegen waren 
sie im heutigen Bulgarien (Sofia) in ein- 
fachen Kirchenbauten seit dem 4. jahr- 
hundert nicht nur gebräuchlich, sondern 
wurden dort im 9. Jahrhundert öfters 
gebaut, so daß man ihr gleichzeitiges 
Erscheinen in Mähren wohl dem Einfluß 
der in den unteren Donauprovinzen weiter- 
lebenden spätrömischen Bautradition zu- 
schreiben muß. 
 
raum festgestellt wurde. In Sady aber war, 
wie weiter unten angeführt wird, der west- 
liche Vorraum der Kreuzkirche sogar länger 
als breit. Da auch die Vorräume (pritvory) 
altbulgarischer Kirchen bis zu dieser Länge 
ausgebildet wurden, kann man in den ver- 
hältnismäßig langen Vorräumen groß- 
mährischer Kirchen ein frühes Stadium cler 
an der unteren Donau im Mittelalter vor 
sich gehenden diesbezüglichen Entwicklung 
erblicken. Beide letztgenannten Kirchen 
standen auf einem holzumzäunten Hof, 
wodurch sie als Herrenkirchen kenntlich 
sind, deren Vorräume und Höfe auch dem 
Gefolge und Gesinde als Grabstätten 
dienten, sofern es nicht, wie in Pohansko, 
noch eine zugebaute Herrengruft an der 
Mauer der Kirche gab. 
Den Höhepunkt ihrer Entfaltung erreichte 
diese Gruppe in der HI. Kirrhe in Äliliulfiße 
(T. UIS, Abb. 8), deren Schiff durch zwei 
in der Richtung der verlängerten Apsiden- 
seiten gebaute Innenwände, die nur an den 
Stirnwänden Durchgänge freiließen, in ein 
HauptschiE und zwei schmalere Seiten- 
schiffe geteilt wurde. Ähnlich angelegt War 
das SchitT einer spätrömischen Innenwand- 
kirche in Norikum, in Duel im heutigen 
Kärnten. Diese Bauart scheint also aquile- 
janischen Ursprungs zu sein. Der Bau der 
lII. Kirche erfolgte noch vor 864; später 
wurden ihr zwei Vorraume vorgelegt, die 
nur wenig kürzer als breit Waren und von 
denen der äußere das Atrium gewesen zu 
sein scheint. 
und auch andere insulare Traditionen be- 
wahrten. Und das um so mehr, als sich in 
Kärnten, das ebenso wie Mähren bayeri- 
sches Missionsland war, frühmittelalter- 
liche Kirchen finden, deren einfachen, 
oblongen Schiffen ebensolche rechtwinke- 
lige, langgestreckte Presbyterien ange- 
schlossen sind (Gratschach) wie bei den 
angeführten Kirchen (iroßmährens; sie 
weisen also auf eine gleiche Herkunft hin. 
II. KIRCHEN MIT GESTELZTEN 
(LANGGESTRECKTEN) APSIDEN 
(Abb. 5, Tafel II) 
Eine andere Gruppe großmährischer Kir- 
chen hat oblonge SchiHe mit schmaleren 
Apsiden, die zwar halbkreisförmig sind, 
aber beiderseits, wie die Grundrisse zeigen, 
durch unabgesetzt angeschlossene, parallele, 
gerade Wände so „gestelzt" oder ver- 
längert wurden, daß ihre von der West- 
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Zum Unterschied von der vorhergehenden 
Gruppe wurden den Kirchen mit gestelzten 
Apsiden auch Vorräume vorgelegt, die 
aber nicht, wie die Narthexe byzantinischer 
Kirchen, quergelegten schmalen (langen 
ähnlich und deshalb kurz und breit waren, 
sondern, beinahe ebenso lang wie breit 
angelegt, sich einem quadratischen Grund- 
riß näherten. So z. B. in dem erhaltenen 
Fundament Vder nördlichen Hälfte der 
Kirrhe „na Äpitälkärlz" in .S'farä [Wlrta - 
Altrtndl (T. IIIZ), in der eine Reihe von 
drei Pfeilern in nächster Nähe der Schiffs- 
wand wohl einer Seitentribüne diente, oder 
in der Kirrlre von Polnmxka (T. l U4), wo sich 
vor der Apsis ein Bruchstück einer Quer- 
wand befindet. Die Verlängerung des Vor- 
raumes bis zur Hälfte seiner Breite war in 
altchristlicher Zeit im aquilejanischen Kir- 
chengebiet und in Pannonien üblich, wo 
vereinzelt ein beinahe quadratischer Vor- 
Das Vorkommen von Kirchen mit ge- 
stelzten und wohl konchengewölbten Apsi- 
den, die aquilejanische und donauländische 
Einflüsse aufweisen, hängt mit der Ent- 
wicklung der kirchlichen Verhältnisse in 
Mähren zusammen. Im Ansuchen um Ent- 
sendung slawisch sprechender Glaubens- 
lehrer bekannte kurz nach 860 der Mähren- 
fürst Rostislav dem byzantinischen Kaiser 
Michael IIl., daß Mähren durch die Tätig- 
keit von Priestern, die aus Griechenland, 
Welschland und Deutschland gekommen 
waren, schon christlich geworden sei. Ihre 
Tätigkeit, besonders die der bayerischen 
Mission, konnte um 800 begonnen haben. 
Als aber dann den Passauer Priestern der 
Zugang nach Mähren verwehrt wurde, 
was sich wahrscheinlich bald nach Rostislavs 
Einsetzung im Jahre 846 ereignete, steigerte 
sich die Zahl der aus den anderen Ländern 
stammenden Priester. „Welschland" kann 
daher nicht nur Italien, sondern auch 
überlebende Romanen aus dem unteren 
Donaugebiet bedeuten. 
Im Vergleich mit den vom ersten Viertel 
des 9. Jahrhunderts belegten langgestreck- 
ten, rechtwinkeligen Presbyterien scheinen 
die gestelzten Apsiden erst im zweiten 
Viertel, wenn nicht sogar gegen die Mitte 
des Jahrhunderts (Kirche na Valäch) in 
Mähren eingeführt worden zu sein. In 
kurzer Zeit haben sie aber hier durch 
Zufügung von Vorräumen und Innen- 
wänden eine Weiterentwicklung durchge- 
macht, die man anderswo nicht vorfindet.
	        

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