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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 85)

Einen Höhepunkt der zentralen großmährischen

 Wölbungsbauten bedeutet die

sogenannte IX. Kirebe in Älileuliiee (T. lVI3

[siehe Seite 12, Abb. 1]), die offenbar ein

Baptisterium war. lhr kreisförmig angelegter

 Innenraum mit kreuzförmig angeschlossenen

 kleineren Nebenräumen gleichen

 Grundrisses war mit einem Mauergürtel

 umgeben, aus dem diese Nebenräume

 ausgespart waren. Man kann annehmen,

 daß sich die starke Umfassungsmauer

 oberhalb der gewölbten Nebenräurne

 verjüngte und so bis zur Kuppel

des Hauptraumes aufstieg. Damit kam eine

bekannte Bauidee des spätrömischen gewölbten

 Zentralbaues zur Ausführung, die

dem höchsten kuppelgewölbten Hauptraurne

 radial angeschlossene gleichartige

Annexe unterordnete und sie mit ihm zu

einer mehrgliedrigen Einheit verband. Unweit

 gelegene Reste einer brunnenartigen

Zisterne bestimmten das Bauwerk als ein

Baptisterium.

Einen zweiten Höhepunkt des großmahrischen

 zentralen Wölbungsbaues bedeuten

die ebenfalls formvollendeten Fundamente

einer Rollende mit {zwei in der Werl-OJI-Arbre

angeublorsenen hufeirergfärmllgen Apriden in

Zllileulfiee (VI. Kirelze) (T. IVI4, Abb. 13).

Rings um den Bau breitete sich ein mit

Graben und Palisaden umfriedeter Hof,

der außerhalb des Burgwalles lag und in

dem sich zahlreiche Gräber befanden, weshalb

 die Rotunde als Sonderkirche eines

Herrensitzes anzusehen ist. Sie scheint in

allen ihren drei Teilen kuppelgewölbt gewesen

 zu sein. Da man normalerweise den

Eingang in der Längsachse, also in der

Richtung zum Altare, voraussetzen muß,

ist der Eingang in der Westapsis zu denken.

Es handelt sich also um ein aus kreisförmigen

 Elementen zusammengesetztes

Langhaus. Der nur wenig niedriger gelegene

 Boden der Westapsis scheint den

Haupteingang des so entstandenen Längsbaues

 enthalten und seinen Vorraum gebildet

 zu haben. Wichtig ist die Erkenntnis,

daß nach Grabfunden der Bau der zweiapsidalen

 Rotuncle in das erste Viertel

des 9. Jahrhunderts, also in die Frühzeit

des großmährischen Christentums, gehört,

kaum aber mit der Wirksamkeit der

bayerischen Missionare zusammenhängt.

Man muß also in dieser Zeit neben der

bayerischen Mission wohl noch eine

„welsche" voraussetzen.

Keine der bisher bekannten großmährischen

Kirchen kann man der byzantinischen

Architektur zuschreiben, wie wir sie aus

Konstantinopel und Saloniki kennen, woher

 Konstantin-Cyrillus und Methodius

nach Mähren kamen. Die dortigen byzantinischen

 Kirchen sind aus Steinquadern

oder Ziegeln errichtet; ihre Apsiden sind

nicht gestelzt, sondern halbkreisförmig und

außen polygonal; zu beiden Seiten der

Apsis haben sie liturgisch bedingte Pastophorien;

 ihre Narthexe sind kurze und

breite Vorräume - was alles die großrnährischen

 Kirchen nicht besitzen. Man

kann daher annehmen, daß schon vor

Einsetzen der byzantinischen Mission der

TAFEL W. ROTUNDEN (RUNDBAUTEN)

1 Sh"! Mlxm. Rolunde

Mikullire, Vll. Kiuhe

Mikullize. IX. Kirrhz (viemisrhige Rvhulde undBn;

Mikuldire, VI. Kirrhe (Doppelapxidnle Ratmnk)

AMN











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Klrthc Mlkxllöiw VI



Kitchenbau in einem christlichen Mähren

so sehr verbreitet war, daß es in der

Mitte des 9. Jahrhunderts bereits genug

Kirchen gab und Konstantin-Cyrillus und

Methodius es somit nicht mehr nötig

hatten, Bauleute mitzunehmen oder Kirchen

zu bauen.

Im Gegenteil; sichtlich haben Werkleute

aus den südlich der Donau gelegenen

ehemals römischen Provinzen den Bruchsteinbau

 den Mährem vermittelt, um dem

dort einsetzenden Christentum Kirchen zu

errichten, deren Bautypen entweder ihrer

Art oder den Ansprüchen der dort wirkenden

 Priester entsprachen. So haben bayerische

 Priester mit iroschottischen Lehrmeinungen

 auch insular-keltische Bauformen

 mit langgestreckten rechtwinkeligen

Pxesbyterien eingeführt, wogegen Priester

aus südöstlichen Donaugegenden wiederum

Kirchen mit gestelzten Apsidcn und lar

Vorräumen importierten. Zugleich ka

auch Einflüsse aus aquilejanisch-norisi

Gebieten zur Geltung, wie bei den Mi

Wänden oder dem Schilf der X. Kix

und schließlich verleitete auch die k

lingische Architektur zu mißverstand:

Lösungen. Am deutlichsten kam der

fluß einer spätrömischen Bautraditior

der viemischigen Rotuncle des Baptistcri

zum Ausdruck.

Ganz allgemein kann man die großmähri:

Architektur als den letzten Ausläufer s

römischer, hauptsächlich donauländisi

Provinzarchitektur bezeichnen, wobei r

durch zusätzliche Einflüsse gene n:

Kompositionen entstanden, die eine Ei;

art der großmährischen Architektur wui

und sie zu einem neuen Kapitel der fi

mittelalterlichen Kunst formten.
            
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