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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 85)

Josef Poulik

KOSTBARE GRABFUNDE

AUS DER ZEIT DES

GROSSRIIÄHRISCHEN

REICHES

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20

Im Umkreis der steinernen Kirchenbauten,

auf deren Überreste man anläßlich der

Grabungen in den großmährischen Zentren

stieß, wurden auch Friedhöfe sowie gemauerte

 Grüfte entdeckt und eingehend

durchforscht. Dabei fand man in den

Männergräbern schwere Eisenschwerter,

Äxte, Lanzenspitzen und Sporen, während

für die Gräber der Frauen goldene und

silberne Schmuckgegenstände, insbesondere

 Ohrgehänge, Ringe oder silberne

Anhänger für Halsketten usw. bezeichnend

sind. Die überraschende Menge und die

Kostbarkeit dieser Funde stellte die tschechoslowakischen

 Archäologen und Kunsthistoriker

 vor die Frage nach dem Ursprung

dieser Ziergegenstände i ob sie tatsächlich

in die großmährische Zeit, also in das

9. Jahrhundert, gehören - und welche

Anregungen für ihre Gestaltung bestimmend

 waren.

Vom archäologischen Standpunkt aus können

 die kunsthandwerklichen Erzeugnisse

der großmährischen Epoche in zwei Gruppen

 eingeteilt werden, die der ersten und

der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts

angehören. Für die erste Gruppe sind im

östlichen Teil der Zentralregion Großmährens,

 also für das ursprüngliche Fürstentum

 Pribinas, Funde aus Blatnica (bei

Turöianskv Martin) bezeichnend, die in der

archäologischen sowie kunsthistorischen

Literatur bereits wohlbekannt sind. Unter

diesen Funden, die sich in den Sammlungen

des Budapester Nationalmuseums befinden,

fällt besonders ein Eisenschwert von karolingischem

 Typus auf, dessen Griff mit

vergoldetem Bronzeblech plattiert und mit

silbernen Streifen tauschiert ist. Diese

Verzierung des Griffes ist deshalb bemerkenswert,

 weil hierbei Menschenmasken

als ornamentales Element verwendet wurden.

 Einige Forscher vertreten die Ansicht,

daß diese prunkvolle Waffe, deren Träger

wohl ein Edler aus der Gefolgschaft

Pribinas war, aus dem Westen, vermutlich

dem Rheingebiet herstammt. Andere, unter

diesen besonders der schwedische Archäologe

 H. Arbman, verwiesen in letzter Zeit

darauf, daß das Schwert von Blatnica aus

einer bodenständigen Werkstatt hervnrgegangen

 sei. Zu dem Blatnitzer Fund

gehört auch eine Garnitur gegossener Zierbeschläge,

 deren Herstellungstechnik an

gegossene Beschläge der spätawarischen

Epoche aus dem Karpatenbecken anknüpft

(zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts).

Als Karl der Große im letzten Jahrzehnt

des 8. Jahrhunderts die Macht der Awaten

vernichtete, geriet auch die Herstellung

der Beschlaggarnituren, die die Bekleidung

der awarischen Reiter und die Pferde

schmückten, allmählich in Vergessenheit.

In dieser bewegten Zeit siedelten sich die

Handwerker wahrscheinlich im Schutze

der Fürstenburgen nördlich der Donau an,

wo sie zu ihren eigenen Techniken auch

neue Anregungen aus dem karulingischen

und adriatischen Kunstkreis übernahmen.

Aus dem adriatischen Gebiet gelangte

wahrscheinlich die Menschenmaske als

Ziermotiv nach Mähren, der Christuskopf,

der im 7. und 8. Jahrhundert, offensichtlich

unter ostmittelmeerischem Einfluß, auch

bei der Verzierung der sogenannten langobardischen

 (ioldblattkreuze Verwendung

fand. Dieses Motiv erscheint insbesondere

auf den Erzeugnissen der Werkstätten von

Mikuläice, aus der ersten Hälfte des 9. jahrhunderts,

 wofür die dort gefundenen einzigartigen

 vergoldeten Sporen und verschiedene

 Beschläge die schönsten Beispiele

sind. Auf karolingischen Einfluß weist allein

schon die Form dieser vergoldeten Sporen

aus dem Fürstengrab bei der Rotunde mit

den zwei Apsidcn in Mikulcice. Sie sind

mit Halbpalmetten verziert, die in Kerbschnitt

 ausgeführt wurden. Ähnliche Halbpalmetten

 kennen wir im Westen zum

Beispiel aus Handschriften der Schule von

Tours. Karolingische Formen zeigen auch

die zungenförmigen Riemenenden der

prunkvollen Ledergürtel aus Mikulcice,

während sich jedoch die Gußtechnik an

die aus den spätawarischen Werkstätten

überlieferte Tradition hält. Charakteristisch

und vorläufig noch einzigdastehend unter

den kunsthandwerklichen Erzeugnissen des

großmährischen Zentralgebiets sind die

auf den Rückseiten der vergoldeten oder

silbernen Riemenzungen dargestellten MännerHguren

 mit im Gebetsgestus erhobenen

Armen. Sie sind entweder graviert oder

in Flachrelief ausgeführt. Auf einer von

diesen ist ein Priester oder Bischof, auf

einer zweiten anscheinend ein Fürst mit

einem Hammer in der rechten und mit

einem Horn in der linken Hand wiedergegeben.

 Die Bekleidung und Beschuhung

des Mannes auf der silbernen Riemenzunge

unterscheidet sich deutlich von der Bekleidung

 des 9. jahrhunderts im Westen.

Die Funde des ersten großmährischen

Horizonts in Mikulöice fallen zeitlich mit

den angeführten Funden aus Blatnica zusammen.

 In der Fachliteratur wird auch

von einem Blatnitzer-Mikulcicer Horizont

gesprochen. Wichtig ist jedoch, daß die

Funde aus dem Mikulöicer Horizont dortigen

 Ursprungs sind und ihre Hersteller

die neuen Anregungen geschickt mit den

alten, bodenständigen Herstellungstraditionen

 in Einklang brachten. Auch diese

konnten durch die Grabungen in Mikulöice

belegt werden, denn bei den archäologischen

 Abdeckungen wurde festgestellt, daß

sich hier bereits im 7. und 8. Jahrhundert

ein Burgwall befand, innerhalb dessen

Metallgießwerkstätten existierten, in denen

auch Gold verarbeitet wurde.

Ungefähr seit der Mitte des 9. jahrhunderts

begannen die großmährischen Kunsthandwerker

 in den llauptzentren andere Herstellungstechniken

 und andere Formen als

im vergangenen Zeitabschnitt zu verwenden,

 für den der Mikulöicer-Blatnitzer Stil

charakteristisch gewesen war. Die gegossenen

 Ziergegenstände treten größtenteils

 in den Hintergrund, und ihre Stelle

nimmt goldener und silberner gctriebener,

gepreßter, aber auch aus gezogenem Draht

hergestellter Schmuck ein. Bei der Verzierung

 dieser Gegenstände herrschen nun

die feine Granulation und die Filigran-
            
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