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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 85)

ihn 1947 in Wien auf der Akademie für angewandte Kunst. Er studiert bei Prof. Cremer und später 
Prof. Knesl. 1952 bekommt er das Diplom. Es entstehen in jenen Jahren wesentliche Arbeiten. die als 
indere Merkmale die geschlossene Form. die archaische Strenge und die Beibehaltung des von der Natur 
ebenen Erscheinungsbildes aufweisen. Es ist ein sehr festes Verhältnis von Material und Gestaltung, das 
z Werke auszeichnet. Ein Verhältnis, das besonders in unserer Zeit eine Beachtung verdient. Wir 
n das schon bei jener frühen Arbeit aus dem Jahre 1948 ausgeprägt. die zwei hockende Affen darstellt. 
Figuren. die einen einzigen Block bilden, drücken in ihrer geduckten Haltung eine Konzentration 
Kraft aus, die durch die Härte des Materials - es handelt sich um Granit 7 noch gesteigert wird. 
Oberfläche ist nur sparsam gegliedert. Einzelheiten nur wenig in das Steinmassiv eingeprägt. Trotzdem 
lies vorhanden, mehr und typischer als bei einer stärkeren Betonung. Bei diesem Werk merken wir 
gewisse Verwandtschaft mit den blockhaften Formen der Ägypter. von der ausgehend sich das Schaffen 
2', wie wir sehen werden. immer mehr und mehr zu gelösteren Farmen entwickelt. Auch die Vorliebe 
las harte Material schien der Bildhauer mit der Kultur des Niltales Zu teilen. denn der 1951 entstandene 
zende" (Abb. 1) ist ebenfalls aus hartem Stein. aus Mannersdorfer Kalk, geschlagen. 60 cm hoch bildet 
ine geschlossene Pyramide. Die strenge Geometrie herrscht vor. klare. gerade Linien kennzeichnen 
(omposilion. Wir werden an den SchreiberderS. Dynastieerinnert. Jede Individualität ist in dem schwach 
urierten Gesicht zurückgenommen. Es handelt sich um den .,Sitzenden" schlechthin. Selbst die Bronzen 
r Zeit lassen auf keine Lockerung im Stile des Bildhauers schließen. in gleich strenger Symmetrie baut 
der Körper einer weiblichen „Sitzenden". 1951 (Abb. Z), auf. Der Schwerpunkt ist. bei einer Zentrierung 
das Becken als wesentlichster Teil weiblicher Funktion, in den rechten Winkel eines annähernd gleich- 
nkeiigen Dreieckes gelagert. Durch die Verschränkung der Beine. die eine Bewegtheit bringen könnten, 
i eher das Gegenteil. eine Verriegelung. ein ln-sich-Abschließen. hervorgerufen. Das leichte Vorneigen 
Kopfes ist dazu noch eine gewichtsmüßige Bestätigung. 
in jenen während eines Romaufenthaltes 1960 entstandenen Bronzen findet der Künstler zu weniger 
tgen. gelockerten Formen. Diese liegenden und aufgestützten Jüngiingsfiguren. jede um 40 cm lang, 
von einem Hauch mediterraner Geiöstheit umgeben, zu dem auch die warme, körnige Oberfläche 
beiträgt. 
dem Jahre 1962 wendet sich der Bildhauer nun weit freieren Formen zu. Bei einigen Holz- und Eisen? 
iiken wird die Abstraktion ziemlich konsequent varwörtsgetrieben, und doch scheint es erst ein Erproben 
Möglichkeiten zu sein. Nur mit einer Holzfigur. die Hietz 1962 fertigstellt. gelingt ihm mehr. hier 
l ihm zum ersten Male die Erfahrung des Raumes als Umschlossenheit bewußt. Diese knochenhafte 
heinung lößt den Blick des Betrachters magisch in die höhlende Ausnehmung eingesaugt werden und 
t damit in weiblichsmütterliche Bereiche. Aber auch in einigen Torsos (Abb. 4), die annähernd zur 
en Zeit entstanden sind und in denen Hietz zur gegenstandsnahen Darstellung zurückkehrt, ünden wir 
Künstler mit diesem Thema beschäftigt. Von ,.La luna" (Abb. 3). einer Bronzeplastik, die noch mit 
in Rom entstandenen Jünglingstiguren verwandt ist, bis zu den zwei weiblichen Figuren aus dem Jahre 
i (Abb. 5). die zu einer zeichenhaften Formel gerafft sind, sehen wir ein Bemühen des Künstlers. in seinen 
tiken die dem Weibe wesentliche Funktion zu umreißen. Besonders kiarscheint uns in den letzten blanken 
tzegüssen die Parallele mit den Baubo-Figuren gegeben. Die Schoßpartie wird dominierend, gewinnt 
Autonomie, in der das gebürende Prinzip. nicht die sexuelle Attraktion betont ist (E. Neurnann). 
:iie1962entstandene knochenförmige Plastik und das Experimentieren mit freien Formen zurückgreifend. 
ehen nun in den letzten zwei Jahren eine Anzahl Holzarbeiten, bei denen Hietz den in der ..Figur i" 
eschlagenen Weg fortsetzt: die Ergreifung und Einbeziehung des Raumes. Es ist nicht verwunderlich. 
er dabei zu weiter ausholenden Konturen Gndet, bedingt durch das Widerspiei von konkaven und 
iexen Elementen. Besonders die ..Bewegte Form i" und ..Bewegte Form lll, Puck" (Abb. 7) gewinnt 
lil eine barocke Beschwingttieit, die bei der ersteren in ein flammendes Züngein, bei der zweiten in 
fiatterndes Tanzen mündet. Jeweils wird eine Spannung zwischen den vertikalen und horizontalen 
ften angestrebt. Eine schon mehr in sich geschlossene Bewegung zeigt die letzte Arbeit (Abb. 8) aus 
nienholz. Hier hat sich die enorme Dynamik beruhigt. oder besser: geballt. wurde eine in sich kreisende. 
h wir sehen auch. ähnlich wie in der ..Bewegten Form ll" (Abb. 6), wieder das Sichzuriickziehen in 
töhlung. in das Bergende des Körpers. Damit scheint uns aber das in der Reihe der weiblichen Figuren 
aschlagene Motiv freilich in einer anderen, abstrakteren Form aufgenommen, 
 
7 Maihios Hieüz, Bewegte Form lll (Punk). 1965. H1 
H, 65 cm 
B Malhias Hievz, Bewegle Form IV. 1965. Hall, 35x25
	        
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