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Full text: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 88)

in der Neulerchenfelder Pfarrkirche (1764) 
bekannt. Wir wissen jedoch von keinem 
direkten Bauobiekt. Nimmt man noch die 
weitere Wiener Umgebung, die Wallfahrts- 
kirche Snnntagberg dazu (1751 bzw. 
1755756), so ist das (Euvre Hefeles im 
Wiener Raum vollzählig. Hierin ist die 
Ursache der bedauerlichen Tatsache zu 
suchen, claß Hefele als Wiener Architekt 
tatsächlich fast ganz vergessen wurde - 
nicht aber als Architekt des Donauraumes. 
Seine bedeutendsten Werke befinden sich 
außerhalb Wiens, in Passau, in Preßburg 
(Bratislava), in Raab (Györ), der Schwer- 
punkt seines Kunstschaifens liegt aber in 
der kleinen westungarischen Stadt Stein- 
amanger (Szombathely). Hält man sich 
diese Tatsachen vor Augen, so ist es 
keinesfalls verwunderlich, daß die ersten 
literarischen Hinweise auf Hefele aus diesem 
Raum kamen. Ganz besonders eingehend 
befaßte sich die kunsthistorische Forschung 
Ungarns mit seiner Person in der Zwi- 
schenkriegszeit und auch nach 1945. Die 
Namen Dr. Geiin und Dr. Kapossy müssen 
in diesem Zusammenhang ganz besonders 
hervorgehoben werden5. Nach 1945 er- 
blickte man richtigerweise im Lebenswerk 
des verdienten österreichischen Meisters 
den Übergang und die Einleitung zum 
Klassizismus, also zu einer kunsthistori- 
schen Epoche, die man in Ungarn als 
wahren Nationalstil des Landes zu be- 
trachten geneigt ist. 
Somit kann man erfreulicherweise heutzu- 
tage von Hefele nicht mehr als von einem 
vergessenen Wiener Architekten sprechen. 
Im Gegenteil. Auch in Österreich gilt sein 
Name wieder als Persönlichkeit dcs boden- 
ständigen, frühen Klassizismus im aus- 
klingenden Barock (Grimschitz). Getrost 
kann man ihn heute zu jenen Künstlern 
des 18. Jahrhunderts zählen, die in dieser 
großartigen Österreichischen Epoche Wert- 
messer auch für die Kunst Östlich von 
Wien wurden. Hefele war somit das letzte 
Glied einer Entwicklung, die vom Wiener 
Hochbarock bis zum Klassizismus reicht 
und das KunstschaHen auch nach Ungarn 
weitertrug. Sein Name verdient einen ge- 
bührenden Platz neben Fischer, Hilde- 
brandt, Pilgram, Donner, Troger, Maul- 
bertsch und Dorfmeister. 
Melchior Hefele wurde den 11. 1. 1716 in 
KaltenbrunnjTirol geboren. Sein Vater 
Michael war Landwirt, rnußte aber auch 
mit dem Maurerhandwerk zu tun gehabt 
haben, da sein Sohn ihn auch als Maurer- 
meister erwähnt 6. Der Familienname wurde 
früher „Häfele" geschrieben. 
Hefele erlernte ursprünglich das Tischler- 
handwerk, über Ort und Dauer seiner 
Lehrzeit ist uns leider nichts bekannt. Als 
junger Zeichner kam er nach Würzburg, 
zum Bau vom Residenzschloß, etwa 1737 
oder 1738. In dieser Zeitfrage kann man 
nicht Gubys Ansicht sein - der die An- 
kunft Hefeles in Würzburg mit 1734 an- 
nimmt 7, weil Hefele damals erst achtzehn 
Jahre, also vermutlich zu jung gewesen 
war, um als bestenfalls frischgebackener 
Tischlergeselle neben dem berühmten Hof- 
schlosser Oegg bereits als Kunstzeichner 
zu fungieren. Ob Hefele aus Wien eine 
Empfehlung an Oegg erhielt oder ob 
ein verwandtschaftlich-landsmannschaftliches 
Verhältnis zwischen ihm und dem ebenfalls 
aus Tirol stammenden großen Eisenkünstler 
bestand, ist nicht bekannt. Fest steht nur 
die Tatsache, daß der junge Tiroler beim 
Entstehen der vielbewunderten Werke der 
Schmiedekunst in Würzburg mittätig war, 
wozu unbedingt erforderlich gewesen sein 
mußte, daß Hefele auch in der allgemeinen 
Graphik und in der baulichen Darstellungs- 
weise schon damals eine Fertigkeit und 
Begabung zeigte. Würzburg war für Hefele 
eine gute Schule. Die praktische Arbeit 
neben Oegg war ebenso wichtig wie die 
Anwesenheit bei Balthasar Neumanns 
größtem Werk, welches man mit Recht 
für eines der hervorragendsten Werke der 
repräsentativen barocken Schloßbaukunst 
hält. Es wird vielleicht nicht allzu weit 
gehen, wenn hier behauptet wird, daß 
Hefcles spätere große Fertigkeit zur Lösung 
der feinsten Details in der Tätigkeit neben 
Oegg wurzelt. 
Kaum zu erforschen wird die Frage sein, 
0b Hefele jemals nach Italien oder Frank- 
reich gekommen war. Da diesbezüglich 
die biographischen Daten schweigen, kann 
man wohl annehmen, daß er während 
seiner Wanderzeit und auch später den 
deutschen Sprachraum nicht verließ, es sei 
denn aus beruflichen Gründen nach Un- 
garn. Als Argument für diese Annahme 
glaubt der Verfasser die erhaltene Kor- 
respondenz des Architekten mit seinem 
wichtigsten Bauherrn, Bischof Szily, ins 
Treffen führen zu können. Dieser Kirchen- 
fürst hat in Rom die Theologie absol- 
viert und bei dem Bau seiner Episkopal- 
kirche eine Anlehnung an die Kirchen 
Il Gesu und San Ignazio gewünscht, da 
der Eindruck dieser römischen Kirchen in 
ihm als schöne jugenderinnerung weiter- 
lebte. Hätte auch Hefele die beiden Vor- 
bilder des Bauherrn persönlich und nicht 
nur aus Abbildungen gekannt, so müßte 
diese Tatsache in ihrer Korrespondenz 
gewiß Erwähnung finden. 
Der nächste sichere Anhaltspunkt in Hefeles 
Biographie ist die Übersiedlung nach Wien 
spätestens 1742. Er gewann in diesem Jahr 
bei einem Preisausschreiben der Wiener 
Kunstakademie den ersten Architekturpreis 
und eine Goldmedaille. Von diesem Zeit- 
punkt an hatte Hefele den ständigen Wohn- 
sitz in Wien, in jener Stadt, wo er zum 
echten Künstler heranreifte und wo er 
durch seine Eheschließung mit Katherina 
Jeklein auch persönlich Wurzeln schlug 5. 
Über die Tätigkeit Hefeles zwischen 1742 
bis 1751 wissen wir kaum etwas, doch 
muß dieser Lebensabschnitt zwischen dem 
26.-35. Lebensjahr entscheidend für seine 
künstlerische Entwicklung gewesen sein, 
da in der 1751 begonnenen Planung für 
Sonntagberg plötzlich ein reifer und hoch- 
begabter Baukünstler zum Durchbruch 
kam. Er muß auch eine Bindung an die 
kaiserliche Akademie und einen Kontakt 
zu den führenden Künstlerkreisen gehabt 
Mzlchior Hefele, Fasäadc der Domkirrhc in f 
aman 
Mclchior Hcfclc, lnnenansichr der Domkirche, Zu 
vor du Bombcnzerslörung 
ANMERKUNGEN 5 - 6 
ß D1. Gäiin GyuIa: A szombathulyi szvikcscgyhäz. Mini! 
1943. - A szombathclyi egylrzmcgye rünänecc 
usw. m. Kaposs Jänos: m barokk epimu: 
gyaxolszägon, Bu apcsl 1921. - A szombathclyi 
kcsc m: es mmnyeulköpci. Budapest 1922. 
ßiihnsizlicßung am 7. Jäxuxer 1754 mit Katharina ]( 
in der Pfankirdz: Manz Treu. 
 

	        

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