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Full text: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 88)

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und einen behelmten Landsknechtkopf enthält. Eine Schmuckkassette, außen 
und innen mit besonders reicher Eisenätzung und mit teils durchbrochenen und 
gravierten, teils getriebenen vergoldeten Auflagen aus Kupfer geziert, aus der 
Mitte des XVI. Jahrhunderts. Aus der gleichen Zeit stammend: eine große 
Kasse mit auch technisch interessanter Arbeit durch das reiche sichtbare 
Gesperre, bei welchen sechsundzwanzig nach allen Seiten ausgehende Riegel 
bei einer Schlüsselumdrehung gleichzeitig schließen. Bei diesem Stück ist 
der reiche Mechanismus auch absichtlich fast ganz bloßgelegt, da er für sich 
schon ein Ornament bildet, so daß nur einzelne Knotenpunkte durch kleine 
Deckplatten mit durchbrochenem und gravierten Ornament und Halbtiguren 
geziert sind. 
Eine zweite große Kasse zeigte die Anwendung einer vollständigen 
Deckplatte mit reicher Durchbrucharbeit und feiner Meißelung. Eine seltsame 
steirische Altarglocke in Form eines kurzen Zylinders, der ringsherum durch- 
brochenes und gemeißeltes Ornament, oben das Monogramm Christi und 
unten eine Rosette in gleicher Technik enthält und auf drei, die ganze Höhe 
hinaufreichenden, zierlich ausgeschnittenen Strebefüßen ruht und ein 
besonders reich geschmiedeter 208 Zentimeter hoher Kirchenleuchter für 
28 Kerzen, dessen Grundform wohl von der Cypresse abgeleitet ist, müssen 
noch genannt werden. Letzterer stammt von der durch Erzherzogin Maria 
von Bayern im Jahre 1590 erbauten Filialkirche St. Johann und Paul bei 
Graz, muß aber von anderswo dorthin übertragen worden sein, da er noch 
Formen der Frührenaissance aufweist. Weiter seien noch genannt Tür- 
schlösser, Türklopfer und -beschläge, Pfannenständer, Wandleuchter und 
verschiedene Gitter. 
Die Waffen und Rüstungen reihten sich den vorgenannten Schmiede- 
eisenarbeiten in einer gesonderten Gruppe an, und zwar so, daß drei 
hervorragende von dem Beginn, der Mitte und aus dem Ende des 
XVI. Jahrhunderts stammende Rüstungen mit drei Waffengruppen wechsel- 
ten. welch letztere der Zeit nach zu den nebenstehenden Harnischen 
und zu den Herrschern stimmten, von deren Originalbildnissen sie bekrönt 
wurden". 
Weitere Rüstungen waren unter den Zunftfahnen als dekorativ ver- 
bindende Objekte aufgestellt, und zwar zwischen den fünf Schaukasten 
des steiermärkischen Landesarchivs, welche das steirische Handwerker- 
recht und zünftisches Leben aus nahezu fünf Jahrhunderten, vom XIII. Jahr- 
hundert angefangen, darstellten. I-Iiezu gehörte noch an der Mitte der 
gegenüberliegenden Wand ein Schaukasten mit steirischen Handwerks- 
siegeln des XVI. bis XIX. Jahrhunderts". An dessen beiden Seiten befanden 
sich reichgezierte steirische Richterschwerter, Freiungszeichen und zwei auf 
hohe Schaugestelle aufgebaute, imposant wirkende Gruppen von Zunfttruhen, 
-kassen und -humpen aus dem XVII. bis XIX. Jahrhundert. Ein Schrank 
' Siehe Handbuch der Ausstellung, Seite 70 bis 72. 
"' Siehe Handbuch der Ausstellung, Seite an bis 44.
	        

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