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Full text: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 54 und 55)

l Grimhüche Grabslcle 
mit Taube. 5. Jh. v. 1 
Kunsdvztorenpalzsl. 
2  Marie 
Notlc Dimß. Paris um 
 
wird und sich Mutter und Kind einander zuwenden E), 
während das Stück aus Langres deutlich macht, daß 
der Künstler die Idee der Mystik nicht verstanden 
hat9). In Nanteuil-le-Haudouin streicht das Kind 
sanft dem Vogel sein Gefieder glattm). Auch das 
Vöglein der Gruppe in Lorris wird vom Kinde an 
den Flügeln gehalten"), das Beispiel von Volvic 
gibt kein klares Bildll). Alle diese Bildwerke 
gehören dem 14.]h. an und lassen sich mühelos 
durch Beispiele aus Elfenbein in München (Bayr. 
N. M.), in Wien (Kunsth. M.) und durch größere in 
Zürich (Kunsthaus), in Frankfurt (Liebieghaus), 
darunter eines aus Österreich in der Art der Admonter 
Madonna13) vermehren. Endlich sind zahlreiche 
französische Plastiken in französischen Kirchen, wie 
etwa in Ecouis (Kollegiatskirche), im Museum 
Toulouse, aber ebensogut in Spanien (so einige 
Stücke im Museum von Barcelona und a. a. O.) 
nachzutragen. Wenn wir noch auf die schon 
erwähnten Arbeiten in Österreich und Italien hin- 
weisen und einige bayrische anfügen: Bogenberg 
(Madonna über dem Eingang), Waldenbach am 
Regen (mit Hinweis auf ein Vorbild in Regensburg), 
auf eine aus Salzburg (auf Löwen), in München 
(Bayr. N. M.), so steht außer Zweifel, daß die hohe 
Zeit dieses Madonnentyps das 14. _]h. ist. Er reicht 
wie in der Löwenmaclonna aus Salzburg oder in der 
Würzburger Alabasterfigur auch noch in die Zeit 
um 1380, läßt dann jedoch im Bereich der „schönen 
Madonnen" kaum einen Niederschlag finden. E. Male 
spricht nicht umsonst von der „Blütezeit der fran- 
zösischen Kunst" und Vloberg äußert sich zum 
Kind in Riom: „Noch nie hat man besser die Freude, 
Unschuld und die Zärtlichkeit dargestellt, wie in 
diesem Kinderkopf." Das sind freilich ästhetische 
Wertungen, die auf die Tiefe des Themas nicht 
eingehen und die mystische Geistesströmung außer 
acht lassen. Und doch würde die Gruppe in St. Urban 
in Troyes (schon aus dem späten 15. jh. -neuerlich 
das Thema in seinem Kern verständlich machen. 
Wir sehen einen Kuckuck (P) von einer Weintraube 
naschen"). Das heißt - auch in der Sprache des 
nun bürgerlichen Realismus i, daß sich die Seele 
vom Blute Christi nährt. Die Weintraube ist längst 
durch das mystische Bild „Christus in der Kelter" 
eingeführt, ja ist der Hinweis auf das Blut Christi 
schlechthinß). Also auch jetzt ist der Hinweis auf 
die Passio und den Seelenvogel noch deutlich vor- 
handen. Wir sehen das Thema auch ohne Kind: 
etwa in der Kirche zu Thann im Elsaß, wo ein 
Lebensbaum, in dessen Trauben die Tauben (P) 
naschen, auf diese Verbindung hinweist, Wobei sich 
auch die Vorstellung, daß die Vogel-Seele sich im 
göttlichen Baum geborgen weiß, mit hineinspielt. 
Nur zu oft sehen wir auch den Bogenschützen, vor 
dem der Vogel Hiehen muß, weil er ihm nachstellt. 
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