MAK

Full text: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 89)

3. 
nn wir nicht irren, ist in diesem Zu- 
n-nenhang auch von Melchior Broeder- 
zu sprechen. Er hat die von Herzog 
lipp dem Kühnen für die Kartause 
impmol bestellten Altarflügel mit je zwei 
nen aus dem Marienleben in den Jahren 
4-1399 in seiner Werkstatt in Ypern 
ialtll. Damit ist wenigstens hinweisend 
reiflich gemacht, warum sie sich von 
Kunst der hößschen Maler unter- 
ziden. Mehreres ist zusammengekom- 
1. Bandol war die gotische Form und 
enkalligraphie als eine durch das jahr- 
idert wirkende Tradition gegeben ge- 
en, inzwischen aber hatte Jacquemart 
Hesdin - die Petites Heures des Duc 
Berry (Paris, Ms. lat. 18.014) sind um 
O zu datieren - sie erneuert und ihr 
z dem romantischen Geist der höiischen 
Gesellschaft gemäße Form gegeben, indem 
er die Erfahrungen der italienischen Tre- 
cento-Malcrei und den Handrischen Realis- 
mus zu einet märchenhaften Gestalt subli- 
miert hatte. Wie sehr Broederlam von 
Jacquemarts Kunst beeindruckt gewesen 
ist, lehrt ein Blick auf den Verkündigungs- 
engel, dessen Gewand er zu üppigstem 
schönschriftliehem Reichtum stilisiert hat. 
Ebenso reich hat er die Gewänder Mariens 
in der Verkündigung und in der Flucht 
durchgeformt. Hier übertrifft er fast noch 
die höfischen Maler, so raffinierte Form- 
gebilde hat er entwickelt. Und das zierliche 
Gehäuse, in dem iWiaria die Verkündigung 
empfängt, oder das andere, in dem die 
Darstellung im Tempel vollzogen wird, 
sie könnten auch in Miniaturen der Brüder 
von Limburg Platz gefunden haben. Aber 
dann sind die Figuren gedrungen, sind die 
Gebärden schwer, und dicke wollene Gi 
wänder umhüllen Maria und Elisabeth i 
der Heimsuchung und geben ihnen ei 
fülliges Volumen. Gegenüber den übe 
schlanken und gleichsam schwerelosen G: 
stalten in den Miniaturen der höfische 
Gruppe, gegenüber deren schmalen G4 
sichtern und gezierten Bewegungen h: 
Broedcrlam auf Grund eines recht andere 
Figurenideals gestaltet. Der ]0sef, ei 
bärenhaft untetsetzter und sich schwcrfälli 
bewegender Bauer, der allerlei Zeug a 
einem Stock über der linken Schulter rräg 
und mit der Rechten ein Fäßchen zur 
Munde führt, um einen langen Schluck 2 
nehmen, erscheint wie ein Signet der Kun: 
Broederlams und der sachlich-realistische 
Richtung, der er von Herkunft her wesen 
lich verbunden gewesen ist. Vor der Arbe 
an diesen Altarfiügeln muß er die Paris:
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.