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Full text: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 90)

 
"SELECTION 66": MÖBEL IM 
STIL UNSERER ZEIT 
Zu einer vom Wiener Architekten Hans Hollein 
vorbildlich gestalteten Schau im Museum für 
angewandte Kunst (Abb. 1-6) 
Daß Österreich mehrere junge Architekten von 
Sondcrklasse besitzt, die 7 würde man sie öfter zu 
interessanten Aufträgen heranziehen i das Zeug 
in sich hätten, nicht nur der im argen liegenden 
heimischen Architektur wichtige Impulse zu geben, 
bewies bereits zum zweitenmal der Wiener Hans 
Hollein mit der von ihm eingerichteten Ausstellung 
"Selection 66", 
Dievon der bekannten Biiromöbelfabrik R. Svoboda 
undCo.imOsterreichischenMuseumfürarigewandte 
Kunst in Wien veranstaltete Exposition kann als die 
seit Jahren exklusivste und einprögsamste Aus- 
stellung dieser Art in Österreich bezeichnet werden. 
Sie beeindruckte in gleicher Weise durch ihre 
architektonische Kühnheit, ihren Experimentier- 
charakter und den der räumlichen Gestaltung und 
Aufteilung zugrunde liegenden Ideenreichtum. 
Hollein, der erst im Vorjahr für den Entwurf einer 
Kerzenboutique am Kohlmarkt mit dem begehrten, 
von einer amerikanischen Firma gestifteten 
ReynoIds-Preis ausgezeichnet wurde (Höhe: 
650000 S), hinterlegte mit dieser vorbildlichen 
Arbeit neuerdings eine individuelle Visitenkarte 
von Rang. 
Proül und Charakter besaßen freilich auch die im 
Stil der Op-Art und mit den dekorativen Methoden 
der geometrischen Abstraktion präsentierten Möbel 
und Beleuchtungskörper selbst, die vielfach von den 
bekanntesten Architekten und Designern unserer 
Zeit stammen: von Le Corbusier (Stahlrohr- 
fauteuils aus dem Jahre 1928), von Achille und 
Piergiacomo Castiglioni (Steh- und Hüngelampen). 
von Tobia Scarpa. Marcel Breuer und dem jungen 
Österreicher Walter Pichler, einem Vertreter der 
Avantgarde, von dem ein hochelegariter und 
zweckentsprechender Aluminiumfauteuil, Modell 
1966, entworfen wurde. 
„Selection 66" wollte allerdings mehr. als bloß 
Möbel zeigen. Ihre Zielsetzung bestand vielmehr 
darin, Möbel sowohl als Teil einer Umwelt oder 
als Ausgangspunkt einer Idee über die Umwelt 
darzustellen und die in den Objekten liegenden 
Möglichkeiten der räumlichen Entwicklung und 
Eigenart sichtbar zu machen, als auch zugrunde 
liegende Funktionszusammenhönge und Organi- 
sationsprinzipien anzudeuten". 
Entsprechend der Devise "Weniger ist mehr" und 
unterstützt durch kräftige, auffallende Forbakzente, 
Blickfdnge und optisch-akustische Effekte (auto- 
matische DiaeProjektion zu neuesten Hits) erzielte 
Hollein ein Optimum an Aufmerksamkeit für das 
gezeigte Produkt, seine Funktion. aber auch für 
das Arrangement der exemplarischen Ausstellung 
selbst, 
Peter Baum 
 

	        

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