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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 91)

Alfred Schmeller

ZUR STRUKTUR DER

KUNSTLANDSCHAFT DES

BURGENLANDES -

RANDLAGEVERZAHNUNG,

SPRENKELUNG

Das charakteristische Muster des Burgenlandes

 heißt Sprenkclung. Der Lauf der

Geschichte hat es mit sich gebracht, daß

hier östliche, westliche und südliche Votstöße

 und Einsickerungen einander trafen

und überlagerten, woraus jene eigentümliche

 Verzahnung entstand, das Ergebnis

einer ataktischen Dialektik aus Verheerung

und Selbstbehauptung, aus Burg und

Durchzug, aus Tribut und Umschlag,

welche die Physiognomie dieses Grenzlandes

 bestimmt. Retention und Avantgardismus

 sind hier ausgeprägter als anderswo

 und das bis auf den heutigen Tag.

Völkerreste blieben hier sitzen; um nur

einige zu nennen: die jungsteinzeitlichen

Notenkopfkeramiker, welche die „Venus

von Draßburg", ein Idol, hinterließen, die

Glockenbecherleute, die Illyrier, welche

die schöne Stierkopfurne (Museum Eisenstadt)

 schufen, Boier, römische Veteranen,

Völker der großen Wandcrungszeit, Awaren,

 Mährer, Pregner bzw. Heanzen, Petschenegen,

 protestantische Einwanderer,

die noch vor den Kroaten die Wüstungen

des Heidebodens auffüllren, natürlich Magyaren,

 Habaner und vielleicht hier und

dort ein Türke.

Daraus resultiert jene Vielfalt und Mehrschichtigkeit

 des Landes, das auf Grund

seiner Randlagc mehr als sonstwo den

Völkerstürmen preisgegebenes Grenzland

war, ein Grenzstreifen aus Pforte und Sperrwall,

 in dem eine extreme Verzahnung

gleichsam die äußersten Spitzen brach, die

als Splitter seßhaft wurden.

1 Venus von Drmßburg. Zwcilaltcstc Fraucndarstcllung

mm der "Venus w" Willcnrlorf" in Öxterrcith.

Steinzcitlichc Rvlicfplustil. Huf einer (icfäßscherh . Aus

der juugstcitxzeir

Eiscnsladt-Obcrberg. Kalvarienlvcrg. Knlnricrrcr Stich

von Felix Nicring

3 Lorelto, Gnadcnknpellc (Lnrctlnkapclle). Hlnrer dem

Girrcr das Gnadcnbild. diu sug. SCHWJHC Madonna.

Um 1750



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