MAK

Full text: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 92)

Walther Maria Neuwirth 
KÜNSTLERSCHICKSALE 
AUS ARCHIVBRIEFEN 
 
Im Laufe der letzten fünf Jahre wurde das 
umfangreiche Archiv der Gesellschaft bil- 
dender Künstler Wiens, Künstlerhaus, er- 
schlossen. Während des Vorjahres erhielt 
es von dem jetzigen Präsidenten, Hochschul- 
prof. Dr. techn. Karl Kupsky, im ersten 
Stockwerk des Hauses ein würdiges Lokal 
und wurde außerdem mit modernen Stahl- 
regalen ausgestattet, die eine zweckent- 
sprechende Lagerung der Archivschätze 
garantieren. Das Archiv besitzt auch eine 
viele hundert Exemplare umfassende Samm- 
lung von Originalbriefen. Einige dieser 
Künstlerbriefe, die sich auf Wiener Künstler- 
schicksale oder auf in Wien geschaffene 
Werke beziehen, lassen wenig bekannte 
oder noch unbekannte Schicksale in grellem 
Lichte sichtbar werden. Ihr Inhalt sei teil- 
weise nachfolgend der Öffentlichkeit be- 
kanntgegeben. 
Der Bildhauer Anton Ritter von Fernkorn 
(f 1878) schrieb vor 94 Jahren am 17. Mai 
1873 an den damaligen Vorstand des Künst- 
lerhauses, Maler Prof. Eduard Ritter von 
Lichtenfels: „Gefertigter, welcher seit Be- 
ginn des Vereins Mitglied desselben war (I), 
muss jetzt in seinen traurigen Verhältnissen 
höflichst um zwei Freykarten bitten für 
mich und seinen Diener. Er zeichnet sich 
Achtungsvoll . . ." Fernkorn, der an zeit- 
weiser geistiger Umnachtung litt, schrieb 
diesen Brief aus einer XViener Nerven- 
heilanstalt, und der Prirnararzt, dem alle 
Briefe vorgelegt werden mußten, fügte am 
18. Mai Fernkorns Bitte folgende Nach- 
schrift hinzu: „Herr Ritter von Fernkorn 
ist in einem Zustande, in dem er zeitweilig 
Bildergallerien u. dergl. besuchen kann und 
öfters ausgeht. Er ist zwar nicht in miss- 
lichen Verhältnissen, da er neben der 
Anstaltsverpflegung noch eine monatliche 
Zubusse hat, die er aber zumeist für seinen 
Gaumen verbraucht; aber sie genügt ihm 
nicht, um noch andere Vergnügungen, die 
nicht ganz billig sind, mitzumachen. Dass 
er zu seiner Begleitung immer einen 
Krankenpfleger bei sich haben muss, braucht 
wohl nicht besonders bestätigt werden." 
Die zweite Freikarte brauchte Fernkorn für 
seinen Wärter. 
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Der einflußreiche Vorsitzende des Haupt- 
vorstandes der Deutschen Kunstgenossen- 
schaft in München, der seinerzeit berühmte 
Bildhauer Professor Konrad Knoll, von 
dem u. a. die Kolossalstatuen Heinrichs des 
Löwen und Ludwigs des Bayern in Zink- 
guß am alten Rathaus zu München und der 
Fischbtunnen auf dem Marienplatz vor 
dem Neuen Rathaus stammen, schrieb am 
5. Dezember 1868 an das Wiener Künstler- 
haus: „Lieber Freund! Mit Markatt's 
Bilder habe ich nichts zu schaffen. Da ich 
übrigens bei dessen Vergolder mein Atelier 
habe, so fragte ich diesen und erfuhr, dass 
die Bilder Makarts vor 8 bis 10 Tagen schon 
nach Wien gesandt wurden und zwar unter 
der Adresse: Oesterreichischer Kunstverein. 
Nebenbei bemerkt über dieses Pechfsche 
Hätschelkind: wenn Ihr Euer Künstlerhaus 
zu einem Hurenhaus umgestalten wollt, 
dann müsst Ihr diese Saubilder dafür 
kaufen." (Pecht war Kritiker, Anm. d. A.) 
Bekanntlich waren Feuerbach, Canon und 
Pettenkofen vorn „Meteor" Makart ver- 
dunkelt worden. Darüber handelt der Brief 
der Mutter des 2. Hellenen Europas, c 
Frau Henriette Feuerbach, geborene H: 
denreich aus Nürnberg, vom 9. März 181 
Sie schrieb 2 Monate nach dem T1 
Anselm Feuerbachs (geb. 1829) unter anc 
rem an den Vorstand des Künstlerhaus 
Baron Architekt Karl von Hasenaun 
„Geehrter Herr! Sie müssen mir verzeihe 
wenn ich es ehrlich ausspreche, dass c 
Name Wien mir bitter klingt. Mein S0} 
der in vorlezter jugendkraft in ihre Mi 
trat, hat nach drei Jahren (1875, Anm. d. I 
den Todeskeim mit hinweggetragen. E 
,Wie' ist mir leider nur zu wohl bekam 
das ,Warum' bleibt ein unauflöslic} 
Rätsel. Diejenigen, die an dieser ewig l 
weinungsxivürdigen Tragödie rnitgearbei 
haben, mögen sich des Ausgangs freue 
wenn sie können." 
In einem Brief vom 3. März 1877 schri 
Maler Alois Nigg, ordentliches Mitgli 
des Künstlerhauses, an den Vorstand c 
Genossenschaft Maler, Friedrich Sehilcht 
Er beklagte sich, daß Gemälde seines Sc 
nes, der als Gast in einer Künstlerhai
	        

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